Marianne Wünscher

Darstellerin, Musik
Berlin Berlin

Biografie

Marianne Wünscher wurde am 30. Dezember 1930 in Berlin geboren. Ihre Eltern, ein gelernter Geigenbauer und eine Köchin, betrieben in Berlin-Frohnau eine Wäscherei, in der sie als Kind mitarbeitete. Der Vater fiel 1945 im "Volkssturm" der letzten Kriegstage. Nach dem Abschluss der Oberschule nahm Marianne Wünscher von 1947 bis 1949 Schauspielunterricht an der von Fritz Kirchhoff geleiteten Schauspielakademie "Der Kreis" in Berlin-Halensee. Nebenher arbeitete sie beim Berliner Rundfunk als Sprecherin von Hörspielen und Kabarett- und Nachrichtentexten – auch, um das nötige Schulgeld zu verdienen. 1950 setzte sie ihre Schauspielausbildung am Marie-Borchardt-Studio in Berlin fort und legte dort im Februar 1951 die Bühnenreifeprüfung ab.

Ihr Bühnendebüt gab Wünscher im Mai 1951 am Deutschen Theater Berlin in dem Stück "Baller kontra Baller" (Regie: Inge von Wangenheim). Im Jahr darauf erhielt sie ein Engagement am Theater am Schiffbauerdammm, wo sie in Gogols "Die Heirat" (1953) als wohlhabende Kaufmannstochter Agafia ihren ersten größeren Erfolg feiern konnte. 1954 wechselte sie mit dem Intendanten Fritz Wisten in das neu eröffnete Gebäude der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, deren Ensemble sie bis zu ihrem Lebensende angehörte. Sie spielte dort zunächst vor allem markante Nebenrollen, etwa die Rosaura in Goldonis "Diener zweier Herren" (1955), die Maria in "Was ihr wollt" (1961), Frau Obermüller in "Der Hauptmann von Köpenick" (1963) und die Amme in "Romeo und Julia" (1964).  

Parallel zu ihrer Bühnenkarriere trat Wünscher seit jeher auch in Kinofilmen auf. Ihr Leinwanddebüt gab sie mit einer kleinen, in den Credits nur "dralles Mädchen" genannten Rolle in Arthur Pohls "Kein Hüsung" (DDR 1954), nach Fritz Reuters Erzählung. Auch in Curt Bois’ "Ein Polterabend" (DDR 1955) hatte sie lediglich eine auf wenige Sätze beschränkte Chargenrolle. Doch Wünscher sah diese Besetzungen nicht als Einschränkung, wie sie 1979 in einem Interview erklärte: "Heute weiß ich, daß es für mich gut war, als junge Schauspielerin nicht so auszusehen wie manche Klischeeschönheit und 90 Pfund zu wiegen. Es hat gedauert, bis ich von den Kammerkätzchen oder Wirtinnen weg war. (...) Für mich bedeuten gute Chargen, also Episodenfiguren, überhaupt keine Diskriminierung. Sie zwingen zur Genauigkeit und Unverwechselbarkeit, weil sich in ihnen ja meist viele Menschenschicksale spiegeln."

Mit den Jahren gewann sie an Renommee, auf der Bühne wie auf der Leinwand. So besetzte sie der vom Theater kommende Regisseur Martin Hellberg in tragenden Rollen seiner aufwändigen Klassiker-Adaptionen "Emilia Galotti" (DDR 1957), "Kabale und Liebe" (DDR 1959) und "Die schwarze Galeere" (DDR 1962). Da Hellberg in seiner Version von "Kabale und Liebe" den von ihm selbst gespielten Geigenbauer Miller in den Mittelpunkt rückte, gewann auch die Figur von dessen Frau (verkörpert von Wünscher) an Raum.

Im weiteren Verlauf der 1960er und 1970er Jahre wurde Wünscher in zahlreichen Filmen unterschiedlichster Genres besetzt, meist in größeren und kleineren Nebenrollen. Sie ließ sie sich nach wie vor schwer einordnen, entsprach sie doch weder dem Image der klassischen Charakterdarstellerin noch dem der jugendlichen Liebhaberin. Letztere gab sie in einigen DEFA-Komödien nur ironisch gebrochen. Bedeutend für ihre Kinolaufbahn war die Zusammenarbeit mit Günter Reisch, der ihr Raum gab, um ihr komisches Talent auszuspielen. ln Reischs Weihnachtskomödie "Ach, du fröhliche" (DDR 1962) gab sie die leicht naive Nachbarin von Erwin Geschonnecks Hauptfigur; in der Satire "Ein Lord am Alexanderplatz" (DDR 1967) brachte sie den von Geschonneck gespielten Heiratsschwindler unter die Haube. In der possenhaften Kleist-Adaption "Jungfer, Sie gefällt mir" (DDR 1968) gab sie die Marthe mit viel Sinn für kalauernden Humor.  

An der Volksbühne stieg Wünscher mit Rollen wie der "Mirandolina" (1964), der Hausbesitzerin Mi Tzü in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" (1970) und der Mutter Wolfen in Hauptmanns "Der Biberpelz" (1980) zur beliebten Volksschauspielerin auf – wenngleich sie unter der Intendanz von Benno Besson (1969-1978) deutlich seltener besetzt wurde. Wünschers Biograph Christoph Funke vermutete als Ursache Differenzen zwischen dem zuweilen strengen Regiestil Bessons und Wünschers "freier" Arbeitsweise.

Ihren Status als Volksschauspielerin untermauerte sie derweil auch mit ihren zahlreichen Leinwandrollen: so etwa in dem Märchenfilm "König Drosselbart" (DDR 1965), dem dokumentarischen "Dr. Med. Sommer II." (DDR 1970), der Alltagskomödie "Der Mann, der nach der Oma kam" (DDR 1972), dem skurrilen Episodenfilm "Liebesfallen" (DDR 1976) und der Heinrich-Zille-Filmbiografie "Zille und ick" (DDR 1983). Mit Günter Reisch und Erwin Geschonneck drehte sie 1986 eine Fortsetzung von "Ach, du fröhliche" mit dem Titel "Wie die Alten sungen", in der ihre inzwischen verwitwete Figur ein Auge auf den Nachbarsopa (Geschonneck) wirft – es sollte Wünschers letzte Kinoarbeit bleiben.

Weitere Popularität gewann Wünscher durch ihre Auftritte im Fernsehen. Sie wirkte in Gegenwartsstücken und Serien wie "Aber Vati" (1974), "Die lange Straße" (1979) und (in verschiedenen Rollen) "Polizeiruf 110" (1977-87) mit. Häufig gab sie Mägde oder Dienstmädchen und immer wieder Tanten, Mütter und Großmütter aus dem einfachen Volk, wodurch sie zu einer Art Fernseh-Mutter (bzw.Oma) der Nation avancierte. Dabei gelangen ihr aber auch differenzierte Charakterstudien, so die Magd Sina in Helmut Sakowskis fünfteiligem "Verflucht und geliebt" (DDR 1981), über die frühen Jahre der DDR, oder die Sophie in "Casanova auf Schloss Dux" (DDR 1981). Wünscher selbst nannte sich einmal die "mollige Institution in Film und Fernsehen der DDR".  

Einem noch breiteren Publikum wurde sie durch TV-Sendungen wie "Hand aufs Herz" und "Chansons mit Marianne" bekannt, in denen sie als Sängerin auf ihre Erfahrungen beim Kabarett zurückgreifen konnte. In Theatern und Kulturclubs trat sie mit literarisch-musikalischen Programmen auf. Auch als Hörspielsprecherin war sie über ihre gesamte Karriere hinweg überaus gefragt.  

Ihre letzten Fernsehrollen spielte Wünscher in der Miniserie "Tierparkgeschichten" (DDR 1989) und in der viel gelobten Romanverfilmung "Pause für Wanzka" (1990), über den Kampf eines vor der Pensionierung stehenden Lehrers (Kurt Böwe) um einen Schüler. Für ihre Leistungen wurde Marianne Wünscher mehrfach ausgezeichnet: 1971 erhielt sie den Kunstpreis der DDR, 1974 und 1976 kürte man sie zum "DDR-Fernsehkünstler des Jahres".

Von 1949 bis 1953 war sie mit dem Regisseur Gottfried Herrmann verheiratet, Sohn Thomas (*1952) wurde Redakteur beim Fernsehen der DDR. 1963 heiratete sie den Komponisten Wolfgang Pietsch, der bis zu seinem Tod 1974 musikalischer Leiter der Volksbühne war, der gemeinsame Sohn Moritz (*1963) wurde Koch.  

Auch politisch war Wünscher aktiv: zwischen 1977 und 1981 übernahm sie für die "Liberal-Demokratische Partei Deutschlands" (LPDD) ein Mandat als Abgeordnete der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1981 und 1986 wählte man sie als Nachfolgekandidatin in die "Volkskammer" der DDR. Den Fall der Mauer erlebte sie noch mit. Im Jahr darauf, am 9. August 1990, starb Marianne Wünscher in Berlin an den Folgen eines Krebsleidens.

FILMOGRAFIE

1986/1987
  • Darsteller
1986/1987
  • Darsteller
1986/1987
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1985/1986
  • Darsteller
1985/1986
  • Darsteller
1985/1986
  • Darsteller
1985-1987
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1984
  • Darsteller
1982/1983
  • Darsteller
1981/1982
  • Darsteller
1979
  • Synchronsprecher
1978/1979
  • Darsteller
1978
  • Darsteller
1978
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1977/1978
  • Darsteller
1977/1978
  • Darsteller
1977
  • Darsteller
1977
  • Darsteller
1976/1977
  • Darsteller
1976/1977
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1976
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1975/1976
  • Darsteller
1975/1976
  • Darsteller
1973/1974
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1972/1973
  • Darsteller
1972/1973
  • Darsteller
1970/1971
  • Sprecher
1970
  • Darsteller
1969/1970
  • Darsteller
1968/1969
  • Darsteller
1968/1969
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1967/1968
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1967/1968
  • Darsteller
1967/1968
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1967/1968
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1967
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1966/1967
  • Darsteller
1964/1965
  • Darsteller
1963/1964
  • Darsteller
1963/1964
  • Darsteller
1963
  • Darsteller
1962/1963
  • Darsteller
  • Gesang
1962/1963
  • Darsteller
1962
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1961/1962
  • Darsteller
1961/1962
  • Darsteller
1961/1962
  • Darsteller
1961
  • Darsteller
1960
  • Darsteller
1960
  • Darsteller
1960
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1959/1960
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1959
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1958/1959
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1958/1959
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1958/1959
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1958
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1957/1958
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1957
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1957
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1955
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1953/1954
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