Ein Almanach, ein Kino-Plan, Bildnisaufnahmen und Werbehefte (1919)
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| Quelle: Jeanpaul Goergen |
| Buchcover |
1. Der undatierte, in Wien erschienene und als Manuskript gedruckte "Almanach der Film- und Kinoindustrie 1920" (so die Titelseite) berücksichtigt Einträge mit Stand September 1919; das Vorwort ist auf November des gleichen Jahres datiert. Das Buch dürfte also um die Jahreswende 1919/20 erschienen sein, zumal der Innentitel beide Jahresangaben anführt.
Der 300 Seiten umfassende Almanach versteht sich als "Organ für alle Zweige der Kinematographie" und verzeichnet im I. Teil die in Österreich, Deutschland, Ungarn, der Tschechoslowakischen Republik und Jugoslawien tätigen Filmfabriken, Vertretungen und Verleiher. Der Bereich "Deutschland" (S. 26-44) ist nach den bedeutendsten Filmzentren Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Sonneberg (als Standort einer Sonneberg-Film GmbH) gegliedert.
Der II. Teil des Almanachs stellt die in Österreich, der Tschechoslowakei und Ungarn spielenden Kinos vor. Mit der "Neutral-Filmschau" beschreibt der Almanach zudem eine österreichische Besonderheit. In dem Wiener Lokal "Zur Glocke" stellte Karl Schönfeld, technischer Leiter der Filmzensur der Polizeidirektion, täglich außer sonn- und feiertags heimische und internationale Neuerscheinungen vor – neutrale Vorführungen, die ein Fachpublikum von Kinobesitzern, Produzenten und Verleihern adressierten und nur gegen Legitimation besucht werden konnten. (S. 50)
Der III. Teil umfasst einen Kalender sowie einen detaillierten Überblick über die in Österreich und der Tschechoslowakei aktiven Vereine und Fachorganisation. Die Liste reicht vom Bund der Kino-Industriellen in Österreich (Präsident: Arnold Pressburger) bis zur Union der Bühnen- und Kinopersonale mit 9.000 Mitgliedern.
Im IV. Teil sind die österreichischen Regisseure, Hilfsregisseure und Dramaturgen sowie die Aufnahmetechniker verzeichnet. Präsident des Klubs des Filmregisseure Österreichs war damals Conrad Wiene, unter den Dramaturgen findet sich Friedrich Porges und bei den "Aufnahmetechnikern" der Kameramann und spätere Regisseur Eduard von Borsody.
Der V. und letzte Teil führt neben den Filmdarstellern und -darstellerinnen auch Hospitanten auf. Der Almanach enthält zudem zahlreiche Inserate bedeutender österreichischer Unternehmen der Filmbranche.
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| Quelle: Jeanpaul Goergen |
| Kino-Pharus-Plan |
2. Der 1902 in Berlin gegründete Pharus Verlag war auf die Herausgabe von Stadtplänen spezialisiert. Der 1919 erschienene mehrfarbige Kino-Pharus-Plan Berlin war der erste, der neben einem Straßenverzeichnis auch alle Lichtspielhäuser Groß-Berlins, entsprechend der Anzahl ihrer Plätze, nachwies. Er wies die Kinos in alphabetischer Reihenfolge mit Angabe der Telefonnummer, des Inhabers und der Anzahl der Plätze nach (32 Seiten). Ein weiteres Verzeichnis führte die Kinos nach dem Alphabet der Straßen in der Reihenfolge der Hausnummern auf. (30 Seiten) Außerdem verzeichnete er die Berliner Straßen, Plätze, Brücken, öffentliche Gebäude usw. aus dem Original Pharus-Führer für Berlin. (48 Seiten)
3. Der Aufklärungsfilm "Traffic in Souls" ("Schmutziges Geld", USA 1913, P: Universal Film Co., New York, R: George Loane Tucker) behandelt die Bekämpfung des Mädchenhandels. Der deutsche Vertrieb lag bei der Firma Oskar Einstein. Da der Film mit Zensurproblemen zu kämpfen hatte, brachte das Unternehmen ein "Propagandaheft" heraus. "Es enthält eine knappe, aber farbenreiche Schilderung des Inhalts und eine Reihe von Szenenbildern und Bildern der Hauptdarsteller. Der Anhang bringt eine Anzahl interessanter Zuschriften, die der Firma von Reichstagsabgeordneten, Wohlfahrtsvereinen usw. anlässlich einer Sondervorführung zugegangen sind und sich durchweg anerkennend äußern." (Der Film, Nr. 5, 1.1.2.1919, S. 99) Die Werbeschrift betont, dass der Film eine "naturgetreue Schilderung über den amerikanischen Mädchenhandel" bringe und es "keine bessere Aufklärung und Warnung für junge Mädchen" gäbe.
4. Der österreichische Fotograf Karl Schenker brachte 1919 zwei Mappen zu je drei Blatt mit Aufnahmen von Henny Porten und Gunnar Tolnaes heraus. "Schönste Gabe für jeden Kinofreund, durch die wirkungsvolle Ausstattung in Büttenmappe mit Umschlagzeichnung." Die Fotos seien auch hervorragend zum Einrahmen geeignet. (Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 29.11.1919, S. 59, Anzeige)
Almanach der Film- und Kinoindustrie. Organ für alle Zweige der Kinematographie. 1919/1920. Nach dem Stande vom September 1919. Wien: Redakteur J. Klingwart. o.J. [November 1919], 300 Seiten, Ill. [Entwurf Titelseite: Arthur Türkl] [Auf dem Außentitel: Almanach der Film- und Kinoindustrie 1920]
Kino-Pharus-Plan Berlin. Maßstab: [Ca. 1:14.000]. Mehrfarbig; 85 x 67 cm. Mit Kino-Führer durch Berlin und Straßenverzeichnis. Berlin: Kino-Adressbuch [1919], 26, 46 und 27 Seiten
Traub/Lavies: 362
dnb: https://d-nb.info/572348177
Schmutziges Geld. Aufklärungsfilm in 6 Akten. Mit neunseitiger Inhaltsbeschreibung und neun Fotos aus dem Film. Berlin: Oskar Einstein 1919, 12 Seiten
Karl Schenker: Henny Porten. 3 Bildnisaufnahmen. Berlin: Verlag J. W. Mörlins [1919]
dnb: https://d-nb.info/361688385
Karl Schenker: Gunnar Tolnaes. 3 Bildnisaufnahmen. Berlin: Verlag J. W. Mörlins [1919]
dnb: https://d-nb.info/361688393
(Jeanpaul Goergen, April 2026)

