Hans-Christian Schmid

Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton, Produzent
Altötting

Biografie

Hans-Christian Schmid wurde 1965 im bayerischen Wallfahrtsort Altötting geboren. Seine Jugend war deshalb jedoch nicht erzkatholisch geprägt, wie angesichts einiger seiner Filme gern unterstellt wird. Er wuchs in einem liberalen Elternhaus auf, besuchte ein als links geltendes Gymnasium, ging statt zum Sonntagsgottesdienst zu Friedensdemonstrationen und engagierte sich bei den Grünen.

Von 1985 bis 1992 studierte er in der Dokumentarfilmabteilung an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, drehte dort sein Debüt "Sekt oder Selters" (1989) über süchtige Automatenspieler sowie zwei weitere Kurzfilme. In seiner Abschlussarbeit "Die Mechanik des Wunders" (1992) befasste er sich erstmals näher mit der organisierten Frömmigkeit in seinem Geburtsort. Nach der HFF ging er als Stipendiat der Drehbuchwerkstatt München zum Drehbuchstudium nach Los Angeles an die University of Southern California.

 

Seinen ersten Spielfilm drehte Schmid 1994 für das Fernsehen: Mit "Himmel und Hölle", in dem die Tochter einer alleinerziehenden Frau auf dem Land in die Fänge einer christlichen Sekte gerät, thematisierte er die Abgründe von religiösem Fanatismus. Ebenfalls fürs Fernsehen gedacht war die Generationskomödie "Nach fünf im Urwald" (1995), die aber aufgrund ihres Erfolges bei den Hofer Filmtagen ins Kino kam und dort zum Publikums- und Kritikerliebling wurde. Franka Potente, mit der Schmid bis 1998 zusammenlebte, debütierte in der Hauptrolle. Er gilt seither als Entdecker von Schauspieltalenten, wie sich auch an August Diehl und Tom Schilling zeigte.

Mit seinem folgenden Film "23" (1999) konnte er sich noch steigern: Erzählt wird die wahre Geschichte eines jungen Hackers der 1980er Jahre, der sich in Verschwörungstheorien verliert und unter rätselhaften Umständen zu Tode kommt. "23" demonstrierte Schmids Souveränität, auch einen solchen Stoff authentisch, detailgenau und ohne spekulative Effekthascherei umzusetzen. Er erhielt dafür 1998 beim Münchner Filmfest den Hypo-Regie-Förderpreis, Hauptdarsteller August Diehl wurde mehrfach als bester Darsteller ausgezeichnet. Das Drehbuch schrieb Schmid mit Michael Gutmann, an dessen Filmen "Nur für eine Nacht" (1997) und "Familienreise" (2004) er später als Autor und als Kameramann mitwirkte.

Mit "Crazy" (2000) adaptierte er den autobiografischen Roman des jungen Autoren Benjamin Lebert, der das Internatsleben eines halbseitig gelähmten Jungen schildert, und setzte seine sensiblen Beobachtungen des Erwachsenwerdens fort. Sein melancholischer Episodenfilm "Lichter" (2003), der von Schicksalen an der deutsch-polnischen Grenze erzählt, war offizieller Wettbewerbsbeitrag der Berlinale 2003.

Auch "Requiem" (2006), der die Thematik übersteigerter Religiosität wieder aufgreift, lief im Berlinale-Wettbewerb. Wie "23" beruht er auf einem authentischen Fall, in dem jemand allmählich den Wirklichkeitsbezug verliert: Eine junge Frau aus einer schwäbischen Kleinstadt, an der in den 1970ern ein Exorzismus durchgeführt wurde. Erneut fiel Schmids Arbeit nicht zuletzt durch eine mehrfach prämierte Darstellerleistung auf, die der bis dahin filmunerfahrenen und eher unglamourösen Theaterschauspielerin Sandra Hüller.

Spätestens seit "23" galt Hans-Christian Schmid als Hoffnungsträger des deutschen Films, inzwischen kann er zu den Meistern gezählt werden. Seit "23" scheint er zudem auf den deutschen Filmpreis in Silber abonniert, den er viermal in Folge erhielt. Es mag charakteristisch sein für den absolut präzisen, doch niemals prahlerischen Erzählstil von Hans-Christian Schmid, dass er kontinuierlich höchste Qualität bietet, dabei aber häufig in der zweiten Reihe bleibt.

Auf der Berlinale 2009 stellte Schmid gleich zwei neue Projekte vor: den Dokumentarfilm "Die wundersame Welt der Waschkraft" und das Politdrama "Sturm", mit dem er sich thematisch und in seiner Besetzung auf internationales Terrain begibt. Die Geschichte erzählt vom Kampf einer Anwältin um Recht und Gerechtigkeit angesichts von Kriegsverbrechen in Bosnien. Neben mehreren Auszeichnungen bei der Berlinale (darunter der Amnesty International Filmpreis und der Publikumspreis der Berliner Morgenpost) erhielt Schmid für "Sturm" abermals den Deutschen Filmpreis in Silber.

Auch Schmids nachfolgender Spielfilm wurde 2012 in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen: Das Familiendrama "Was bleibt" schildert den Besuch zweier erwachsener Söhne bei ihren Eltern in der Provinz; doch das Familienleben ist nicht so harmonisch, wie es zunächst scheint.

FILMOGRAFIE

2016/2017
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
2011/2012
  • Regie
  • Produzent
2008/2009
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
2007-2009
  • Regie
  • Drehbuch
  • Ton
  • Produzent
2006/2007
  • Produzent
2004-2006
  • Regie
  • Produzent
2004
  • Kamera
2002/2003
  • Regie
  • Drehbuch
2001/2002
  • Drehbuch
1999/2000
  • Regie
  • Drehbuch
1998
  • Regie
  • Drehbuch
1995
  • Regie
  • Drehbuch
1993/1994
  • Regie
  • Drehbuch
1993
  • Darsteller