Fred Delmare
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"In aller Freundschaft" (2005)
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Fred Delmare – Schauspieler
Werner Vorndran, geboren am 24. April 1922 in Hüttensteinach bei Sonneberg/ Thür., Sohn des Schreiners Max Vorndran und der Näherin Lina, geb. Heß. 1928-36 Besuch der Volksschule. Mitwirkung in der heimatlichen Bauernbühne. 1936 zunächst Gehilfe, 1937-40 Lehre als Werkzeugschlosser in der sonneberger Firma "Spindler". Oktober 1940 als Kriegsfreiwilliger zur Marine in Bremerhaven. Dort 1941/42 erster Schauspielunterricht beim Intendanten des Stadttheaters, Georg Saebisch, und Statist in einer Operetteninszenierung.
1943 schwere Kriegsverletzung; bis Kriegsende in verschiedenen Lazaretten. 1946 Schauspielunterricht bei Walter Jupé am Nationaltheater Weimar. Seither führt er den Künstlernamen Fred Delmare. 1947-50 externer Schüler an der Hebbel-Theater-Schule Berlin/West; Privatschüler und später Regieassistent von Karl Meixner. 1948 beginnt ein Augenleiden, das ihn lebenslang begleitet und immer wieder seine künstlerische Laufbahn unterbricht. Erste kleine Rolle in Wedekinds "Frühlings Erwachen".
1949 mit Leny Marenbach im eigenen Tourneetheater unterwegs mit einem literarisch-musikalischen Programm. 1950-70 Engagement am Leipziger Schauspielhaus. Delmare debütiert als Bruder Martin Ladvenu in Shaws "Die heilige Johanna". Sein erster großer Erfolg wird 1952 der Diener Truffaldino in Goldonis "Diener zweier Herren". Mit dem sicheren Gespür für die Situation der kleinen Leute vermittelt er die Tragikomik dieser Figur. Aufgrund seiner nur 160 Zentimeter Körpergröße hat er wenig Chancen, in Heldenrollen besetzt zu werden. Dennoch gelingt es ihm, den Figuren am Rande des Geschehens, den kleinen Leuten (Diener, Koch, Fischerknabe, Narr, fahrender Schüler etc.) unverwechselbare Züge und damit den Inszenierungen besondere Farbe zu verleihen; er spielt aber auch überzeugend den Figaro in Beaumarchais "Der tolle Tag" und die Titelrolle in Rainer Kerndls "Die seltsame Reise des Alois Fingerlein". Sein vielseitiges Rollenspektrum reicht bis zum Operettenbuffo (Frosch in "Die Fledermaus").
Aufsehen erregt er 1954 als Marinus van der Lubbe in Hedda Zinners "Der Teufelskreis". Wieder spielt er den kleinen Mann, der von den Nazis als Reichstags-Brandstifter politisch benutzt und geopfert wird. 1956 gelingt Delmare in der gleichen Rolle unter Carl Balhaus der Durchbruch beim Film.
Eine beeindruckende Gestalt ist 1960 sein Buchenwald-Häftling Pippig in dem TV-Film "Nackt unter Wölfen" (nach dem Roman von Bruno Apitz) und 1963 noch einmal in dem von Frank Beyer inszenierten DEFA-Film. "Delmare stattet ihn mit Schwejkscher Doppelbödigkeit aus: Vor den Peinigern ist sein Pippig ein bieder-treuherziger, gänzlich untertäniger Häftling; in den Kinderszenen macht er Herzensgüte und innere Schönheit des kleinen, quirligen Mannes erlebbar." (Seydel, 1980).
Dieser eigentlich gar nicht mutige Pippig, der unter Überwindung persönlicher Ängste und unter Hingabe seines Lebens ein Kind rettet, gehört zu den stärksten Figuren beider Verfilmungen.
1970-92 ist Delmare Ensemblemitglied des Deutschen Fernsehfunks, wird aber fast ebenso häufig in DEFA-Filmen besetzt. In der Mehrzahl sind es Episodenrollen gegensätzlichster Prägung: Polizist, Kindermörder, Kohlenträger, Bürgermeister, Taxifahrer, alle spielt er mit bestechender Genauigkeit fürs Detail, eine Eigenschaft, die ihn daran hindert, in plattes Chargieren abzugleiten.
Seine Stärke sind die tragikomischen Gestalten, sein Vorbild ist Paul Kemp. "Einiges war dabei, was sich einprägte, und was ihm wert und teuer ist. Der rührende Biedermann Reifensaft in der "Legende von Paul und Paula", Professor Bergmann in "Januskopf", ein schnurriger Liebhaber in "Liebesfallen", der weise Schäfer Krischan in "Die Gerechten von Kummerow", Orgelbauer Mälzel in "Beethoven – Tage eines Lebens" (...) Und mir fällt dabei eine Episode in "Der Dritte" ein: Delmare als verblüffter Zaungast einer Liebesszene. Nur drei stumme Minuten lang, aber so pointiert, daß kaum ein Zeitungsschreiber es nicht erwähnte." (Linke, 1986).
Daß fast jedes Kind in der DDR Delmare kannte, beruht auf seinen zahlreichen Rollen in Märchen- und Indianerfilmen. Geradezu prädestiniert ist er für den kleinsten Zwerg in "Schneewittchen", den Vogelstimmenmann in "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen", das Männlein in "Das blaue Licht" oder den alten Schnapsbrenner in dem letzten DEFA-Kinderfilm "Zirri – das Wolkenschaf".
In den Indianerfilmen ("Spur des Falken", "Weisse Wölfe", "Apachen", "Ulzana") fällt ihm die Rolle des Cowboys zu, der unfreiwillig komisch ist, sich und andere aber auch mit Witz und gesundem Menschenverstand aus der Affäre zu ziehen weiß.
Ab 1990 vor allem in kleinsten Rollen – meist nur ein Drehtag – in diversen TV-Serien wie "Lindenstrasse", "Sylter Geschichten", "Elbflorenz" oder "Königstein" beschäftigt, erhält Delmare 1995 in "Matulla & Busch" als Widerpart eines streitsüchtigen, starrsinnigen alten Mannes (Erwin Geschonneck), den er trotz vieler Demütigungen nicht im Stich läßt, eine große Chance. Er demonstriert gekonnt das Wechselspiel zwischen kleinmütigem Sich-Ducken und Sich-schlau-zur-Wehr-Setzen. "Plötzlich erscheint Busch als einer der kleinen Leute, denen Delmare zeit seines Schauspielerlebens so viel Lebenswahrheit zu geben wußte." (Hametner, 1997). Zuletzt verkörpert Delmare von 1999 bis Ende 2005 den Opa Friedrich Steinbach in der erfolgreichen Krankenhaus-Serie "In aller Freundschaft".
Fred Delmare war fünfmal verheiratet: 1952-53 mit der Chorsängerin Iris Brockmeier (Tochter Felicitas), 1959-64 mit Mona Winzer (Sohn Tino), 1965-73 mit der Schauspielerin Dagmar Marquardt (Tochter Claudia), 1973-82 mit Silvia Kallenbach (Sohn Nici und Tochter Jette). In fünfter Ehe lebt er seit 1986 mit Renate Schuck in Taucha bei Leipzig. Fred Delmare verstirbt am 1. Mai 2009 im Alter von 87 Jahren in einem Leipziger Krankenhaus an den Folgen einer Lungenentzündung.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film
© 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.


