Weitere Namen
Beate Richard (Geburtsname)
Darstellerin
Friedland in Oberschlesien (heute Korfantów, Polen)

Biografie

Judy Winter wurde am 4. Januar 1944 als Beate Richard in Friedland (Oberschlesien) geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ die Familie die Region und ließ sich schließlich in Heidelberg nieder. Dort nahm Beate Richard Ballettunterricht, aber ihr Traum von einer Karriere als Ballerina zerschlug sich auf Grund ihrer zu hohen Körpergröße von 1,75 Meter. Also schwenkte sie zur Schauspielerei um und nahm 1960 Schauspielunterricht an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Ende 1960, mit knapp 17 Jahren, wurde sie von Peter Zadek ans Ulmer Theater engagiert; für sieben Jahre waren die beiden auch ein Paar. 1962 nahm Beate Richard den Künstlernamen Judy Winter an, eine Hommage an die Hollywood-Stars Judy Garland und Shelley Winters. Im Jahr darauf ging sie mit Zadek ans Theater Bremen, wo sie bis 1970 unter anderem in Wedekinds "Frühlings Erwachen" und in den Musicals "My Fair Lady" und "Hello Dolly" auf der Bühne stand.

Ab Mitte der 1960er Jahre wirkte Winter auch in Fernsehproduktionen mit, so etwa in einer Nebenrolle von Claus Peter Witts "Drei Tage bis Mitternacht" (1966). Ihren ersten Kinoauftritt hatte sie in Alfred Vohrers parodistischem Sexfilm "Das gelbe Haus am Pinnasberg" (1970) mit Eddi Arent in der Hauptrolle. Mit Vohrer drehte sie noch drei weitere Kinofilme: In dem Krimi "Perrak" (1970) war sie eine undurchschaubare Bordellbetreiberin, in der Simmel-Adaption "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (1971) eine gelähmte Ex-Spionin, die inzwischen ein Freudenhaus betreibt; in Vohrers gesellschaftskritischem Drama "Liebe ist nur ein Wort" (1971) spielte sie eine unglückliche Bankiersgattin, die eine Affäre mit einem deutlich jüngeren Mann beginnt. Für die beiden letzten Rollen wurde Winter 1972 für den Deutschen Filmpreis als Beste Hauptdarstellerin nominiert.

Trotz dieser Erfolge drehte Judy Winter seitdem nur noch wenige Kinofilme. Nach Hauptrollen in der Komödie "… aber Jonny!" (1973, mit Horst Buchholz) und in der Charakterstudie "Der Lord von Barmbeck" (1973, Regie: Ottokar Runze), als Ehefrau des Hamburger Einbrechers Julius Adolf Petersen (1882-1933), sah man sie fast nur noch in Fernsehrollen. Neben Gastauftritten in zahlreichen Serien wie "Sonderdezernat K1", "Der Alte" und "Derrick" spielte Winter 1977 in Wolfgang Petersens "Tatort"-Klassiker "Reifezeugnis" die Ehefrau eines Studienrats, der eine Affäre mit einer Schülerin (Nastassja Kinski) hat.

Auf der Theaterbühne konnte sie unter anderem in Oscar Wildes "Ein idealer Gatte" an der Kleinen Komödie München (1975) und in dem Musical "Chicago" am Thalia Theater Hamburg (1977) Erfolge feiern. 1979 erschien ihre erste Schallplatte "Sie zu ihm", nach dem Gedicht von Kurt Tucholsky.

1980 übernahm Winter eine Kino-Hauptrolle in Ulrich Schamonis "Das Traumhaus", über vier junge Menschen, die in einer idyllischen Villa einen alternativen Lebensentwurf als Selbstversorger umsetzen wollen. Im gleichen Jahr hatte sie in "Der Mann, der sich in Luft auflöste" (DE/HU/SE), einer frühen "Kommissar Beck"-Verfilmung, eine Hauptrolle als Tochter eines verschwundenen Politjournalisten. Für ihre Verkörperung einer pharmakritischen Ärztin in "Ärztinnen" (DDR 1984) erhielt sie 1984 den Darstellerpreis des 3. Nationalen Spielfilmfestivals der DDR.

Ansonsten aber blieben Fernsehen und Theater Judy Winters Hauptbetätigungsfeld. 1981 gehörte sie zum Ensemble von Theodor Kotullas Mehrteiler "Der Fall Maurizius"; Jürgen Roland besetzte sie in einer Hauptrolle seines Durbridge-Krimis "Der Besuch" (1983), für Berengar Pfahl gab sie in "Die Brücke am schwarzen Fluß" (1986) eine Entwicklungshelferin aus der DDR, die sich in Mali in einen Westdeutschen verliebt. Am Ernst Deutsch Theater stand sie in "Mutter Courage und ihre Kinder" (1981) auf der Bühne. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde das Renaissance-Theater Berlin ihr "Stammhaus".

Viel Kritikerlob erhielt Judy Winter für ihre Doppelrolle in Cordula Trantows Psychodrama "Besuch" (1989, TV), als Karrierefrau und deren verwahrloste Zwillingsschwester; in einem Interview nannte Winter die Arbeit mit Trantow eines ihrer prägendsten Erlebnisse. Eine seltene Kinorolle hatte sie als Königin in dem viel gelobten deutsch-tschechischen Märchenfilm "Dornröschen" (1990), der sich akribisch an den Originaltext des Märchens hielt. Wichtige Fernsehfilme der 1990er-Jahre waren die Hape-Kerkeling-Satire "Club Las Piranjas" (1995, als Ferienclub-Direktorin), das Sorgerechts-Drama "Wem gehört Tobias?" (1995, als intrigante Großmutter) und die Diätwahn-Satire "Durch dick & dünn" (1998) mit Jürgen Tarrach. Außerdem übernahm Winter weiterhin Gastrollen in Serien wie "Ein Fall für zwei" (1994) und "Im Namen des Gesetzes" (1998).

Einen überragenden Bühnenerfolg konnte Judy Winter 1998 mit dem Stück "Marlene" feiern, in dem sie die alternde Marlene Dietrich verkörperte. Nach der umjubelten Uraufführung am Berliner Renaissance-Theater stand sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten über 550 Mal in dieser Rolle auf der Bühne – mit Gastspielen in 62 Städten und sieben Ländern.

Auch in den 2000er-Jahren spielte Winter in einigen Fernsehfilmen mit, darunter die Krimis "Mädchen, böses Mädchen" und "Sommernachtstod" (beide 2003, jeweils als Mutter der Hauptkommissarin) und das Kriminaldrama "Eine Nacht im Grandhotel" (2008, als adeliger Hotelgast). Eine Kinorolle übernahm sie in der Edgar-Wallace-Parodie "Neues vom Wixxer" (2007), als mysteriöse Nonne namens Schwester Lucipha. Für Carlo Rolas TV-Remake von "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (2008) schlüpfte sie erneut in die Rolle der Ex-Doppelagentin und Bordellbetreiberin Nora Hill.

Für ihren Part in Edward Bergers Komödie "Mutter muss weg" (2012), als herrische Mutter eines berufslosen Träumers, gewann Winter den deutschen Fernsehpreis als Beste Hauptdarstellerin. Eine wiederkehrende Hauptrolle hatte sie als eigenwillige Schwiegermutter in der Familienfilm-Reihe "Tief durchatmen, die Familie kommt" (2015), "Von Erholung war nie die Rede" (2017) und "Ihr seid natürlich eingeladen" (2018). Insgesamt umfasst Winters TV-Filmografie weit über 100 Rollen. Außerdem wirkte sie nach wie vor regelmäßig in Bühneninszenierungen mit, unter anderem am St. Pauli Theater Hamburg und am Berliner Renaissance Theater, wo im Februar 2018 letztmalig "Marlene" aufgeführt wurde.

Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin war Judy Winter seit jeher auch eine gefragte Synchronsprecherin. Im Lauf der Jahrzehnte lieh sie unter anderen Shirley MacLaine, Jane Fonda, Bette Midler und Vanessa Redgrave vielfach ihre Stimme. Daneben wirkte sie in zahlreichen Hörspielproduktionen mit (z.B. "Perry Rhodan", "Die Drei ???", "TKKG"). Auch in sozialen Belangen war sie schon immer aktiv. Für ihr langjähriges Engagement in der HIV-Prävention und AIDS-Hilfe (unter anderem als Kuratorin der Berliner AIDS-Hilfe) wurde Winter unter anderem zweifach mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt: erstmals 2001, und 2014 erneut mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

In den letzten Jahren übernahm Winter auch wieder kleinere Kinorollen. In Pepe Danquarts bittersüßem Liebesfilm "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" (2017) gab sie die mütterliche Mentorin der Hauptfigur (Jessica Schwarz); in Detlev Bucks Beziehungsreigen "Wuff - Folge dem Hund" (2018) hatte sie eine kleine, aber wichtige Rolle als Nachbarin eines einsamen Mannes. In "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" (2018) sprach sie den Drachen Frau Mahlzahn.

Judy Winter war mit dem Schauspieler Joachim Regelien und später mit dem Jazzmusiker Rolf Kühn verheiratet. Ihr Adoptivsohn Francis C. Winter ist Schauspieler und Bühnenautor. Sie lebt in Berlin.

 

FILMOGRAFIE

2019/2020
  • Darsteller
2017/2018
  • Darsteller
2016/2017
  • Darsteller
2015/2016
  • Sprecher
2011
  • Darsteller
2010/2011
  • Synchronsprecher
2010/2011
  • Synchronsprecher
2008/2009
  • Darsteller
2008
  • Darsteller
2006/2007
  • Darsteller
2004/2005
  • Darsteller
1996/1997
  • Darsteller
1994
  • Darsteller
1994
  • Sprecher
1992
  • Darsteller
1990
  • Darsteller
1988
  • Darsteller
1985/1986
  • Darsteller
1983/1984
  • Darsteller
1983
  • Darsteller
1983
  • Darsteller
1981
  • Darsteller
1980/1981
  • Darsteller
1980
  • Darsteller
1980
  • Darsteller
1977
  • Darsteller
1977
  • Darsteller
1976/1977
  • Darsteller
1976
  • Darsteller
1974/1975
  • Darsteller
1974
  • Darsteller
1973
  • Darsteller
1973
  • Darsteller
1971/1972
  • Darsteller
1970
  • Darsteller
1970
  • Darsteller
1969/1970
  • Darsteller