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Mathieu Carrière

Darsteller, Regie, Drehbuch
Hannover

Biografie

Mathieu Carrière, geboren am 2. August 1950 in Hannover, aufgewachsen in Berlin und Lübeck, wo er als 13-Jähriger Gymnasialschüler von Regisseur Rolf Thiele für den Film entdeckt wurde und in dessen Thomas Mann-Adaptation "Tonio Kröger" (1964) den Titelhelden in jungen Jahren verkörperte.

Durch diese Rolle wurde Volker Schlöndorff auf ihn aufmerksam, der ihn im Jahr darauf in der Hauptrolle seines Regiedebüts "Der junge Törless" besetzte. In der Robert-Musil-Adaption, einem der ersten internationalen Erfolge des Jungen Deutschen Films, spielte Carrière den gleichermaßen intelligenten und distanzierten Internatsschüler Törless, der Zeuge grausamer Spiele an einem Mitschüler wird – eine sensibel, gemeisterte Rolle, die bereits einige jener Charakteristika zeigt, die auch für Carrières späteres Spiel typisch sein werden.

Nach einer weiteren Kinorolle in Andrzej Wajdas Kinderkreuzzug-Drama "The Gates to Paradise" (Die Pforten des Paradieses, 1968) wechselte Carrière auf ein Jesuiteninternat im bretonischen Vannes und zog nach dem Abitur 1968 nach Paris.

 

In den folgenden Jahren avancierte der Deutsche mit dem hugenottischen Familiennamen in Frankreich zum vielbeschäftigten Filmstar. Seine feinen Gesichtszüge und die hohe, schlanke Gestalt prädestinierten ihn für die Verkörperung eleganter, manchmal auch psychisch labiler Charaktere. Als echte Herausforderung bezeichnete Carrière die Rolle des verwirrten Matrosen Yann in "Malpertuis" (1974) von dem belgischen Regisseur Harry Kümel. Aber trotz hochkarätiger Besetzung (u.a. Orson Welles) und wohlwollender Kritiken wurde das phantastische Drama zum Kassenflop.

Immer wieder aber wurde vor allem sein attraktives Äußeres fotogen ins Bild gesetzt, so etwa in Roger Vadims "Don Juan ou Si Don Juan était une femme..." (Don Juan 73, 1973) oder in David Hamiltons Softsex-Film "Bilitis" (1977). Bisweilen stellte Carrière aber auch ganz gezielt innere Abwesenheit zur Schau, wie in Marguerite Duras" artifiziellem "India Song" (1975). Dann wieder gab er für Roger Vadim in "La jeune fille assassinée" (Ein wildes Leben, 1974) einen psychopathischen Millionärssohn, der aus Langeweile kleine Mädchen ermordet, und unter der Regie von Denis Héroux in "Die Hinrichtung" (1976) einen wahnsinnigen Vietnam-Veteranen und homosexuellen Mörder von acht Schwesternschülerinnen. Mit Schlöndorff drehte er 1976 das preisgekrönte Beziehungs- und Gesellschaftsdrama "Der Fangschuß", in dem Margarethe von Trotta und Matthias Habich die Hauptrollen spielten.

Mit Travestie-Auftritten im Alcazar de Paris, bei denen er Hamlet-Monologe und Goebbels-Reden vortrug, startete Carrière 1974 zudem eine Theaterkarriere. Der Cabaret-Einstieg ebnete ihm den Weg zur Bühne; er spielte 1975 am Théâtre National de Paris die Titelrolle in "Portrait de Dorian Gray", trat 1981 bei den Salzburger Festspielen als St. Just in "Dantons Tod" auf und ging mit Hanna Schygulla mit Dostojewskis "Der Idiot" auf Tournee.

Neben der Film- und Theaterarbeit studierte Carrière Philosophie bei Gilles Deleuze, Jean-François Lyotard und Michel Foucault an der Universität Vincennes in Paris, das er 1978 mit einer Arbeit über Heinrich von Kleist erfolgreich abschloss.

Danach sah man ihn in einer Reihe ambitionierter Autorenfilme: als ausgezehrten, fiebrigen Künstler in Herbert Veselys Filmbiografie "Egon Schiele – Exzesse" (1981), als Pilot in Eric Rohmers Liebeskomödie "La femme de l"aviateur" und als Callboy Chris in Robert van Ackerens erfolgreichem "Skandalfilm" "Die flambierte Frau". Das kühl inszenierte Melodram verhalf der Hauptdarstellerin Gudrun Landgrebe zum Durchbruch, Carrière hingegen blieb einmal mehr vor allem auf seine attraktive Erscheinung reduziert.

Trotz seines starken Karrierestarts und einer regelmäßigen Zusammenarbeit mit renommierten Regisseuren gelang es Carrière nur selten, sein Rollenrepertoire zu erweitern. In erster Linie verkörperte er – gleichwohl beeindruckend – gefühlskalte, intellektuelle und beherrschte Karrieristen, attraktive Bösewichte oder auch aufbrausende deutsche "Herrenmenschen", wie in dem Klassiker "La passante du sans-souci" ("Die Spaziergängerin von Sans-Souci", F/D 1982) oder dem romantischen Thriller "Shining Through" (Wie ein Licht in dunkler Nacht, USA/GB 1992).

Parallel zu seinem Filmschaffen konzentrierte sich Carrière ab Ende der 70er Jahre auch auf seine umfangreiche Fernseharbeit. Nach Auftritten in französischen und deutschen Fernsehspielen und Gastauftritten in Krimiserien wie "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte" übernahm er 1978 seine erste große Fernsehrolle in der 13-teiligen Fallada-Verfilmung "Ein Mann will nach oben" und landete damit einen großen Publikumserfolg. In den kommenden Jahrzehnten folgten zahlreiche Rollen in Fernsehspielen und Serien: alle Serienfolgen mitgezählt hat er bislang in weit über 100 TV-Produktionen mitgewirkt.

Der Workaholic Carrière beschränkte sich nicht nur aufs Schauspielen, er gab Lesungen und arbeitete schriftstellerisch. Bereits 1981 publizierte er den auf seiner Abschlussarbeit im Philosophie-Studium basierenden Essay "Für eine Literatur des Krieges, Kleist", 1994 folgte der Band "Wilde Behauptung. Jennifer Bartlett und die Kunst". Zusammen mit dem Warhol-Star Paul Morrissey schrieb er 1984 das Drehbuch zu dessen Beethoven-Film. 1986 inszeniert er in Spoleto die Verdi-Oper "Rigoletto".

Carrière wechselte zwischenzeitlich auch hinter die Kamera. Gemeinsam mit Volker Schlöndorff inszenierte er 1978 fürs Fernsehen die Oper "Der zoologische Palast", 1988/89 übernahm er die Regie des Films "Zugzwang". Psychodrama und Thriller mischend, erzählte er darin die Geschichte eines gescheiterten Pianisten, der mehr und mehr seiner Leidenschaft für Blitzschach und Backgammon verfällt und dafür sein Familienglück und seine berufliche Existenz aufs Spiel setzt. Carrière, ein passionierter Schachspieler, schreibt auch das Drehbuch und tritt selbst in einer Nebenrolle als Finanzberater auf. Allerdings konnte der in Cannes uraufgeführte Film weder bei der Kritik noch beim Publikum reüssieren.

Nach dem Abstecher ins Regiefach setzte er 1990 seine Leinwandkarriere mit Werner Schroeters stilisierter Verfilmung von Ingeborg Bachmanns Roman "Malina" fort, in der er den sanften Freund einer von Isabelle Huppert gespielten Schriftstellerin spielt, die einer selbstzerstörerischen Leidenschaft für einen jüngeren Mann verfällt.

Zu dieser Zeit spielte er auch in einigen US-amerikanischen Filmen mit, verkörperte etwa einen französischen Arzt im TV-Film "Rock Hudson" (1990) und den portugiesischen König Johannes II. in dem Historienabenteuer "Christopher Columbus: The Discovery" (Christopher Columbus - Der Entdecker, 1992).

Ab Mitte der 90er Jahre konzentrierte Carrière seine Aktivitäten gleichsam mehr und mehr aufs Fernsehen. Unter anderem Bernd Eichingers "Das Mädchen Rosemarie" (1996) bot ihm hier eine amüsante Charakterrolle: Als mondäner Franzose Fribert macht er aus der Nitribitt eine Dame von Welt und führt sie dann zwecks Bespitzelung seinen Geschäftspartnern zu. In Frankreich und Italien drehte Carrière ebenfalls regelmäßig Fernsehfilme. Die Rollen entsprachen jedoch oftmals nicht seinem hohen Talent: In der TV-Serie "Schloss Hohenstein. Irrwege des Glücks" (1992-1995) spielte er einen von Frauen umschwärmten Grafen, in "Böses Blut" (1993) einen notorischen Ehebrecher und in "Das geheime Leben der Spielerfrauen" (2005) den Maximilian Graf von Rohrschach.

Eine ganz andere Herausforderung stellt zwischendurch "Der Ölprinz" dar, den er 2000 bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg verkörperte. 2001 gab er in der Hamburger Fabrik (als Testlesung) sein Debüt als Dramatiker mit "Die Wette gilt", einer Farce über die Midlife-Crisis eines Show-Masters.

Eine markante Kinorolle bot ihm die deutsche Großproduktion "Luther" (2003), in der er als arroganter Kardinal Cajetan brillierte. Zudem wirkte er in Nebenrollen unter anderem in Bernd Böhlichs märchenhafter Romanze "Du bist nicht allein" (2007), in Andreas Arnstedts Drama "Die Entbehrlichen" (2009) und in Philipp J. Pamers Historiendrama "Bergblut" (2010) mit.

Carrières jüngere Schwester Mareike arbeitet ebenfalls als Schauspielerin und wurde unter anderem durch ihre Rollen in den Serien "Großstadtrevier", "Praxis Bülowbogen" und "Die Schule am See" und "Was nicht passt wird passend gemacht - Die Serie" bekannt.

Filmografie

2016/2017
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2009/2010
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2009
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2004
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2002/2003
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2002/2003
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1997/1998
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1996
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1995/1996
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1994/1995
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1994
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1990/1991
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1990/1991
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1984/1985
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1984
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1984
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