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Hanns Zischler

Weitere Namen
Johann Zischler (Weiterer Name)
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Musik
Nürnberg

Biografie

Hanns Zischler (bürgerlich: Christoph Johann Zischler) wurde am 18. Juni 1947 in Nürnberg geboren. Bis zum Tod seiner Mutter wuchs er in dem fränkischen Dorf Langenaltheim auf, danach in einem protestantischen Internat in Ingolstadt, wo sein früh erwachtes Interesse an Musik und Philosophie geprägt und gefördert wurde. Nach dem Abitur studierte er ab 1966 Musikwissenschaft, Philosophie und Ethnologie in München. Daneben arbeitete er als Lektor sowie als Übersetzer wissenschaftlicher Literatur aus dem Französischen und Englischen.

In der lokalen Studenten- und Kunstszene fiel Zischler als Exzentriker auf, da er stets einen eleganten dunklen Anzug und weiße Hemden trug. Nicht zuletzt dadurch wurde der junge Wim Wenders, damals noch Student an der Hochschule für Film und Fernsehen, auf ihn aufmerksam – und besetzte ihn in der Hauptrolle seines experimentellen Kurzfilms "Same Player Shoots Again" (1968). Auch in Wenders' Abschlussfilm "Summer in the City" (1969-71) spielte Zischler die Hauptrolle.

Trotzdem dauerte es noch einige Jahre, bis Zischler sich komplett der Schauspielerei zuwendete. 1968 ging er nach Berlin, wo er an der Schaubühne arbeitete. Von 1973 bis 1975 war er dort als Dramaturg tätig und inszenierte erste Stücke. Mit Harun Farocki führte er zudem am Theater Basel bei "Die Schlacht" und "Traktor" (1976, beide nach Heiner Müller) Regie.

Mitte der 1970er Jahre wechselte Zischler schließlich das Metier und verfolgte eine Schauspielkarriere. Als einen Grund nannte er in einem Fernsehinterview 2010, dass er "nicht dauerhaft in geschlossenen, fensterlosen Räumen arbeiten" wollte.

Der Durchbruch gelang ihm sehr schnell, mit seiner Hauptrolle in Wim Wenders' Klassiker "Im Lauf der Zeit" (1976). Zusammen mit Rüdiger Vogler bildete er darin ein Lebenskünstler-Duo, das sich in einem Möbelwagen auf eine Reise durch die deutsche Provinz begibt. Durch Rollen in Peter Handkes "Die linkshändige Frau" (1977), Chantal Akermans "Rendez-vous d'Anna" (1978) und Peter Lilienthals "David" (1979) baute Zischler seine Position als (neben Rüdiger Vogler und Bruno Ganz) prägende Männerfigur des Neuen deutschen Films aus: Intellektuell und selbstreflektiert, zugleich von einer charmanten Lässigkeit.

Bei "Berlin Chamissoplatz" (1980) drehte Zischler erstmals mit Regisseur Rudolf Thome. Er spielte in dem Film einen Berliner Architekten, der ein besetztes Haus luxussanieren soll, sich dann aber in eine Studentin aus dem Protestlager verliebt. Der Film markierte den Beginn einer wiederholten Zusammenarbeit zwischen Zischler und Thome. Bis 2010 drehten sie noch sieben gemeinsame Langfilme: den Thriller "System ohne Schatten" (1983), die Beziehungsgeschichte "Tarot" (1986), den poetischen "Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen" (2000) sowie die zwischen Poesie und Naturalismus, Drama und Komödie changierenden Beziehungsfilme "venus.de - Die bewegte Frau" (2001), "Rot und Blau" (2003), "Frau fährt, Mann schläft" (2004) und "Das rote Zimmer" (2010).

In den achtziger Jahren drehte Zischler unter anderem auch zwei Filme mit Robert van Ackeren: die erotische Gesellschaftssatire "Die flambierte Frau" (1983) und die erotische Dreiecksgeschichte "Die Venusfalle" (1988). Zu Zischlers weiteren wichtigen Filmen dieser Jahre gehören Franz Seitz' "Doktor Faustus" (1982), Peter Lilienthals Thriller "Das Autogramm" (1984) und Adolf Winkelmanns Politthriller "Der Leibwächter" (1989) mit Franz Xaver Kroetz (mit dem er schon 1986 bei der "Kir Royal"-Folge "Das Volk sieht nichts" gearbeitet hatte).

Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre sah man Hanns Zischler auch in mehreren internationalen (Ko-)Produktionen. In Liliana Cavanis "Francesco" (IT/DE 1989) mit Mickey Rourke spielte er Papst Innozenz III, in Agnieszka Hollands "Hitlerjunge Salomon" (DE/FR 1990) hatte er eine Nebenrolle als Nazi-Hauptmann. Und nicht zuletzt arbeitete er mit zwei legendären Regisseuren der französischen Nouvelle Vague: Mit Claude Chabrol drehte er die Fritz-Lang-Hommage "Dr. M" (DE/FR/IT 1990) und mit Jean-Luc Godard "Allemagne 90 neuf zéro" ("Deutschland Neu(n) Null", FR 1991), einen Filmessay über Deutschland nach der Wende.

Zu einer neuerlichen Arbeit mit Wim Wenders kam es bei "In weiter Ferne, so nah!" (DE/US 1993), einer Fortsetzung des Wenders-Klassikers "Der Himmel über Berlin"  (1987). Zum hochkarätigen Ensemble des poetischen Großstadtfilms gehörten unter anderen Otto Sander, Peter Falk, Nastassja Kinski, Horst Buchholz, Rüdiger Vogler und Heinz Rühmann. Leichtere Kost war Joseph Vilsmaiers Kinderfilm "Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen" (1994), in dem Zischler den Chef einer Werbeagentur spielte. Auch sonst gehörte Zischler schon immer zu jener Sorte angesehener Charakterdarsteller, die keine Berührungsängste mit populärer Unterhaltung haben. So wirkte er speziell ab Mitte der neunziger Jahre in Krimiserien wie "Tatort", "Derrick" und "Der Fahnder" mit und hatte Rollen in Fernsehspielen wie dem Actionkrimi "Der Clown" (1996), der Komödie "Viel Spaß mit meiner Frau" (1997), der Filmbiografie "Die Bubi Scholz Story" (1998) und dem Thriller "Der Handymörder" (1998) – um nur eine kleine Auswahl seiner zahlreichen Fernsehparts zu nennen. Hans Christian Schmid besetzte Zischler in dem viel gelobten Kinodrama "23" (1998) als ultrakonservativen Vater des Hackers Karl Koch; für István Szabós internationales Familienepos "Sunshine - Ein Hauch von Sonnenschein" (1999) schlüpfte er in die Rolle eines ungarischen Barons.

Auch in den 2000er Jahren hielt Zischler eine Balance aus Fernseh- und Kinoarbeiten. So wirkte er in TV-Produktionen wie "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker" (2001) und "Küss mich, Kanzler!" (2004) mit, und spielte in sieben Folgen der Serie "Kommissar Beck" (2002) einen alten Kollegen des titelgebenden Ermittlers.  Auf der Kinoleinwand sah man ihn unter anderem in István Szabós "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" (2001), Dani Levys "Väter" (2002) und Rainer Matsutanis "666 Traue keinem mit dem du schläfst" (2002). Steven Spielberg besetzte ihn in "Munich" ("München", US 2005) als Mossad-Killer; in dem Fernsehspiel "Die Hetzjagd" (FR/DE 2008) verkörperte er dagegen den flüchtigen Nazi-Verbrecher Klaus Barbie.

Zu Hanns Zischlers weiteren wichtigen Kino- und Fernsehfilmen gehören Caroline Links Familiendrama "Im Winter ein Jahr" (2008), Kai Wessels Filmbiografie "Hilde" (2009) und Thomas Arslans Gangsterfilm "Im Schatten" (2010). Er war der Bankier Friedrich von Metzler in "Der Fall Jakob von Metzler" (2012, TV) und verkörperte in der Heinrich-George-Filmbiografie "George" (2013, TV) den Künstler Max Beckmann. Er gehörte zum Ensemble von Olivier Assayas' "Die Wolken von Sils Maria" (DE/CH/FR 2014) und hatte in Asli Özges preisgekröntem Psychodrama "Auf einmal" (DE/NL/FR 2016) eine Schlüsselrolle als eiskalter Vater der Hauptfigur. Aber auch diese Filme geben nur einen Bruchteil von Zischlers Gesamtwerk wieder: Insgesamt umfasst seine Filmografie rund 250 Titel.

Neben seinem unermüdlichen Schaffen als Schauspieler ist Hanns Zischler auch als Hörbuch-Sprecher aktiv. Als Autor verfasste er zahlreiche literarische Essays und eine Reihe von Büchern. In "Kafka geht ins Kino" (1996) zeichnete er auf Basis der Brief- und Tagebuchnotizen Kafkas zum Kino ein ungewöhnliches Porträt des Dichters; 2002 realisierte er einen TV-Dokumentarfilm zum Buch. 1998 und erneut 2006 war Zischler der Gründer des Alpheus Verlags in Berlin. In seinem Buch "Nase für Neuigkeiten: Vermischte Nachrichten von James Joyce" (2008) widmete er sich nach Kafka einem weiteren Granden der Weltliteratur. 2014 erschien seine Erzählung "Das Mädchen mit den Orangenpapieren".

Zu den Auszeichnungen, mit denen Hanns Zischler im Lauf der Jahre für sein künstlerisches Schaffen geehrt wurde, gehören der Heinrich-Mann-Preis 2009, der Deutsche Hörbuchpreis 2010, das Bundesverdienstkreuz am Bande, der Preis der Literaturhäuser 2013 und der Cicero Rednerpreis 2016. Hanns Zischler lebt in Berlin.

 

Filmografie

2017/2018
  • Darsteller
2017
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2016/2017
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2016/2017
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2015/2016
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2015/2016
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2015/2016
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2015
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2014/2015
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2014/2015
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2014/2015
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2014-2016
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2014-2016
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2013/2014
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2013/2014
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2013/2014
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2013
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2012/2013
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2012/2013
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2012/2013
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2012
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2010/2011
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2010
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2010
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2010
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2009/2010
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2009/2010
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2008/2009
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2008
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2007/2008
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2007
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2005/2006
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2003
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2003
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2002/2003
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2002-2004
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2002
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2002
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2001/2002
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2001/2002
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2001/2002
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2000/2001
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1999/2000
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1998
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1997/1998
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1997/1998
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1997/1998
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1996/1997
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1996/1997
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1995/1996
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1995/1996
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1995/1996
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1994-1996
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1993/1994
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1992/1993
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1991/1992
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1991/1992
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1991/1992
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1991/1992
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1991/1992
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1991/1992
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1991
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1991
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1990/1991
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1990-2001
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1990
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1989/1990
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1989/1990
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1989
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1988/1989
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1988/1989
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1988
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1986-2010
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1985/1986
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1985/1986
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1985-1987
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1985
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1983/1984
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1983/1984
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1982/1983
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1982/1983
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1982
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1982
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1981/1982
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1981/1982
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1981/1982
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1981/1982
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1981
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1981
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1981
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1981
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1980/1981
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1980/1981
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1980-1982
  • Darsteller
1980
  • Darsteller
  • Musik
  • Musik-Ausführung
  • Gesang
1980
  • Darsteller
1979/1980
  • Darsteller
1978/1979
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1978
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1977
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1977
  • Regie
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1976
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1975/1976
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1975
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1975
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1972
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1969/1970
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1968/1969
  • Darsteller
1967/1968
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