Sentimental Value

Norwegen Frankreich Deutschland Großbritannien Dänemark 2024/2025 Spielfilm

Inhalt

Nach dem Tod ihrer Mutter sehen sich Nora und Agnes Borg gezwungen, sich mit ihrem entfremdeten Vater Gustav auseinanderzusetzen – einem einst gefeierten Regisseur, der die Familie verließ, als die Töchter noch klein waren. Während Nora ihre Schauspielkarriere kompromisslos verfolgt hat, hat Agnes ein Leben mit Familie und Stabilität gewählt. Nun steht Gustav nach Jahren der Funkstille plötzlich wieder vor der Tür – charmant grinsend und mit dem emotionalen Gepäck eines halben Lebens. Er hofft auf ein Comeback mit einem autobiografischen Drehbuch über seine Mutter, die im Zweiten Weltkrieg durch Folter der Nationalsozialisten traumatisiert wurde und sich später das Leben nahm. Gustav bietet Nora die Hauptrolle an – doch sie lehnt ab. Stattdessen übernimmt die Hollywood-Schauspielerin Rachel Kemp die Rolle, die Gustav bei einer Retrospektive seiner Filme kennenlernt. Die Arbeit am Film, der in seinem Elternhaus gedreht wird, setzt bald alte Familiendynamiken in Bewegung – und nach und nach wird deutlich, dass Vater und Töchter sich ähnlicher sind, als sie dachten. Vielleicht ist es doch nicht zu spät für einen Neuanfang?

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Heinz17herne
Heinz17herne
Das rote Holzhaus, das seit einhundert Jahren in Oslo steht und der Familie Borg stets willkommener Rückzugsort vor den Zumutungen der Welt draußen gewesen ist, wird zum Gegenstand eines Schulaufsatzes der jungen Nora (gespielt u.a. von Irma Trier und Olivia Thompson). Die von ihrem Kinderzimmer schreibt und davon, dass das Haus keinen Lärm verträgt. Wenig später erleben wir sie als hypernervöse Theaterschauspielerin, welche vor lauter Lampenfieber beinahe die Premiere von Anton Tschechows Drama „Die Möwe“ geschmissen hätte, in der sie die Hauptrolle der jungen Gutsbesitzertochter Nina verkörpert: Nora lässt sich von Jakob, ihrem verheirateten Liebhaber und Darsteller ihres Bühnen-Freundes, des Schriftstellers Trigorin, eine schallende Ohrfeige verpassen – und marschiert schnurstracks auf die Bühne, wo sie eine triumphale Vorstellung gibt.

In der nächsten Einstellung ist das Haus voller schwarz gekleideter Menschen: Zur Beerdigung seiner Gattin Sissel (Ida Marianne Vassbotn Klasson) ist sogar der bekannte Filmemacher Gustav Borg an dem Ort erschienen, den er verlassen hat, als die Kinder noch klein waren. Weshalb die Schwestern Nora und Agnes, eine mit Even Pettersen verheiratete Geschichtswissenschaftlerin, nicht gerade begeistert sind über das Erscheinen ihres Vaters, der ihnen keiner gewesen ist. Dem allerdings nun das im ursprünglich aus Schweden kommenden Drachenstil erbaute Gebäude gehört, nachdem bei der Scheidung ihrer Eltern nichts Schriftliches fixiert worden ist.

Nun soll das Haus, was der renommierte Regisseur seiner Lieblingstochter vorsichtshalber konspirativ in einem Café mitteilt, Gegenstand eines biographischen Films werden – und Nora soll die Hauptrolle seiner Mutter, also ihrer Großmutter, übernehmen. Diese ist während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg als Widerstandskämpferin gefoltert worden und hat sich im Haus der Familie erhängt. Ein Angebot, das für Nora eine Zumutung bedeutet, welches sie so vehement ablehnt wie ihre Schwester Agnes die Bitte, ihrem Sohn Erik die Rolle des Vaters Gustav Borg als kleines Kind zu erlauben.

Dabei könnte dieses Herzensprojekt, das Gustav Borg zuvor mit seinem langjährigen Kameramann Peter besprochen hat, den Grundstein für eine Versöhnung zwischen Vater und Töchtern legen. Weil sich Nora standhaft weigert, auch nur das Drehbuch in die Hand zu nehmen, zieht der einst renommierte, nun aber schon seit 15 Jahren nicht mehr aktive Regisseur ein höchst attraktives Ass aus dem Ärmel: die junge Hollywood-Schauspielerin Rachel Kemp, die er bei einer ihm gewidmeten Retrospektive auf dem Filmfestival Deauville in der Normandie kennengelernt hat. Und die Chance, einen ernsthaften europäischen Film drehen zu können, mit großer Begeisterung ergreift. Auch wenn die Netflix-Produzenten zumindest ein Mitspracherecht beanspruchen.

Als die erste Leseprobe größere Artikulationsprobleme der Amerikanerin offenbart, ist diese längst als Werbeikone plakatiert. Was niemand mehr als Gustav Borg bedauert, der längst erkannt hat, dass Rachel trotz großer, ernsthafter Bemühungen seiner Tochter Nora nicht das Wasser reichen kann. Was diese auch erkannt hat und Zweifel äußert, ob sie die Richtige für diese Rolle ist, obwohl Nora zunehmend in Depressionen verfällt und Vorstellungen absagen muss. Währenddessen forscht Agnes im Archiv nach der 1943 verhafteten Großmutter Karin Irgens (Sigrid Lorentzen Abelsnes, später Vilde Søyland) und ist von den gefundenen Dokumenten so elektrisiert, dass sie heimlich das Drehbuch liest – und nicht mehr davon loskommt. Agnes erkennt, dass es vom Vater nur für ihre ältere Schwester Nora geschrieben worden ist – und bringt es ihr ans Bett. Nora und Agnes lesen gemeinsam daraus, brechen in Tränen aus, legen es nicht mehr aus der Hand…

In „Sentimental Value“ (auf Deutsch: Erinnerungswert), der Fortsetzung der preisgekrönten „Oslo“-Trilogie Joachim Triers („Auf Anfang“, „Oslo, 31. August“ und „Der schlimmste Mensch der Welt“), stehen die bei aller gemeinsamen Familiengeschichte so ungleichen Schwestern Nora und Agnes nach dem Tod ihrer Mutter vor der Herausforderung, sich mit ihrem entfremdeten Vater Gustav auseinanderzusetzen – eine Konstellation wie in einem Film Ingmar Bergmans. Die Tragikomödie ist ein hervorragend besetzter Spielfilm über eine zarte Wiederannäherung – der Schwestern mit sich selbst und mit ihrem Vater. Ein Familienfilm über Generationskonflikte und das Altern, aber auch ein ungewöhnlicher, weil ein Haus als Ort der (Welt-) Geschichte in den Mittelpunkt stellender Film über das Filmemachen und über das Theaterspielen.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Kamera-Bühne

Maske

Kostüme

Ton-Design

Musik

Herstellungsleitung

Dreharbeiten

    • 12.08.2024 - 31.10.2024: Oslo und Umgebung, Normandie
Länge:
133 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 28.10.2025, 274253, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (FR): 21.05.2025, Cannes, IFF - Wettbewerb;
Erstaufführung (DE): 29.06.2025, München, Filmfest - CineCoPro;
Kinostart (DE): 04.12.2025

Titel

  • Originaltitel (DE) Sentimental Value
  • Originaltitel (DK) Affeksjonsverdi
  • Originaltitel (FR) Valeur sentimentale

Fassungen

Original

Länge:
133 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 28.10.2025, 274253, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (FR): 21.05.2025, Cannes, IFF - Wettbewerb;
Erstaufführung (DE): 29.06.2025, München, Filmfest - CineCoPro;
Kinostart (DE): 04.12.2025

Auszeichnungen

Academy Awards 2026
  • Nominierung, Bestes Originaldrehbuch
  • Nominierung, Bester Film
  • Nominierung, Bester internationaler Film
  • Nominierung, Bester Schnitt
  • Nominierung, Beste Regie
  • Nominierung, Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle
  • Nominierung, Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle
  • Nominierung, Bester Schauspieler in einer Nebenrolle
European Film Awards 2026
  • European Film Award, Beste europäische Musik
  • European Film Award, Bestes europäisches Drehbuch
  • European Film Award, Bester europäischer Schauspieler
  • European Film Award, Beste europäische Schauspielerin
  • European Film Award, Beste europäische Regie
  • European Film Award, Bester europäischer Film
Golden Globes 2026
  • Nominierung, Bestes Drehbuch
  • Nominierung, Bester internationaler Film
  • Nominierung, Beste Regie
  • Nominierung, Beste Nebendarstellerin - Film
  • Golden Globe, Bester Nebendarsteller - Film
Hamptons International Film Festival 2025
  • Publikumspreis, Bester Spielfilm
Filmkunstmesse Leipzig 2025
  • Gilde-Filmpreis, Bester Film (international)
Filmfest München 2025
  • Audience Award, International
IFF Cannes 2025
  • Großer Preis der Jury, Wettbewerb