Weitere Namen
Karl-Friedrich Behn (Geburtsname) Friedel Behn-Grund (Schreibvariante)
Darsteller, Kamera
Bad Polzin, Pommern (heute Polczyn Zdroj, Polen) Berlin

Biografie

Friedl Behn-Grund wurde als Karl Friedrich Behn am 26. August 1906 in Bad Polzin, Pommern (heute Polczyn Zdroj, Polen) geboren. Der Sohn des Theaterintendanten Otto Gottschalk und der Schauspielerin Emmy Behn wuchs bei seiner Mutter in Deutschland auf, die Engagements in zahlreichen Städten wahrnahm. Ab 1918 lebten sie in Berlin; im folgenden Jahr begann Behn-Grund seine Kariere beim Film als Kinderdarsteller, unter anderem in Filmen von Ernst Lubitsch.

In dieser Zeit entwickelte Behn-Grund bereits ein großes Interesse an den technischen Aspekten und Abläufen des Films, und es zog ihn bald zu den künstlerisch Schaffenden hinter die Kamera. Der Kameramann Erich Waschnek holte ihn 1920 mit 14 Jahren zur UFA, wo er im Labor und in der Kopieranstalt Arbeit fand. Hier erlernte er nach eigener Aussage die Grundlagen, um ein guter Kameramann zu werden – als goldene Regel für Kameraschüler hielt er später fest: "Macht zuerst einmal eine Fotoschule durch, geht dann für einige Zeit in eine Kopieranstalt, anschließend in eine kameratechnische Werkstatt. Dann aber arbeitet als Assistent bei einem guten Operateur und bleibt bei diesem einen, damit ihr eine klare Auffassung von Bildwirkung bekommt. Den eigenen Stil könnt ihr auch nachher schaffen." (Friedl Behn-Grund, in: Zur DEFA – Geschichte Spielfilme 1946-1949, Potsdam Babelsberg 1976, S.404).   

1924 beförderte Waschnek ihn zum Kamera-Assistenten und setzte den jungen Mann auch als zweiten Kameramann ein. Bereits nach einem Jahr erfolgte der weitere Aufstieg: Waschnek, der zur Regie übergegangen war, vertraute dem 18-Jährigen bei seinem Film "Kampf um die Scholle" (1925) erstmals die Alleinverantwortung als Kameramann an. Waschnek nannte ihn im Vorspann "Friedl" und Behn-Grund behielt diese Namensform bei. Den zweiten Nachnamen "Grund" hatte er schon eine Weile vorher von einem Liebhaber seiner Mutter übernommen.   

Seine Karriere nahm schnell Fahrt auf und er zeichnete bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bei mehreren Filmen pro Jahr als Kameramann verantwortlich. Dabei arbeitete er mit einigen der bekanntesten Regisseure dieser Zeit. Für Waschnek drehte er "Man im Feuer" (1926) und "Skandal in Baden-Baden" (1928), für Richard Oswald "Ehe in Not" (1929). Ab 1929 war er für verschiedene Produktionsfirmen tätig und arbeitete ab 1932 abwechselnd für Waschneks Fanal-Film GmbH und die UFA. Bei Oswalds "Wien, du Stadt der Lieder" (1930) kam Behn-Grund zum ersten Mal mit dem Tonfilm in Berührung;  im selben Jahr drehte er mit Oswald noch die Tonfilme "Dreyfus" (1930) und "Die zärtlichen Verwandten" (1930). Es folgten Zusammenarbeiten mit Gerhard Lamprecht bei "Barcarole" (1935) und Paul Verhoeven bei "Der Tag nach der Scheidung" (1938) und "Die Nacht in Venedig" (1942).

Von 1936 bis 1945 war Friedl Behn-Grund auch bei Tobis angestellt und drehte zahlreiche Unterhaltungsfilme, darunter Herbert Selpins und Werner Klinglers "Titanic" (1943). Diese Zeit gehörte aber auch zur weniger rühmlichen Seite von Behn-Grunds Biographie, denn er fungierte als Kameramann auch bei Propagandafilmen für das nationalsozialistische Regime. So zeigte er sich verantwortlich für die Bildgestaltung bei Hans Steinhoffs "Ohm Krüger" (1940) und Wolfgang Liebeneiners Euthanasie-Apologie "Ich klage an" (1941). Beide Filme werden bis heute als Vorbehaltsfilme eingestuft.  

Direkt vor Kriegsende zog Behn-Grund sich durch eine Granate eine Verletzung zu, die zum Verlust eines Beins führte. Bereits wenige Monate später stand er jedoch wieder hinter der Kamera und drehte mit Wolfgang Staudte den ersten deutschen Nachkriegsfilm, das von der DEFA produzierte Meisterwerk "Die Mörder sind unter uns" (1946). Wie kaum einem Kameramann dieser Zeit gelang es ihm darin, die bedrückende Atmosphäre der Nachkriegszeit filmisch zu gestalten und zugleich die Emotionen über die Ausleuchtung der Darstellergesichter zu vermitteln. Behn-Grund setzte Maßstäbe für die Lichtregie. "Es gibt Verwundungen, die nicht sichtbar sind", klagt der Film am Ende an – Behn-Grund trieb sie ins Licht. Für ihn sei dieser Film eine Reise durch persönliche Erinnerungen gewesen, ein Versuch einer Aufarbeitung von Schuld, so der Filmkritiker Rudolf Worschech (in: epd Film, Heft 3, 1989, S.13).   

Die Arbeit für die DEFA setzte Behn-Grund in den ersten Nachkriegsjahren mit den Kurt-Maetzig-Filmen "Ehe im Schatten" (1947) und "Der Rat der Götter" (1950) fort, wobei er "über den technischen Rahmen der Kameraarbeit hinaus (...) zum künstlerischen Mitarbeiter des Gesamtwerks Film wurde." (Kurt Maetzig, in: Zur DEFA – Geschichte Spielfilme 1946-1949, Potsdam Babelsberg 1976, S.405-406). Für beide Filme wurde Behn-Grund mit dem Nationalpreis der DDR für "hervorragende Werke und Leistungen auf den Gebieten der Kunst und Literatur" ausgezeichnet.   

Ab 1950 arbeitete Behn-Grund in der Bundesrepublik als freier Kameramann für verschiedene Firmen und übernahm unter anderem die Bildgestaltung für Kurt Hoffmans "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957), Falk Harnacks "Unruhige Nacht" (1958), Alfred Weidenmanns "Buddenbrooks" (1959) und Rolf Thieles "Schwarz-weiß-rotes Himmelbett" (1962). Er drehte Lustspiele, Historienfilme und Literaturverfilmungen. Für Helmut Käutners "Mädchen aus Flandern" (1956) erhielt er bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises das Filmband in Silber für seine hervorragende Kameraarbeit.

"Ganovenehre" (1966), wieder unter der Regie von Wolfgang Staudte, war sein letzter Kinofilm, danach drehte er nur noch vereinzelt Fernsehspiele. 1974 wurde er mit dem Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film ausgezeichnet. Seine letzten professionellen Tätigkeiten als Kameramann waren 1979/71 Krankenhaus-Lehrfilme über Chirurgie und Orthopädie.   

Friedl Behn-Grund war Zeit seines Arbeitens immer ein Schwarz-Weiß-Kameramann gewesen, nur sechs seiner fast 170 Filme drehte er in Farbe. Er war bekannt für seinen visuellen Einfallsreichtum, seine sensible Ausleuchtung, seine atmosphärische Interpretation der Szenerien sowie die psychologische Deutung der Gesichter seiner Protagonisten. Er verstand es immer, "die Tiefe des Raumes entsprechend der Situation zu variieren…oder…Gesichter behutsam realistisch, aber gleichzeitig abwechslungsreich auszuleuchten." (Rudolf Worschech, ebd.).

Im Rahmen des Deutschen Kamerapreises wurde er 1986 mit dem Sonderpreis "Altmeister der Filmkamera" geehrt. Am 2. August 1989 starb Friedl Behn-Grund in Berlin.

 

Autor: Peter Matthies

Dieser Text wurde im Rahmen des Masterstudiengangs "Filmkultur - Archivierung, Programmierung, Präsentation" erstellt, der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Deutschen Filminstitut gemeinsam angeboten wird.

 

 

FILMOGRAFIE

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