• Twitter
  • Facebook
  • Print
  • Forward

Carl Mayer

Drehbuch
Graz, Österreich London, England, Großbritannien

Biografie

Carl Mayer, geboren am 20. Februar 1894 in Graz, Österreich, bricht den Besuch des Gymnasium im Jahr 1909 ohne Abschluss ab und muss ab 1910, nachdem der Vater sein Vermögen verspielt hat, aktiv zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Um 1914 beginnt Mayer, als Komparse und Theatersekretär an kleinen Theatern in Linz, Salzburg und Innsbruck zu arbeiten.

1917 wird er vom Berliner Residenz-Theater als Hilfsspielleiter engagiert; dort ist er zudem auch für Büro und Kasse zuständig. Im Dezember 1917 ist er an der Gründung des Matineevereins "Dramatische Gesellschaft Berlin" beteiligt, dessen erste Inszenierung, die Uraufführung des expressionistischen Antikriegsstücks "Die Vorhölle", Mayer selbst übernimmt.

Bereits im Mai 1917 gründet Mayer gemeinsam mit der Schauspielerin Gilda Langer die Produktionsfirma "Star-Film Comp". In mehreren Meldungen kündigt die Firma "eine Reihe großer Filme" mit Gilda Langer an, Carl Mayer wird dabei wechselweise als Direktor, Regisseur und Autor genannt. Zu einer Realisierung der Projekte kommt es nicht. Anfang 1919 schreibt Carl Mayer mit Hans Janowitz ein Drehbuch mit dem Titel "Das Cabinett des Dr. Calligaris", das 1919/20 unter dem Titel "Das Cabinet des Dr. Caligari" unter der Regie von Robert Wiene realisiert wird – allerdings mit einer von den Autoren in dieser Form nicht entworfenen Rahmenhandlung und in einem von ihnen nicht vorgesehenen expressionistischen Stil. Nach dem großen Erfolg dieses Films schreibt Mayer ein Drehbuch, das bewusst auf schauerromantische Phantastik und expressionistische Stilisierung setzt: "Genuine" kommt im September 1920 in die Kinos, gerät aber durch den leicht durchschaubaren Versuch, die Stilistik von "Das Cabinet des Dr. Caligari" zu kopieren, zu einem Misserfolg.

Für die Uco Film, eine Tochtergesellschaft der großen Produktionsfirma Decla, adaptiert Mayer Ende 1920 mit "Schloss Vogelöd" (Regie: F. W. Murnau) einen Fortsetzungsroman der Berliner Illustrierten für Kinoleinwand. Zuvor hatte er für den Produzenten Sascha Goron ein dänisches Drehbuch vollständig umgeschrieben, aus dem 1921 "Der Gang in die Nacht" entsteht. Beide Filme inszeniert Friedrich Wilhelm Murnau.

 


Im Auftrag des Regisseurs und Produzenten Lupu Pick adaptiert Mayer für dessen Rex-Film-Gesellschaft die Komödie "Der Dummkopf" (1921). Außerdem schreibt er für die Rex-Film die Drehbücher zu "Grausige Nächte" (1921), "Scherben" (1921) und "Sylvester" (1923). Neben seiner konsequenten Entwicklung einer komprimierenden Dramatik kristallisiert sich bei diesen Drehbüchern ein Interesse für die Lebens- und Gefühlswelt proletarisch-kleinbürgerlicher Menschen heraus. "Scherben", "Hintertreppe" (1921) und "Sylvester" werden in späteren Jahren als Mayers "Kammerspielfilm-Trilogie" bezeichnet – wobei er sie nicht zusammenhängend konzipiert hatte.

Im September 1921 schließt Mayer mit der Ufa einen Vertrag über vier Drehbücher. Doch es entsteht nur ein Film: "Vanina" (1922), nach der Novelle von Stendhal. Im folgenden Jahr adaptiert Mayer für die Richard-Oswald-Film AG Frank Wedekinds "Lulu" zu dem Film "Erdgeist" (1922). Schließlich kehrt er zur Ufa und zur Zusammenarbeit mit F. W. Murnau zurück. Für "Der letzte Mann" (1924) entwirft Mayer bereits im Drehbuch aufwändige Kamerafahrten, um die seelische Verfassung des traurigen Helden, eines zum Toilettenwärter herabgestuften Portiers, zu visualisieren. Auch im Drehbuch zu "Tartüff" (1925) formuliert Mayer eine Reihe von Kamerafahrten, die Regisseur Murnau jedoch nicht alle umsetzt.

Mayer ist ein perfektionistischer Autor, der zum Teil mehr als ein Jahr an seinen Texten feilt. Nicht gelungene Manuskripte gibt er nicht aus der Hand. Dies führt zu Konflikten mit der zunehmend industriell planenden Filmwirtschaft, insbesondere mit der Ufa, die ihn schließlich erfolgreich auf 50.000 Mark verklagt, weil er trotz gezahlter Vorschüsse zugesagte Drehbücher nicht abgeliefert hat.

1926 erhält er das Angebot, gemeinsam mit Murnau nach Hollywood zu gehen, lehnt jedoch ab. Stattdessen zieht er von Berlin nach Lychen in der Uckermark. Basierend auf Hermann Sudermanns Roman "Die Reise nach Tilsit" verfasst er hier das Drehbuch "Lied für zwei Menschen", aus dem schließlich Murnaus erster amerikanischer Film wird: "Sunrise" (1927), der als eines der Meisterwerke von Regisseur Murnau und seinem Autor Mayer gilt. Auch an Murnaus zweitem Hollywood-Film, "The Four Devils" (1928) ist Mayer als Treatment-Autor beteiligt.

Ab Anfang der 1930er Jahre arbeitet Mayer vor allem mit dem österreichischen Regisseur Paul Czinner und der Schauspielerin Elisabeth Bergner zusammen. Gemeinsam mit Czinner adaptiert er die Schnitzler-Novelle "Fräulein Else", erhält im fertigen Film jedoch keinen Credit, vermutlich aus Furcht vor der Ufa, bei der er noch immer hohe Schulden hat. Als Co-Autor und Dramaturg ist Mayer auch an den Bergner/Czinner-Filmen "Ariane" (1930) und "Der träumende Mund" (1932) beteiligt. In der Umbruchzeit vom Stumm- zum Tonfilm verlegt Mayer sich zunehmend auf den immer wichtiger werdenden Bereich der dramaturgischen Beratung. In dieser Funktion ist er unter anderen für Kurt Bernhardt, Arnold Fanck und Leni Riefenstahl tätig. Um seine Schulden abzuarbeiten, berät er auch die Dramaturgie-Abteilung der Ufa.

Nach der Machtergreifung der Nazis emigriert Mayer Ende 1933 nach Prag. Ungeachtet seiner Situation setzt die Ufa ihre Mahnungen gegen den fast mittellosen Exilanten hier und auch in London fort, wohin Mayer 1935 übersiedelt (seine Restschuld beträgt zu diesem Zeitpunkt gerade noch 2.850 Mark). Obwohl sie wesentlich mehr wert sind, bietet er der Ufa als Ausgleich die Tonfilmrechte einiger seiner Stummfilme an. Hinter seinem Rücken verkauft die Firma die Stummfilmrechte an "Das Cabinet des Dr. Caligari" für 12.000 Mark an den Regisseur Robert Wiene, der ein Remake seines eigenen Klassikers plant.

In London arbeitet Mayer erneut mit Elisabeth Bergner und Paul Czinner zusammen. Als die britische Filmindustrie 1937 in eine Krise gerät, ist Mayer weitgehend arbeitslos. Er betätigt sich als Drehbuch- und Schnittberater, unter anderen bei Filmen des befreundeten Dokumentaristen Paul Rotha. 1942 erkrankt Carl Mayer schwer an Bauchspeicheldrüsenkrebs, der von den Ärzten jedoch nicht erkannt wird. Um seine großen Schmerzen zu lindern verabreicht man ihm Betäubungsmittel, was zu einer Morphinabhängigkeit führt. Kurz vor seinem Tod erhält Mayer eine Anstellung bei der Two Cities Filmcomp., wo er mit der Entwicklung von zwei Projekten beginnt, die allerdings unvollendet bleiben.

Am 1. Juli 1944 erliegt Carl Mayer in London seinem Krebsleiden.

Filmografie

1952/1953
  • Drehbuch
1937
  • Drehbuch
1936
  • Adaption
1932
  • Drehbuch
1932
  • Dramaturgie
1931
  • Dramaturgie
1930/1931
  • Drehbuch
  • Dramaturgie
1930/1931
  • Drehbuch
1930/1931
  • Dramaturgie
1929/1930
  • Dramaturgie
1928/1929
  • Dramaturgie
1928
  • Drehbuch
1927
  • Drehbuch-Mitarbeit
1926/1927
  • Szenarium
1925
  • Drehbuch
1924
  • Drehbuch
1923/1924
  • Drehbuch
1923
  • Idee
1922/1923
  • Drehbuch
1922
  • Drehbuch
1921
  • Drehbuch
1921
  • Drehbuch
1921
  • Drehbuch
1921
  • Drehbuch
  • Dramaturgie
1921
  • Drehbuch
1920/1921
  • Drehbuch
1920/1921
  • Drehbuch
1920/1921
  • Drehbuch
1920
  • Drehbuch
1920
  • Drehbuch
1919/1920
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch