Jörg Schmidt-Reitwein

Weitere Namen
Jörg Henning Schmidt-Reitwein (Geburtsname)
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Produzent
Königs Wusterhausen

Biografie

Jörg Henning Schmidt-Reitwein wurde am 21. Februar 1939 in Königs Wusterhausen in Brandenburg geboren. Er ist der Sohn des Kunstmalers Karl Schmidt-Reitwein und dessen Frau Barbara (geb. Linde) sowie der Bruder von Zwillingschwestern. Dem frühen Tod des Vaters folgte 1941 der Umzug der Familie nach Bad Schwartau in Schleswig-Holstein. Im dortigen großelterlichen Haus kam Schmidt-Reitwein in Kontakt mit Musikern, Schauspielern und Malern wie Emil Nolde. Er besuchte die Waldorfschule in Rendsburg, interessierte sich aber zunächst weniger für die Künste sondern begeisterte sich hauptsächlich für technische Fragen und Elektrizität. 1957 fing er daher an Physik zu studieren, allerdings brach er das Studium nach vier Semestern ab und gestand sich ein, "neidisch auf das kreative Leben seiner Geschwister, die inzwischen auf der HFBK (Hochschule für bildende Kunst) in Berlin studierten", zu sein. (in Ottersbach; Schadt 2008: 255) Er begann im Film die Möglichkeit zu sehen sein Interesse an Technik und künstlerischer Ausdrucksform zu verbinden.

1959 zog er selbst nach Berlin, um diverse Praktika in der Filmbranche zu absolvieren. Nach mehreren Absagen bekam er schließlich einen Job als "Boy für alles" bei der Genschow-Filmproduktion am Wannsee. Nach drei Monaten bekam er die Gelegenheit im Filmkopierwerk "FIKOPA-Emil Müller" in der Zossener Straße zu volontieren und Kontakte in der Filmbranche zu knüpfen. So lernte er dort den Sohn des Kameramanns Robert Baberske kennen, der schon als Assistent bei Fritz Lang und Friedrich-Wilhelm Murnau und später bei der DEFA gearbeitet hatte. Bei der Pohland-Produktion arbeitete er als Tonmann für den Film "Tobby" (1961, Regie: Hansjürgen Pohland) und traf dort auf den Kameramann Wolf Wirth.

1961 wurde Schmidt-Reitwein von der DDR-Justiz als "Menschenhändler" und "Kopfgeldjäger" zu fünf Jahren Haft verurteilt, nachdem er am 16. August versucht hatte, seine Freundin aus Ostdeutschland über die Grenze zu holen. Drei Jahre später wurde er von der Bundesregierung gegen Butter im hohen fünfstelligen Wert freigekauft.

Nach Haftentlassung arbeitete er ab 1965 in München als Kamera-Assistent und Tonmann bei verschiedenen Dokumentar- und Spielfilmproduktionen, wie "Wilder Reiter GmbH" (1966, Regie: Franz-Josef Spieker). 1968 stieß er zum sogenannten "Ulmer Kreis" von Edgar Reitz, Alexander Kluge, Ula Stöckl, Thomas Mauch und Dietrich Lohmann. 1969 gab ihm Kameramann Lohmann die Chance als freier Kamera-Assistent bei ihm anzufangen. Ihre erste gemeinsame Arbeit war "Neun Leben hat die Katze" (1968) von Ulla Stöckl.

Durch Dietrich Lohmann begegnete Schmidt-Reitwein zum ersten Mal Werner Herzog. 1968/69 drehten die drei gemeinsam den Kurzfilm "Maßnahmen gegen Fanatiker", wenig später übernahm er dann zum ersten Mal hauptverantwortlich die Kamera-Arbeit für Herzogs Film "Fata Morgana" – sein Durchbruch und der Beginn einer zehnjährigen Zusammenarbeit. In dieser Zeit drehten Herzog und Schmidt-Reitwein sechs größere Spielfilme und zwölf Dokumentarfilme, die es zu großem Ansehen im Neuen Deutschen Film brachten, darunter "Jeder für sich und Gott gegen alle" (1974), über die Geschichte des Kaspar Hauser und "Herz aus Glas" (1976), für dessen Bildgestaltung Schmidt-Reitwein seinen ersten Bundesfilmpreis verliehen bekam. 1978 fotografierte er das Murnau-Remake "Nosferatu - Phantom der Nacht" mit Klaus Kinski in der Hauptrolle. Im Anschluss stand Kinski als "Woyzeck" (1979) abermals vor seiner Kamera. Mit "Wo die grünen Ameisen träumen" gewann Schmidt-Reitwein 1984 seinen zweiten Bundesfilmpreis für die Beste Kamera.

Parallel zu Herzogs Kino arbeitete er vor allem in den 1980er-Jahren an zwölf Spielfilmen von Regisseur Herbert Achternbusch mit, so unter anderem "Das Andechser Gefühl" (1976), "Bierkampf" (1977), "Das letzte Loch" (1981), den Skandalfilm "Das Gespenst" (1982) und "Rita Ritter" (1984). Weil Achternbusch nur mit Gastarbeitern drehen wollte, endete 1984 ihre Zusammenarbeit mit dem letzten gemeinsamen Film "Wanderkrebs".

Neben Werner Herzog und Herbert Achternbusch arbeitete Jörg Schmidt-Reitwein mit zahlreichen anderen großen RegisseurInnen wie Alexander Kluge (z.B. "Die Patriotin", 1979), Doris Dörrie (bei ihrem Debut "Ob's stürmt oder schneit", 1977) und Werner Schroeter (z.B. "Liebeskonzil", 1982). 1978 drehte er Episoden des Omnibusfilms "Deutschland im Herbst". Ab 1984 begann er als Kameramann häufig für den Schweizer Regisseur Markus Fischer zu arbeiten. In den nächsten beiden Jahrzehnten sollten sie zusammen insgesamt 18 Filme machen.

Schmidt-Reitweins Arbeiten waren in den 1990er-Jahre nicht nur auf der großen Leinwand zu sehen, so drehte er neben Filmen von Fischer (darunter z.B. "Brandnacht", CH/DE 1992) unter anderem einige Tatort-Folgen, sowie Herzog-Dokumentationen fürs Fernsehen. In den 2000er-Jahren arbeitete Schmidt-Reitwein nur noch selten fürs Kino, wurde aber z.B. 2007 für den deutsch-Schweizer Thriller "Marmorera" auf dem Fantasy-Filmfestival in Malaga für die beste Kamera ausgezeichnet. Auch Markus Fischers Regie wurde dort prämiert. In diese Zeit fallen weiterhin diverse Werbefilm- und Musikvideoproduktionen.

Seine bisher letzte Kamera-Arbeit übernahm er 2011 in Maria Blumencrons "Wie zwischen Himmel und Erde" (2011). 2017 wirkte er bei dem Dokumentarfilm "Jörg Schmidt-Reitwein: Sehweisen" von Heiner Heinke mit. In dem ihm gewidmeten Film wird er als einer der bedeutendsten Kameramänner des Neuen Deutschen Films gewürdigt.

Jörg Schmidt-Reitwein lebt heute mit seiner Familie in Ering am Inn.

 

Autorin: Angela Incandela

Dieser Text wurde im Rahmen des Masterstudiengangs "Filmkultur - Archivierung, Programmierung, Präsentation" erstellt, der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum gemeinsam angeboten wird.

FILMOGRAFIE

2005-2007
  • Kamera
2002
  • Kamera
2001
  • Kamera
2001
  • Kamera
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1995/1996
  • Kamera
1995/1996
  • Kamera
1995
  • Kamera
1995
  • Kamera
1993
  • Kamera
1992
  • Kamera
1991/1992
  • Kamera
1990/1991
  • Kamera
1990
  • Kamera
1990
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1989
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1988
  • Kamera
1987/1988
  • Kamera
1987
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1986
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1985
  • Kamera
1985
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1984/1985
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1983/1984
  • Kamera
1983/1984
  • Kamera
1982
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1982
  • Kamera
1981/1982
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1981-1985/1987
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1981
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1980/1981
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1980
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1980
  • Kamera
1980
  • Kamera
1979/1980
  • Kamera
1979
  • Kamera
1979
  • Regie
1979
  • Kamera
1979
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1978/1979
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1978
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1977/1978
  • Kamera
1977/1978
  • Kamera
1977-1979
  • Kamera
1977
  • Kamera
1976/1977
  • Kamera
1976/1977
  • Kamera
1976
  • Kamera
1976
  • Mitwirkung
  • Kamera
1975/1976
  • Kamera
1975/1976
  • Kamera
1975
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  • Kamera
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1974/1975
  • Kamera
1971
  • Kamera-Assistenz
1970/1971
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1970/1971
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1970
  • Kamera
1970
  • Kamera-Assistenz
1968/1969
  • Kamera
1968-1971
  • Kamera
1968
  • Kamera
1968
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1966/1967
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1966
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1965
  • Kamera-Assistenz
1965
  • Kamera-Assistenz
1961
  • Ton