Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch
Hamburg Berlin

Biografie

Erich Engel

Nach einem Jahr Lehre in einer Kaffeegroßhandlung besucht der Kaufmannssohn 1909–11 in Hamburg die Schauspielschule von Leopold Jessner, danach Engagements an Wanderbühnen. Nach der Einberufung 1914 Schreibstubendienst im Militärlazarett. 1917 Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, 1918–21 Dramaturg und Regisseur an den Kammerspielen. 1922 Übersiedlung nach München, dort Bekanntschaft mit Bertolt Brecht und Caspar Neher, Erfolge u.a. mit der Uraufführung von Brechts "Im Dickicht".

1923 erster Filmversuch gemeinsam mit Brecht in der Karl Valentin-Groteske "Die Mysterien eines Frisiersalons". Inszenierungen an verschiedenen Bühnen, meist in Berlin, u.a. 1928 Uraufführung von Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper" im Theater am Schiffbauerdamm. Erst nach Einführung des Tonfilms interessiert sich Engel intensiver für die künstlerischen Möglichkeiten des Films. 1930–35 ausschließlich Filmregie. Sein bevorzugtes Genre ist die Komödie. In elf Filmen von "Wer nimmt die Liebe ernst?" (1931) bis "Viel Lärm um Nixi" (1941) ist Jenny Jugo sein Star. Trotz Zugeständnissen an die Nazi-Zensur gelingt ihm auch nach 1933 immer wieder die ihm am Herzen liegende Darstellung der Veränderbarkeit des Menschen und der Verhältnisse.

 

Ende der 30er Jahre Shakespeare-Inszenierungen am Deutschen Theater. 1945-47 Intendant der Münchener Kammerspiele. 1948/49 gemeinsam mit Brecht Inszenierungen am Deutschen Theater in Berlin. 1948 dreht er bei der DEFA "Affaire Blum", in dem er anhand eines Mordfalls ein realistisches Bild vom Deutschland der 20er Jahre unter dem Schatten des aufkommenden Faschismus zeichnet und für den er mit einem Nationalpreis ausgezeichnet wird. Nach "Der Biberpelz", seinem zweiten DEFA-Film, scheitert der Plan einer Verfilmung von Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" (Die Modell-Inszenierung von Brecht/Engel wird 1957 für das Fernsehen aufgezeichnet und ist 1959/60 Grundlage der Verfilmung von Palitzsch/Wekwerth).

1950–55 Filmregie in der BRD, u.a. bei "Der fröhliche Weinberg" (1952) nach Carl Zuckmayer. Künstlerische Oberleitung bei "Pünktchen und Anton" (1953), den sein Sohn Thomas Engel nach Erich Kästner inszeniert. Nach Brechts Tod 1956 führt er dessen Inszenierung von "Leben des Galilei" am Berliner Ensemble fort und arbeitet – in West-Berlin lebend – in den folgenden Jahren ausschließlich in der DDR. Am Berliner Ensemble gehört er der künstlerischen Leitung an und ist zeitweilig Chefregisseur.

© hmbock