Biografie
Andrew Bird, geboren 1956 in London, studierte dort zunächst Germanistik und kam mit einem Stipendium nach Hamburg, wo er sich dann niederließ und seinen Lebensunterhalt anfangs als Übersetzer verdiente. Dann erlernte er das Schnitthandwerk, zunächst als Assistent.
Seine erste Arbeit als Schnittmeister war der dokumentarische Film-Essay "El Condor no pasa" (1993) von Ralph Schwingel, dem Mitbegründer der Produktionsfirma "Wüste Film". Mitte der 1990er Jahre lernte Bird über Schwingel auch den jungen Regisseur Fatih Akin kennen, der ihn für den Schnitt seiner ersten Kurzfilme engagierte, angefangen mit "Sensin - du bist es!". Dies war der Beginn einer bis heute währenden, überaus fruchtbaren und vielfach preisgekrönten Zusammenarbeit: Bird zeichnete von "Kurz und schmerzlos" (1998) an auch für den Schnitt sämtlicher Spielfilme Akins verantwortlich. Für seine Arbeit am überragenden Erfolg "Gegen die Wand" (2004) erhielt er den Filmplus-Award, für "Auf der anderen Seite" (2007) wurde er mit einem weiteren Filmplus-Award, dem Preis der deutschen Filmkritik, dem Schnitt-Preis des Antalya Filmfestivals sowie dem Deutschen Filmpreis 2008 ausgezeichnet.
Neben Akin arbeitete Bird mit zahlreichen weiteren prominenten Regisseuren zusammen, beispielsweise mit Sebastian Schipper bei dessen schnell zum Kultfilm avancierten "Absolute Giganten" (1999), für den er eine lobende Erwähnung beim Deutschen Kamerapreis erhielt, und mit Monika Treut bei "Kriegerin des Lichts" (2001). Sein Talent, parallellaufende Erzählstränge miteinander zu verweben, kam nach "Im Juli" (2000) und "Auf der anderen Seite"(2007) auch in Uli Gaulkes "Leinwandfieber – Comrades in Dreams" (2006) zum Tragen: Der Dokumentarfilm porträtiert vier Kinomacher aus allen Teilen der Welt.
Für Julie Delpy übernahm Bird den Schnitt bei dem international koproduzierten Historienfilm "Die Gräfin" (DE/FR 2009). Mit Miranda July als Regisseurin zeichnete er bei dem gleichermaßen absurd-tragikomischen und existentialistischen Beziehungsfilm "The Future" (DE/US 2011) als Editor verantwortlich. Bettina Oberli verpflichtete ihn für ihre tragikomische Mutter-Sohn-Geschichte "Lovely Louise" (CH/DE 2013).
Neben diesen und weiteren Filmen blieb Bird weiterhin der Stamm-Editor von Fatih Akin. Gemeinsam drehten die beiden die Hamburger Kiezkomödie "Soul Kitchen" (2009 - Nominierung für den Deutschen Filmpreis), den Dokumentarfilm "Müll im Garten Eden" (2012), das Historiendrama "The Cut" (DE/FR/IT/PL/RU 2014), das mehrfach preisgekrönte und auch an den Kinokassen erfolgreiche jugendliche Roadmovie "Tschick" (2016) nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf und das von den NSU-Morden inspirierte, mit dem Golden Globe ausgezeichnete Rachedrama "Aus dem Nichts" (DE/FR 2017) mit Diane Kruger in der Hauptrolle. Für "Tschick" erhielt Bird 2017 eine weitere Nominierung für den Deutschen Filmpreis. Auch bei dem kontrovers diskutieren Serienmörder-Porträt "Der goldene Handschuh" (2019), über den Hamburger Frauenmörder Fritz Honka, und beim Gangsterfilm und Publikumserfolg "Rheingold" (2022) arbeitete Bird wieder mit Akin zusammen.
Daneben zeichnete er unter anderem bei Omer Fasts traumartigem Spielfilm "Remainder" (2016), Uli Gaulkes Dokumentarfilm "Sunset Over Hollywood" (2018) und Vanessa Jopps Liebesgeschichte "Gut gegen Nordwind" (2019) als Editor verantwortlich. Für die Arbeit an der Langzeitdokumentation "A Symphony of Noise" (2010-2021), über den Sound-Artist und Komponisten Matthew Herbert, konnte Bird 2021 eine weitere Nominierung für den Deutschen Filmpreis für sich verzeichnen.
Für Mohammad Rasoulofs vielfach ausgezeichneten, für den Oscar nominierten "Die Saat des heiligen Feigenbaums", im Iran gedreht, doch aufgrund seines regimekritschen Stoffs in Deutschland postproduziert, wurde Andrew Bird 2025 zum bereits fünften Mal für den Deutschen Filmpreis nominiert, außerdem erhielt er bei Edimotion den Schnitt Preis Spielfilm.
Mit Fatih Akin arbeitete er erneut bei "Amrum" (2025) zusammen, inspiriert von der Kindheitsgeschichte Hark Bohms.
Bird ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und der Deutschen Filmakademie. Seit 2020 gehört er außerdem der Academy of Motion Picture Arts and Sciences an und stimmt dort somit über die Nominierungen und Gewinner der Academy Awards – die weltweit bekannten Oscars – ab.