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Seit drei Jahren leitet Paul Winkelmann das familieneigene Möbel- und Dekorationsgeschäft. Wirklich selbstständig ist er dadurch aber nicht geworden. Paul ist 56 Jahre alt und lebt noch immer bei seiner 78-jährigen, überaus rüstigen und dominanten Mutter, die ihn nach wie vor bei seinem Kosenamen "Pussi" ruft.
In der alleinstehenden Psychologin Margarethe lernt Paul eines Tages sein ideales weibliches Gegenstück kennen. Auch sie ist nicht mehr die Jüngste und hat die Abnabelung von ihren Eltern noch immer nicht völlig vollzogen. Diese Bekanntschaft ruft natürlich Pauls eifersüchtige Mutter auf den Plan, zumal ihr Sohn sich entschlossen hat, in seinem Alter noch einmal eine eigene Wohnung zu mieten! Doch Paul und Margarethe geben nicht auf. Um die angespannten familiären Situationen aufzulockern, wollen sie ihre Eltern miteinander bekannt machen – keine allzu gute Idee, wie sich schon bald herausstellt.
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Eigentlich leistet sich der schusselige Paul, dem man gar nicht so recht zutraut, sich in seiner mit Ausstellungsstücken des familieneigenen Möbel- und Dekorationsgeschäftes ausgestatteten Junggesellenwohnung zurechtzufinden, nur eine bescheidene Freiheit: Eine Art Stammtisch in der Kneipe um die Ecke. Honorige Bürger, Politiker vor allem, darunter nur eine Frau (Paraderolle für Rosemarie Fendel), wollen einen Verein gründen, um Minderheiten wie Frauen und neue Themen wie den Umweltschutz im Karnevalsgedanken zu verankern. Ein schwieriges Unterfangen also, das sich wie ein roter Satire-Faden durch Vicco von Bülows ersten Spielfilm zieht.
Die Frau seines Lebens hätte Paul beinahe übersehen, obwohl sie gleich mehrfach Anläufe unternahm, in seinem Geschäft neue Bezüge für die Stühle in ihrer Praxis auszusuchen. Aber man begegnet sich immer zweimal im Leben und so trifft Paul ausgerechnet beim Unterhosenkauf auf die Diplom-Psychologin Margarethe Tietze. Dem naturgemäß chaotischen Auftakt beim Herrenausstatter folgen eine Tasse Tee in ihren Praxisräumen und ein Hefezopf, gebacken nach dem Rezept von Mutter Louise, in seiner Wohnung.
Zum ersten Mal in seinem Leben interessiert sich Paul für eine andere Frau als seine Mama – und die scheint gar nicht abgeneigt, selbst dickste Bretter zu bohren, um aus „Pussy“ noch einen ganz brauchbaren Kerl zu machen. Jedenfalls kommen sich die beiden rasch näher, sodass Margarete sogar einer Einladung Pauls folgt, ihn auf einer Geschäftsreise nach Italien zu begleiten. Bella Italia – doch noch ist Muttern immer dabei, per Bild auf Pauls Nachttischchen.
Zurück in Deutschland werden Nägel mit Köpfen gemacht. Zuerst wird Paul Margarethes Eltern Kurt und Gerda vorgestellt, die ihn glatt für einen der „bekloppten“ Patienten ihrer Tochter halten. Und dann geht’s zum Gegenbesuch zu Pauls Mutter, die sich inzwischen einen Untermieter für Pauls verwaistes Kinderzimmer in ihre Nobelvilla geholt hat – ausgerechnet einen Musiker. Wo Louise doch eigentlich Sängerin hätte werden wollen – und auch können bis zu Pauls Geburt. So dauert es nicht lange, bis die Misstöne immer lauter werden...
Zehn Jahre hat sich Bernhard Victor („Vicco“) Christoph Carl von Bülow darauf vorbereitet, sich den Traum vom ersten (Kino-) Film zu erfüllen. Und diese Zeit war gut investiert, denn „Ödipussi“ ist mehr als nur eine Kompilation seiner gezeichneten Cartoons und gespielten Kurzszenen in abendfüllender Länge. Den schier überbordenden Einfallsreichtum an situationskomischen Szenen verdankt Loriot seiner Originalität ebenso wie seiner exzellenten Beobachtungsgabe. Zum Gelingen seines Leinwand-Erstlings trugen allerdings auch die tollen Schauspieler und einer der besten Kameramänner, Xaver Schwarzenberger, bei, der Loriot aus eigener Erfahrung gespeist sicherlich auch den einen oder anderen Regietipp geben konnte ebenso wie die beiden alten Produktionshasen Horst Wendlandt und Günter Rohrbach.
„Mein Thema ist die Kommunikation und das Missverständnis zwischen zwei Menschen“, sagt Vicco von Bülow im Tobis-Presseheft. „Kommunikationsgestörte interessieren mich am allermeisten. Denn alles, was ich als komisch empfinde, entsteht aus dem Aneinander-vorbei-Reden der Beteiligten.“ Einmalig in der deutsch-deutschen Filmgeschichte: „Ödipussi“ ist am 9. März 1988 in beiden Teilen Berlins in Anwesenheit Loriots, der aus Brandenburg an der Havel stammt, uraufgeführt worden: Um 17 Uhr im Kosmos an der Karl-Marx-Allee und drei Stunden später im Gloria-Palast am Kudamm.
Pitt Herrmann