Carl Froelich

Carl Froelich

Weitere Namen: Carl August Hugo Froelich (Geburtsname)
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Bauten, Produzent, Produktionsleitung
*05.09.1875 Berlin; †12.02.1953 Berlin

Biografie

Carl August Hugo Froelich wurde am 5. September 1875 in Berlin geboren und wuchs in Stralsund auf. Er studierte Elektrotechnik an den Technischen Hochschulen in Darmstadt und Berlin und war ab dem Jahr 1900 im Konstruktionsbüro der Firma Siemens & Halske (heute: Siemens AG) tätig. Mit dem Aufkommen des Films begann er sofort, sich für diese neue Technik zu interessieren. So arbeitete er ab 1903 in der Konstruktionsabteilung des Filmpioniers Oskar Messter, der damals der wichtigste Hersteller kinematographischer Apparate war. In Messters Firma wirkte Froelich an technischen Entwicklungen mit (u.a. am Biophon-Tonbild-System), realisierte als Kameramann aber auch eigene Filmaufnahmen, darunter Wissenschaftliches (z.B. über Wirkungen von Giften auf das menschliche Herz, gedreht im Pharmakologischen Institut der Universität Berlin), aber auch Aktuelles, wie die Bilder von der Berliner Hochbahnkatastrophe am 26.9.1908 – Froelichs Aufsehen erregende Aufnahmen dieses Unglücks gelten manchen Filmhistorikern als Wegbereiter der späteren Wochenschauen.

1906 stand Froelich bei Henny Portens Filmdebüt "Meißner Porzellan" (1906) an der Tonbild-Kamera; danach wirkte er bis 1914 an zahlreichen Spielfilmen mit, vor allem für die Regisseure Adolf Gärtner und Curt A. Stark, und meist mit Henny Porten als Hauptdarstellerin. 1913 übernahm Froelich die Co-Regie (neben William Wauer) bei der aufwändigen Filmbiografie "Richard Wagner". Trotzdem war er zu dieser Zeit noch hauptsächlich Kameramann; Regie führte er nur gelegentlich, etwa bei "Tirol in Waffen" (1913/14) und "Erstarrte Liebe" (1914).

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Froelich eingezogen, erhielt aber schon bald einen Posten als Kameramann: Er war einer von nur acht zugelassenen Frontoperateuren und drehte Kriegsberichte für die "Messter-Woche". Als Kameramann für den Film hingegen war Froelich ab 1915 überhaupt nicht mehr aktiv. Stattdessen konnte er während des Krieges mehrere Spielfilme als Regisseur für die Messter-Filmpoduktion realisieren, so etwa die Henny-Porten-Filme "Nur nicht heiraten" (1915), "Der Schirm mit dem Schwan" (1916) und "Die Ehe der Luise Rohrbach" (1917) – der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen der berühmten Schauspielerin und dem Regisseur Froelich.

Von 1919 bis 1920 arbeitete Froelich für die Maxim-Film Ges. Ebner & Co., für die er Filme mit der Porten-ähnlichen Lotte Neumann ("Arme Thea"; "Der Klapperstorchverband") und mit Lil Dagover ("Der Tänzer") drehte; außerdem inszenierte er für die Maxim-Film den Historienfilm "Die Brüder Karamasoff". 1920/21 folgten zwei Dagover-Filme für die Decla-Bioskop sowie der Asta-Nielsen-Film "Irrende Seelen", nach Dostojewskis "Der Idiot". Darüber hinaus gründete Froelich im Jahr 1920 seine eigene Produktionsfirma, die Froelich-Film GmbH, Berlin.

Froelichs Filme waren meist beim Publikum und der Kritik gleichermaßen erfolgreich. So schrieb der renommierte Kritiker Béla Balázs, Froelichs filmische Umsetzung des Eifersucht-Gefühls in "Der Wetterwart" (1924) sei "eine Revolution". Nach dem internationalen Erfolg des Porten-Films "Mutter und Kind" (1924) gründeten Froelich, Porten und ihr Mann Wilhelm von Kaufmann im Jahr 1924 die Henny Porten-Froelich Produktion GmbH, Berlin. Mit ihr entstanden bis 1929 noch 14 gemeinsame, meist sehr erfolgreiche Filme. Die Bandbreite reicht dabei von Komödien wie "Das Abenteuer der Sibylle Brant" (1925) bis zu ernsten und tragischen Werken wie "Die große Pause" (1927) und "Zuflucht" (1928).

1929 trennten sich Froelichs und Portens Wege und er produzierte seine Werke wieder mit der Froelich-Film GmbH. Ebenfalls 1929 drehte er mit "Die Nacht gehört uns" einen der ersten drei deutschen Tonfilme; wegen der hohen Herstellungskosten entstand er als deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion. Und nicht zuletzt der Erfolg dieses Films verhalf dem Tonfilm in Deutschland zum Durchbruch. Ein Besonderheit von Froelichs Arbeit mit Ton bestand stets darin, dass er ihn nicht allein zur Vermittlung von Informationen nutzte, sondern auch atmosphärisch und zur Charakterzeichnung einsetzte – als "Sprachlandschaft" bezeichnete Béla Balázs einmal Froelichs komplexe Tonspuren.

1931 entstand der 'Gemeinschaftsfilm' (im Team hergestellt und von einem Konsortium finanziert) "Mädchen in Uniform": Bei dem Drama über ein preußisches Mädchenpensionat und die Liebe zwischen Frauen (einer Schülerin und ihrer Lehrerin) übernahm Froelich lediglich die künstlerische Oberleitung; für die Inszenierung des ausschließlich mit Frauen besetzten Films zeichnete Leontine Sagan verantwortlich. Auch sonst produzierte Froelich mit seiner Firma Filme anderer Regisseure, so etwa Carl Behrs "Der Jäger aus Kurpfalz" (1933), Paul Henckels Kurz-Spielfilm "Der Kuckuck am Steuer" (1934) und Rolf Hansens Kurz-Spielfilm "Das Schönheitsfleckchen" (1936), der als erster deutscher Farbfilm in die Filmgeschichte einging.

Während der NS-Zeit konnte Froelich ohne Unterbrechung weiterarbeiten. Bereits 1933 war er Mitglied der NSDAP geworden und wurde noch im selben Jahr an die Spitze des Gesamtverbandes der Filmherstellung und Filmverwertung berufen. 1934 drehte er für die Propagandaleitung der NSDAP einen Film über den weiblichen Reichsarbeitsdienst: "Ich für Dich – Du für mich". Im Januar 1937 wurde er zum Professor ernannt, im Juni 1939 zum Reichsfilmkammerpräsidenten. Mit der Produktion gediegener Unterhaltungsfilme hatte sich Froelich dem Geist der Zeit und den Wünschen der Machthaber angepasst. Dabei arbeitete er stets mit großen Stars wie Emil Jannings ("Traumulus", 1935), Zarah Leander (u.a. "Heimat", 1938; "Es war eine rauschende Ballnacht", 1939), Ingrid Bergman ("Die vier Gesellen", 1938) und Heinz Rühmann ("Der Gasmann", 1941). 1943/44 drehte er auch wieder einen Film mit Henny Porten: den zwischen melancholischer Nostalgie und Zukunftsoptimismus changierenden Zweiteiler "Familie Buchholz"/"Neigungsehe".

Nach Kriegsende kam Froelich zunächst in Lagerhaft. Zehn seiner Filme wurden vom Alliierten Kontrollrat verboten, darunter "Ich für Dich – Du für mich", "Heimat" und "Der Gasmann". 1948 wurde Froelich entnazifiziert und durfte wieder arbeiten. An seine früheren Erfolge konnte er gleichwohl nicht mehr anknüpfen. 1950/51 realisierte er mit der Froelich-Film GmbH drei weitere, nur mäßig erfolgreich Filme: "Drei Mädchen spinnen" (1950), "Stips" (1951) sowie "Torreani" (1951), bei dem sein Sohn Gustav Regie führte. Auf Grund seiner früheren Verdienste wurde Carl Froelich zum Ehrenpräsidenten der SPIO ernannt; daneben war er Ehrenmitglied des Verbandes der Filmschaffenden sowie des Deutschen Bühnen-Clubs.

Am 12. Februar 1953 starb Carl Froelich in Berlin an einer Lungenentzündung.

Filmografie

1957/1958 Das gab's nur einmal
Mitwirkung
 
1951 Stips
Regie, Drehbuch
 
1951 Torreani
Produzent
 
1950 Drei Mädchen spinnen
Regie
 
1943/1944 Neigungsehe
Regie, Herstellungsleitung
 
1943/1944 Familie Buchholz
Regie, Herstellungsleitung
 
1941/1942 Hochzeit auf Bärenhof
Regie, Herstellungsleitung
 
1940/1941 Der Gasmann
Regie, Produzent
 
1940/1941 Der Weg ins Freie
Produzent
 
1939/1940 Das Herz der Königin
Regie, Produzent
 
1939 Es war eine rauschende Ballnacht
Regie, Produzent
 
1939 Sommer, Sonne, Erika
Produzent
 
1938/1950 Das Leben kann so schön sein
Produzent
 
1938 Die vier Gesellen
Regie, Produzent
 
1938 Heimat
Regie, Produzent
 
1938 Carmen de la Triána
Produzent
 
1937/1938 Die Umwege des schönen Karl
Regie, Produzent
 
1937/1938 Andalusische Nächte
Produzent
 
1937 Die ganz großen Torheiten
Regie, Produzent
 
1937 Gabriele eins, zwei, drei
Produzent
 
1936 Wenn wir alle Engel wären
Regie, Produzent
 
1936 Das Schönheitsfleckchen
Künstlerische Oberleitung, Drehbuch, Produzent
 
1935/1936 Wenn der Hahn kräht
Regie, Produzent
 
1935/1936 Der Raub der Sabinerinnen
Produzent
 
1935 Traumulus
Regie, Produzent
 
1935 Ich war Jack Mortimer
Regie, Produzent
 
1935 Liselotte von der Pfalz. Frauen um den Sonnenkönig
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1935 Lärm um Weidemann
Produzent
 
1934/1935 Der Traum vom großen Los
Produzent
 
1934/1935 Musik im Film
Produzent
 
1934/1935 Oberwachtmeister Schwenke
Regie, Produzent
 
1934 Krach um Jolanthe
Regie, Produzent
 
1934 Ich für Dich - Du für mich
Regie, Produzent
 
1934 Frühlingsmärchen. Verlieb' Dich nicht in Sizilien
Regie, Produzent
 
1933/1934 Der Kuckuck am Steuer
Produzent
 
1933/1934 Volldampf voraus!
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1933 Schlagerpartie
Regie, Produzent
 
1933 Was unsere lieben Kinobesucher nicht zu sehen bekommen
Produzent
 
1933 Reifende Jugend
Regie, Produzent
 
1933 Der Jäger aus Kurpfalz
Produzent
 
1932/1933 Wintersport mit Hindernissen
Produzent
 
1932/1933 Der Choral von Leuthen
Regie, Produzent
 
1932 Diva in Vertretung
Produzent
 
1932 Die - oder keine
Regie, Produzent
 
1932 Gitta entdeckt ihr Herz
Regie, Produzent
 
1932 Mieter Schulze gegen Alle
Regie
 
1932 Liebe auf den ersten Ton
Regie, Produzent
 
1931 Luise, Königin von Preußen
Regie
 
1931 Mädchen in Uniform
Künstlerische Oberleitung
 
1930/1931 Mitternachtsliebe
Regie, Produzent
 
1930 Hans in allen Gassen
Regie, Produzent
 
1930 La folle aventure
Regie, Produzent
 
1930 Barcarolle d'amour
Regie, Produzent
 
1930 Brand in der Oper
Regie, Produzent
 
1929 La nuit est à nous
Regie, Produzent, Produktionsleitung
 
1929 Die Nacht gehört uns
Regie, Produzent
 
1928/1929 Die Frau, die jeder liebt, bist Du
Regie, Produzent
 
1928/1929 Liebfraumilch
Regie, Produzent
 
1928 Liebe im Kuhstall
Regie, Produzent
 
1928 Zuflucht
Regie, Produzent
 
1928 Lotte
Regie, Produzent
 
1927/1928 Liebe und Diebe
Regie, Produzent
 
1927 Die große Pause
Regie, Produzent
 
1926/1927 Violantha
Regie, Produzent
 
1926/1927 Meine Tante - Deine Tante
Regie, Produzent
 
1926 Wehe, wenn sie losgelassen
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1926 Die Flammen lügen
Regie, Produzent
 
1925/1926 Rosen aus dem Süden
Regie, Produzent
 
1925 Tragödie
Regie, Produzent
 
1925 Das Abenteuer der Sibylle Brant
Regie, Produzent
 
1924/1925 Kammermusik
Regie, Produzent
 
1924 Mutter und Kind
Regie, Produzent
 
1923 Der Wetterwart
Regie
 
1922/1923 Der Schatz
Produzent
 
1922 Luise Millerin
Regie, Produzent
 
1921/1922 Der Taugenichts
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1921 Im Banne der Kralle
Regie, Produzent
 
1920/1921 Irrende Seelen
Regie, Drehbuch
 
1920 Toteninsel
Darsteller, Regie, Drehbuch
 
1920 Die Kwannon von Okadera
Regie
 
1920 Die Brüder Karamasoff
Regie
 
1919 Arme Thea
Regie, Drehbuch
 
1919 Der Klapperstorchverband
Regie, Drehbuch
 
1919 Der Tänzer. 2. Teil
Regie, Drehbuch
 
1919 Die Liebschaften der Käthe Keller
Regie
 
1919 Die Verführten
Regie, Drehbuch
 
1919 Der Tänzer. 1.Teil
Regie, Drehbuch
 
1919 Unschuldige Sünderin
Drehbuch
 
1918 Der Rubinsalamander
Drehbuch
 
1918 Ikarus, der fliegende Mensch
Regie
 
1916/1917 Die Ehe der Luise Rohrbach
Drehbuch
 
1916 Werner Krafft. Der Maschinenbauer
Regie
 
1915/1916 Der Schirm mit dem Schwan
Regie
 
1915 Nur nicht heiraten
Regie
 
1915 Musketier Kaczmarek
Regie
 
1914/1915 Fürst Seppl
Regie
 
1914 Erstarrte Liebe
Regie, Kamera
 
1914 Die große Sünderin
Kamera
 
1914 Um ein Haar...
Produzent
 
1913/1914 Das Tal des Traumes
Kamera
 
1913/1914 Tirol in Waffen
Regie, Drehbuch
 
1913/1914 Bergnacht
Kamera
 
1913 Der Weg des Lebens
Kamera
 
1913 Der wankende Glaube
Kamera
 
1913 Richard Wagner
Regie, Kamera
 
1913 Komtesse Ursel
Kamera
 
1913 Schuldig
Kamera
 
1913 Der Feind im Land
Kamera
 
1913 Um das Glück betrogen
Kamera
 
1913 Eva
Kamera
 
1913 Ihre Hoheit
Kamera
 
1912/1913 Das Opfer
Kamera
 
1912/1913 Ihr guter Ruf
Kamera
 
1912 Problematische Naturen
Kamera, Bauten
 
1912 Um Haaresbreite
Kamera
 
1912 Teuer erkauftes Glück
Kamera
 
1912 Die Toten schweigen
Kamera
 
1912 Zu spät
Regie, Kamera
 
1912 Der Schatten des Meeres
Kamera
 
1912 Erloschenes Licht
Kamera
 
1912 Schatten des Lebens
Kamera
 
1912 Maskenscherz
Kamera
 
1912 Kämpfende Herzen
Kamera
 
1912 Jung und Alt
Kamera
 
1912 Einer Mutter Opfer
Kamera
 
1912 Ein Ehrenwort
Kamera
 
1912 Die Königin der Nacht
Kamera
 
1912 Des Pfarrers Töchterlein
Kamera
 
1912 Sonnenfinsternis am 17.4.1912
Kamera
 
1911/1912 Geächtet
Kamera
 
1911/1912 Adressatin verstorben
Kamera
 
1911/1912 Des Lebens Würfelspiel. Rosen und Dornen vom Weg des Lebens
Kamera
 
1911/1912 Ein Leben
Kamera
 
1911 Tragödie eines Streiks
Kamera
 
1911 Die Großstadt bei Nacht, wie sie weint und lacht
Kamera
 
1911 Ein Fehltritt. Die Tragödie einer Geächteten
Kamera
 
1911 Das gefährliche Alter
Kamera
 
1910 Japanisches Opfer
Kamera
 
1908 Berliner Hochbahnkatastrophe vom 26.9.1908
Kamera
 
1906 Meißner Porzellan
Kamera
 

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