Darsteller, Musik
Karlsruhe

Biografie

Jürgen Knieper wurde am 14. März 1941 in Karlsruhe in ein musikalisches Elternhaus geboren, das ihn früh mit der Musik in Berührung brachte. Mit acht Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht bei seinem Vater, der Professor an der Musikhochschule in Karlsruhe war. Obwohl sich Knieper zunächst für ein Mathematikstudium in Heidelberg entschied, brach er dieses nach 4 Semestern ab und widmete sich der Arbeit im Kabarett "Das Bügelbrett", dessen Mitglied er bereits während der Studienzeit war. 1965 zog er mit der auch musikalisch arbeitenden Gruppe nach Berlin, wo er vom dortigen Kompositionslehrer Reinhard Schwarz-Schilling ermutigt wurde, die Musik als Karriereweg einzuschlagen.

Daraufhin begann Knieper erneut zu studieren, diesmal Komposition an der Hochschule der Künste. Nebenbei arbeitete er als Kabarettpianist und Jazzmusiker in der Kneipe "Old Eden". Kurz nach seinem Abschluss ergab sich 1971 bereits die erste große Berufschance als Nachwuchsregisseur Wim Wenders einen Tonsetzer für seinen zweiten Langspielfilm "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" suchte. Schnell folgte eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit in Form von mehreren Filmproduktionen, bei denen der Komponist für die Musik verantwortlich zeichnete, unter anderem "Falsche Bewegung" (1975), wofür er den Bundesfilmpreis erhielt, sowie der Klassiker "Der amerikanische Freund" (1977) und später "Der Himmel über Berlin" (1987).

Neben Wenders bemühten sich weitere Regisseure um eine Zusammenarbeit mit Knieper, um dessen musikalische Ideen in ihre Werke verschiedenster Genres zu integrieren. So entstand die Musik für Roland Klicks Mysterythriller "Lieb Vaterland magst ruhig sein" (1976), Klaus Lemkes Filmkomödie "Arabische Nächte" (1979) und das Filmdrama "Deutschland bleiche Mutter" (1980) von Junge-Deutscher-Film-Regisseurin Helma Sanders-Brahms. Kniepers Stil zeichnete sich nicht nur durch klassische Elemente, wie in der 1981 geschriebenen Orchesterpartitur für Hans W. Geißendörfers "Der Zauberberg", aus, sondern auch durch Komponenten der Jazz-, Rock- und elektronischen Musik, wie in "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (1981) von Uli Edel. Seine Musik war darin neben den Konzertliedern von David Bowie zu hören. Im Film "Ediths Tagebuch" (1984) – Kniepers zweiter Zusammenarbeit mit Regisseur Geißendörfer – setzte er destruktive, synthetische Klangarten einer romantischen deutschen Musik entgegen. Eindeutige Einflüsse auf seine Arbeit hatten sowohl der elegant-melancholische Klang der französischen Filmkomponisten George Delerue und Michel Legrand als auch die ungewöhnliche Musik von Bernard Herrmann, die dem Genre des amerikanischen Psychothrillers eine besondere Note verlieh.

Ab 1981 entwickelte sich Knieper zu einem Allround-Komponisten, der nicht nur in Filmprojekten, sondern auch in Fernseh- und Theaterproduktionen involviert war. So wirkte er musikalisch in der Kinderserie "Sternensommer" sowie in der ZDF-Jugendserie "Mandara" (1982) mit. Einem großen Publikum wurde er durch die Satirereihe "Scheibenwischer", der von Hans W. Geißendörfer produzierten "Lindenstraße" und durch die Fernsehserie "Praxis Bülowbogen" bekannt. Zum umfangreichen Oeuvre des Komponisten gehören außerdem zahlreiche Bühnenmusiken. Allein in den zehn Jahren zwischen 1973 und 1983 schrieb Knieper als musikalischer Leiter des Berliner Theaters "Die Tribüne" die Partituren für über 40 Stücke.

Nach 1985 war Knieper für einen breiten internationalen Kreis von Filmemachern tätig. So übernahm er zum Beispiel Aufträge des US-amerikanischen Regisseurs Tim Hunter für "River's Edge" ("Das Messer am Ufer", 1986) und "Paint It Black" ("Paint It Black - Im Dunkeln der Nacht", 1989). 1989 kam der Film "Après la guerre" ("Der Krieg ist aus") des Franzosen Jean-Loup Hubert ins Kino, bei dem Knieper ebenso mitwirkte. Für die musikalische Gestaltung der irischen Romanverfilmung "December Bride" ("Dezemberbraut") wurde Knieper im Folgejahr für den Europäischen Filmpreis als bester Komponist nominiert. Aus einer weiteren ausländischen Zusammenarbeit mit dem italienischen Regisseur Sergio Rubini entstand die Musik für den Thriller "La bionda" ("Die geheimnisvolle Blonde", 1993). Bis zur Jahrhundertwende komponiert Knieper ausschließlich für deutsche und deutsch-österreichische Film- und Fernsehproduktionen. 1994 schrieb er zum letzten Mal Filmmusik für Wim Wenders, die in "Lisbon Story" zu hören war. In den späten 1990ern erklang Kniepers Musik dann nur noch selten im Kino, so zum Beispiel in Wolfgang Beckers Tragikomödie "Das Leben ist eine Baustelle" (1997) oder Veit Helmers "Tuvalu" (1999). Zuletzt arbeitete Jürgen Knieper 2008 mit dem irakischen Filmregisseur Abbas Fahdel zusammen, der die internationale Koproduktion "L'aube du monde" ("Dawn of the World)" herausbrachte.

 

Autorin: Yoanna Nasfadi

Dieser Text wurde im Rahmen des Masterstudiengangs "Filmkultur - Archivierung, Programmierung, Präsentation" erstellt, der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum gemeinsam angeboten wird.

FILMOGRAFIE

2016/2017
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