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Mut zum Widerspruch: Die Reihe 'Neues Deutsches Kino' beim 36. Filmfest München 2018

16 deutsche Produktionen als Weltpremieren in der Reihe 'Neues Deutsches Kino': Gewohnt abwechslungsreich und radikal zeigt sich das diesjährige Programm.

 

Wagemutige Visionen und gesellschaftlich relevante Themen geben sich die Klinke in die Hand. Ebenso treffen bekannte Gesichter auf aufstrebende Newcomer und historische Stoffe auf hochaktuelle Diskurse: polarisierend, provokativ, passioniert.

Den Anfang macht Joachim A. Langs "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm", der das 36. Filmfest München eröffnen wird. Prominent gesetzt ist darin Brechts Zitat: "Die Widersprüche sind unsere Hoffnung". Dem kann man – schaut man auf die Reihe Neues Deutsches Kino 2018 – getrost hinzufügen: Die Hoffnung, sie liegt auch in der Gegenläufigkeit, Vielfältigkeit, Eigenheit jeder dieser 16 Filme.

Oliver Haffners Spielfilm "Wackersdorf" nimmt historische Begebenheiten zum Ausgangspunkt für die brisante Frage nach politischem Engagement: Persönlich und spannend zugleich zeigt er den Kampf gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage in der oberpfälzischen Provinz in den Achtzigerjahren.

In "Safari – Match Me If You Can" des Münchners Rudi Gaul geht es dagegen um die digitale Liebe. Hier wird die bayerische Landeshauptstadt dank der neuen Dating-App Safari zur Bühne für Selbstdarsteller. Arthur Schnitzlers Bühnenstück "Reigen" wird in die zeitgenössische Gegenwart katapultiert – mit äußerst amüsanten Folgen.

Einen durchaus ungewöhnlichen "Liebesfilm" legen Robert Bohrer und Emma Rosa Simon vor. Darin verliebt sich ein antriebsloser Thirtysomething in eine Kriegsfotografin und durchlebt mit ihr sämtliche Höhen und Tiefen einer Beziehung.

Auch wieder zu Gast in München: Jakob Lass, der 2013 mit "Love Steaks" den Förderpreis Neues Deutsches Kino in vier Kategorien abräumte: In seinem neuen Film "So was von da" begleitet er die letzte Nacht eines Hamburger Musikclubs – mit allem was zu einer guten Abschiedsparty dazugehört. Party ist ebenso das Stichwort für Henning Gronkowskis "Yung". Er porträtiert Berliner Jugendliche der Generation Z auf ihrem (Irr-)Weg durch die Stadt und das Leben. Natürlich geht es dabei um Hedonismus, Sexualität und Drogenkonsum.

Immer wieder thematisieren die Filme in der diesjährigen Reihe 'Neues Deutsches Kino' Geschlechterverhältnisse. So schockiert etwa Linus de Paolis Thriller "A Young Man with High Potential", worin ein hochintelligenter, prüder Informatikstudent zu chemischen Substanzen greift, weil sein Schwarm ihn zurückweist. In Leonel Dietsches "Ende Neu" überleben dagegen nur die Männer. Der Film zeichnet eine postapokalyptische Welt, in der das Recht des Stärkeren regiert.

Ein wenig spielerischer und leichter geht es in Philipp Eichholtz' Komödie "Kim hat einen Penis" zu: Kim möchte ein Mann sein. Das ist allerdings nicht so leicht, wenn sich das Umfeld erst mal mit der neuen Identität anfreunden muss.
 
In Eva Trobischs Drama redet sich die Protagonistin gerne ein: "Alles ist gut". Sie gibt sich nach ihrer Vergewaltigung alle Mühe, die Fassade aufrechtzuerhalten – um ihren Job nicht zu gefährden. Auch in Ann-Kristin Reyels' "Wir haben nur gespielt" hütet eine Figur ein dunkles Geheimnis: Miro und Jona kommeun aus ganz unterschiedlichen Welten – und trotzdem möchten sie Freunde sein.

Um ein traumatisches Ereignis geht es in Damian John Harpers "In the Middle of the River". Der junge Gabriel kehrt in seine Heimat zurück, um seinen Großvater zu töten. Im Moment der Wahrheit wird sein Plan vereitelt und die beiden sind gezwungen, einen Tag miteinander zu verbringen. Um konfliktgeladene Familiensituationen geht es auch in Michael Kliers Kammerspiel "Idioten der Familie". Es erzählt von einem geistig behinderten Mädchen, dessen Familie über seine Zukunft entscheiden muss. Pflegeheim oder nicht? Eine moralische Frage, die die Familie zu spalten droht. Auch in Katinka Narjes Film "Nixen" geht es um Familie: Das Band zwischen zwei Schwestern ist unzerstörbar – und dennoch müssen sie sich frei schwimmen.

Zwei Dokumentarfilme sind in der Reihe Neues Deutsches Kino 2018 vertreten: Annekatrin Hendel erzählt in "Familie Brasch" eine historische, wendungs- wie konfliktreiche deutsche Familiengeschichte über drei Generationen hinweg. Ganz persönlich und subjektiv ist das filmische Selbstexperiment "Von Bienen und Blumen" von Filmfest-Wiederkehrerin Lola Randl. Es geht von der Großstadt aufs Land: Vor und hinter der Kamera erforscht Randl dort alternative Lebensentwürfe.

Auch in diesem Jahr werden die besten Nachwuchsleistungen aus der Reihe Neues Deutsches Kino mit dem renommierten Förderpreis Neues Deutsches Kino prämiert. Zudem wird bereits zum vierten Mal der FIPRESCI Preis für den besten Film in der Reihe vergeben.

Alle Filme der Reihe Neues Deutsches Kino:
 
"A Young Man with High Potential"
von Linus de Paoli, Deutschland 2018
mit Adam Ild Rohweder, Amanda Plummer, Paulina Galazka, Vanja Bajdarova, Pit Bukowski
Schattenkante, Hahn Film
           
"Alles ist gut"
von Eva Trobisch, Deutschland 2018
mit Aenne Schwarz, Andreas Döhler, Hans Löw, Tilo Nest, Lina Wendel
TRIMAFILM GmbH, Starhaus Filmproduktion, BR
 
"Ende Neu"
von Leonel Dietsche, Deutschland 2018
mit Sylvester Groth, Georg Friedrich, Milena Tscharntke, Samuel Schneider, Mick Morris Mehnert
Filmakademie Baden-Württemberg, SWR, Paxfilm

"Familie Brasch"
von Annekatrin Hendel, Deutschland 2018
mit Marion Brasch, Katharina Thalbach, Christoph Hein, Bettina Wegner, Florian Havemann
IT WORKS! Medien GmbH, von Vietinghoff Filmproduktion, RBB, SWR, MDR
 
"Idioten der Familie"
von Michel Klier, Deutschland 2018
mit Lilith Stangenberg, Jördis Triebel, Hanno Koffler, Florian Stetter, Kai Scheve
Michael Klier-Film, almost famous UG, RBB, Arte
 
"In the Middle of the River"
von Damian John Harper, Deutschland/USA 2018
mit Eric Hunter, Max Thayer, Nikki Lowe, Matthew T. Metzler, Ava Del Cielo
Weydemann Bros., ZDF - Das kleine Fernsehspiel, Arte
 
"Kim hat einen Penis"
von Philipp Eichholtz, Deutschland 2018
mit Martina Schöne-Radunski, Christian Ehrich, Stella Hilb, Matthias Lier, Lana Cooper
Von Oma gefördert
 
"Liebesfilm"
von Robert Bohrer, Emma Rosa Simon, Deutschland 2018
mit Eric Klotzsch, Lana Cooper, Hartmut Becker, Sabine Vitua, Gerdy Zint
BASIS BERLIN Filmproduktion, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), ZDF - Das kleine Fernsehspiel
 
"Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm"
von Joachim A. Lang, Deutschland 2018
mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen
Zeitsprung Pictures GmbH, SWR, Arte, Velvet Films
 
"Nixen"
von Katinka Narjes, Deutschland 2018
mit Odine Johne, Lucy Wirth, Emelie Harbrecht, Roland Bonjour
Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB)

"Safari - Match Me If You Can"
von Rudi Gaul, Deutschland 2018
mit Justus von Dohnányi, Sunnyi Melles, Elisa Schlott, Juliane Köhler, Max Mauff
Rat Pack Filmproduktion GmbH, Tele München GmbH, Martin Richter Filmproduktion
 
"So was von da"
von Jakob Lass, Deutschland 2018
mit Niklas Bruhn, Tinka Fürst, David Schütter, Mathias Bloech, Bela B. Felsenheimer
C-Films Deutschland GmbH, DCM Pictures GmbH, Tatami Films GmbH
 
"Von Bienen und Blumen"
von Lola Randl, Deutschland 2018
mit Lola Randl
DETAiLFILM GmbH, Tohuwabohu GmbH
 
"Wackersdorf"
von Oliver Haffner, Deutschland 2018
mit Johannes Zeiler, Anna Maria Sturm, Peter Jordan, Fabian Hinrichs, Sigi Zimmerschied
if... Productions, BR, Arte
 
"Wir haben nur gespielt"
von Ann-Kristin Reyels, Deutschland 2018
mit Finn-Henry Reyels, Roman Bkhavnani, Silke Bodenbender, Godehard Giese
kurhaus production Film & Medien GmbH, ZDF - Das kleine Fernsehspiel
 
"Yung"
von Henning Gronkowski, Deutschland 2018
mit Janaina Liesenfeld, Emily Lau, Joy Grant, Abbie Dutton
G.G. Production GmbH, deutschfilm GmbH

Das 36. Filmfest München findet von 28. Juni bis 7. Juli 2018 statt. Das komplette Programm finden Sie ab 11. Juni 2018 unter www.filmfest-muenchen.de. Der Vorverkauf im WebShop startet am 18. Juni 2018.

Quelle: www.filmfest-muenchen.de