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Otto Hunte

Weitere Namen
Otto Joachim Gottlieb Hunte (Geburtsname)
Bauten
Hamburg Potsdam-Babelsberg

Biografie

Otto Hunte wurde am 9. Januar 1881 als Sohn eines Bildhauers in Hamburg geboren. Er besuchte die Hamburger Kunstgewerbe-Schule und arbeitete anschließend ab 1900 zunächst als Theaterdekorationsmaler für die Berliner Firma Hartwig & Co. Seine erste Arbeit als Filmarchitekt waren die Bauten für "Die Spinnen" (1919) des Regisseurs Fritz Lang.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem Hunte von 1914 bis 1918 Frontdienst leistete, arbeitete er in Festanstellung für die Produktionsfirma von Regisseur Joe May. Im Zuge dieser Zusammenarbeit fertigte er die Bauten für Mays Siebenteiler "Die Herrin der Welt" (1921) und für den Zweiteiler "Das indische Grabmal" (1921) an. Zudem war Hunte einer der Gründer der Filmstadt Woltersdorf bei Berlin, die im Auftrag von Joe May unter der künstlerischen Leitung von Martin Jacoby-Boy entstand.

Zeitgleich, von 1919 bis 1929, war Hunte auch regelmäßiger Mitarbeiter im Ufa-Team des Regisseurs Fritz Lang und entwarf die Bauten zu "Das wandernde Bild" (1920), "Dr. Mabuse, der Spieler" (1921/1922), "Die Nibelungen" (1924), "Metropolis" (1926), "Spione" (1928) und "Frau im Mond" (1929). Für die imaginäre Welt bei "Die Nibelungen" (1922-24) entwarf er unter anderem einen künstlichen Wald mit neun Meter hohen Bäumen und einen 21 Meter langen, beweglichen Drachen. Bei den einzelnen Umgebungen innerhalb der Geschichte ließ Hunte sich von diversen architektonischen Stilen verschiedenster Epochen inspirieren.

Bei "Metropolis" war er der Leiter des kreativen Arbeitsteams. Für die Realisierung der Kulisse der gigantischen Zukunftsstadt bediente sich Hunte des sogenannten Schüfftan-Verfahrens, ein Kamera-Spiegeltrick, der es ermöglicht, reale Personen und Objekte mit Modellen zu kombinieren. Der im Film 500 Meter hohe "neue Turm Babel" konnte dadurch als Miniaturmodell angefertigt und mittels Tricktechnik zusammen mit weiteren Gebäudekulissen hinter den real groß dargestellten Verkehr gesetzt werden. Für die Szene einer Wasserkatastrophe wurde ein von Hunte gebautes, 1600 Kubikmeter fassendes Staubecken eingesetzt.

"Metropolis" steht in gewisser Weise exemplarisch für Huntes gestalterischen Stil, der sich durch Opulenz, atmosphärische Raumwirkungen und dynamisierte Licht- und Schattensetzungen auszeichnete, aber auch durch stets wiederkehrende Motive wie Treppen, Torbögen, Säulen und Türme.

1929 markierte Josef von Sternbergs "Der blaue Engel" den ersten Tonfilm in Huntes Karriere. Die Herausforderung bestand dabei vor allem aus der neu zu beachtenden Akustik der Kulisse und der Dekorationen. Sternberg wollte anfänglich Hunte nicht als Architekten beschäftigen, woraufhin die Ufa-Leitung ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur in Frage stellte – was nicht zuletzt Huntes herausgehobener Stellung bei der Ufa geschuldet war.

Um den neuen Anforderungen der Akustik gerecht zu werden, arbeitete Hunte beim noch jungen Tonfilm teilweise mit gezielt schalldämpfenden Materialien sowie andererseits auch mit massiven, statt kulissenhaften Bauten. Bei "Die drei von der Tankstelle" führte diese Herangehensweise zum Nachbau einer transportfähigen Tankstelle. Sie wurde zunächst zur ungestörten Aufnahme der Dialogszenen im Filmstudio aufgebaut und anschließend für die Außenaufnahmen zu einer Landstraße transportiert. Für Karl Hartls Film "Gold" (1934) entwarf Hunte eine futuristische Maschine, die Jahre später von den Alliierten zunächst für eine atomare Anlage gehalten wurde.

Während der NS-Zeit war Otto Hunte, der ab 1938 auch an der Deutschen Filmakademie lehrte, bei insgesamt 30 Filmen für das Szenenbild verantwortlich. Acht davon wurden mit in Kraft treten der alliierten Militärzensur im Jahr 1945 verboten. Der antisemitische Propagandafilm "Jud Süß" von Veit Harlan und der englandfeindliche Propagandafilm "Anschlag auf Baku" (1942) von Fritz Kirchhoff sind bis heute als Vorbehaltsfilme eingestuft und dürfen nur unter bestimmten Auflagen zur Aufführung kommen.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde Hunte vielfach für seine Beteiligung an Propagandafilmen des Regimes kritisiert, deren hetzerische Inhalte und Aussagen ihn nicht zu tangieren schienen. Manchen Kritikern Huntes galt es dabei als Zeichen seines Opportunismus, dass er es in der Weimarer Republik, während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit gleichermaßen gut verstand, sich an die politischen Gegebenheiten anzupassen und nahtlos weiterzuarbeiten. Als Hunte 1946 in einer Zeitung über seine Bauten für den ersten deutschen Nachkriegsfilm, Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns", berichtete, sprach er lediglich die Materialfrage im zerstörten Deutschland an und blendete die inhaltlichen Aspekte des NS-kritischen Films komplett aus. Der Filmwissenschaftler Alfons Arns beschrieb Hunte in diesem Zusammenhang als zu stark fokussiert auf sein kreatives Arbeiten, ohne das jeweilige Filmwerk in seinen gesellschaftlichen Bedeutungen zu reflektieren.

Der Berliner Schwarzmarkt-Krimi "Razzia" (1947) unter der Regie von Werner Klingler wurde schließlich Huntes letzte Arbeit für den Film. 1947 zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Am 28. Dezember 1960 starb Otto Hunte im Alter von 79 Jahren in Babelsberg/Steinstücken. Auf Grund seiner Arbeiten für Fritz Lang gilt er heute als der vielleicht bedeutendste Architekt der Ufa in den zwanziger und dreißiger Jahren.

Im Jahr 1990 erwarb das Deutsche Filmmuseum Frankfurt ein Konvolut von 104 Originalentwürfen Huntes. 1997 widmete ihm das Filmmuseum gemeinsam mit dem Szenenbildner Hans Poelzig und dem Architekten und Drehbuchautoren Walter Reimann eine Sonderausstellung mit dem Titel: "Hunte, Poelzig, Reimann – klassische deutsche Filmarchitektur".

Autorin: Sonia Hamann

Dieser Text wurde im Rahmen des Masterstudiengangs "Filmkultur - Archivierung, Programmierung, Präsentation" erstellt, der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Deutschen Filminstitut gemeinsam angeboten wird.

 

Filmografie

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