Inhalt
Es soll die Nacht aller Nächte werden. Am nächsten Morgen will Floyd mit einem Schiff das heimatliche Hamburg verlassen und hinaus in die große weite Welt – für immer. Und so steigen er und seine beiden Kumpel Ricco und Walter ein letztes Mal in ihren aufgemotzten Ford Granada, um noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen und mit einem Hauch von Wehmut all die Dinge zu zelebrieren, die ihre Jugend in den tristen Vorstädten der Hansestadt ausgemacht haben: Bier, Fußball, Autos, gemeinsames Abhängen. Eine Nacht lang kreuzen sie durch die Straßen, im Wechselbad der eigenen Gefühle gefangen, und jeder noch so banale Akt erhält für die Freunde eine neue Bedeutung, denn sie wissen: Dies ist das Ende; hier schließt sich der Kreis.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Als eine „wunderbare Ode an das Jungsein“ wurde das Spielfilm-Debut des Schauspielers Sebastian Schipper („Lola rennt“, „Winterschläfer“, „Der englische Patient“), das kein geringerer als Tom Tykwer mit seiner Berliner Firma X Filme Creative Pool produzierte, 1999 bezeichnet. Aus meiner Sicht gibt dieser nur achtzigminütige Hamburg-Streifen, der die Abschiedsnacht dreier Freunde in der Hansestadt schildert, jedoch keinen Anlass zu solcher Lobeshymne: „Absolute Giganten“ ist ein vielversprechendes Debut, das erstaunlich unpathetisch mit einer tollen Newcomer-Besetzung aufwartet, nicht weniger – aber auch nicht mehr.
Floyd, Ricco und Walter sind in den beengten Wohnsilos des tristen Hamburger Vororts Wilhelmsburg aufgewachsen und können von der großen, weiten Welt, die ihnen St. Pauli mit den Landungsbrücken tagtäglich verspricht, nur träumen. So kaprizieren sie ihre Wünsche auf einen alten Ford Granada des Baujahrs 1974, aber mit hochgetuntem australischen V-8-Motor, in dem sie sich fühlen, als säßen sie in einem dieser großen amerikanischen Schlitten, wenn sie durch Hamburg fahren oder sich in einem verlassenen Fabrikgelände riskante Autorennen mit anderen Heranwachsenden liefern.
Was auch daran liegt, dass sie sich für Mädchen wie die hübsche Telsa, die durchaus Interesse für eine intimere Freundschaft bekundet, nicht interessieren – sie ist so eine Art jüngere Schwester für das Trio. Das Großmaul Ricco, der in der Küche des Fast Food-Ladens eines rigorosen Managers (Andreas Schröders) Doppelschichten fährt, träumt davon, als Rapper groß herauszukommen, während Walter, der in der Klitsche eines dubiosen Kfz-Meisters als Automechaniker jobbt und noch bei seiner italienischen Großmutter lebt, eher den Part des wortkargen Introvertierten gibt.
Zwischen den beiden steht der eher melancholische Floyd, eigentlich ein bei allem Fernweh sehr realistischer junger Mann, der aber auch als Kopf des Trios nicht gewillt oder in der Lage ist, den finalen „Big Deal“ mit dem Kicker-König Snake und seinem Kumpel Dulle zu verhindern, bei dem der geliebte Ford Granada beim Tischfußball in einem Kneipen-Hinterzimmer aufs Spiel gesetzt wird...
Diese letzte Sequenz gehört zu den eindrucksvollsten des Films: Kameramann Frank Griebe hat für seine atemberaubenden Großaufnahmen ein „Kicker“-Gerät so präpariert, dass man es nach Bedarf auseinandernehmen konnte. Sebastian Schipper im Senator-Presseheft: „Ich glaube daran, dass kleine Dinge ganz groß und große Dinge ganz klein gemacht werden müssen. Ich halte das normale Leben tatsächlich für das Größte. In meinem Film wollte ich drei Jungs und ihr banales Leben schildern. Ich konnte nur diesen Film machen, der die Leute vielleicht nicht beeindruckt, aber hoffentlich berührt.“
Für den zwar in Hannover geborenen, aber in Oldenburg aufgewachsenen Schauspieler, den es nach dem Abitur zum Studium an der Otto-Falckenberg-Schule und zum ersten Theater-Engagement an den Kammerspielen nach München zog, war Hamburg stets ein Sehnsuchtsort als „Tor zur Welt“, weshalb Sebastian Schipper sein Regie-Filmdebüt in der Hansestadt gedreht hat.
Pitt Herrmann