Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Sonstiges
Leipzig Potsdam

Biografie

Lothar Warneke wurde am 15. September 1936 in Leipzig geboren. Von 1954 bis 1959 absolvierte er ein Studium der Theologie in Leipzig, mit dem Berufsziel Pfarrer. Nach dem Staatsexamen wich er davon jedoch ab, und gab nicht nur seine Stellung als Vikar auf, sondern trat sogar aus der Kirche aus. Stattdessen arbeitete er in einer Baumwollspinnerei in Leipzig-Plagwitz (1959/60), bevor er 1960 ein Regie-Studium an der Hochschule für Filmkunst, Potsdam-Babelsberg, begann. Seinen Abschluss machte er 1964 mit einer Diplomarbeit zum Thema "Der dokumentarische Spielfilm".  

Beim DEFA-Studio für Spielfilme bekam Warneke eine Stelle als Regieassistent und arbeitete in dieser Funktion mit Regisseuren wie Joachim Kunert, Egon Günther und Kurt Maetzig zusammen. 1968 inszenierte er gemeinsam mit seinem einstigen Kommilitonen Roland Oehme die Kriminalgroteske "Mit mir nicht, Madam!", eine Verwechslungsgeschichte über einen DDR-Journalisten und einen französischen Couturier.

Warnekes erste komplett eigenständige Regiearbeit war "Dr. med. Sommer II" (DDR 1970), das Porträt eines jungen Arztes, der seine erste Stelle in einer Klinik antritt. Stilistisch knüpfte Warneke an den italienischen Neorealismus an und entwickelte die Theorie seiner Diplomarbeit vom "dokumentarischen Spielfilm" weiter: Ein Thema aus dem Leben in der DDR, erzählt in dokumentarisch wirkenden, oft an Originalschauplätzen gedrehten Szenen, in einer locker-episodischen Dramaturgie. Diesem Stil sollte Warneke bei fast allen seinen Filmen weitgehend treu bleiben.  

Auch sein zweiter Kinofilm "Es ist eine alte Geschichte" (DDR 1972) war im damals populären Arztfilm-Genre angesiedelt: eine konfliktreiche Liebesgeschichte unter Medizinstudenten; das Szenarium stammte von dem Medizin-Soziologen Dr. Hannes Hüttner. In "Leben mit Uwe" (1974) thematisierte Warneke am Beispiel eines Wissenschaftler-Ehepaares den alltäglichen Zwiespalt zwischen Ehe, Familie und Beruf – mit der abschließenden Erkenntnis: "Es gibt kein 'Entweder-Oder', sondern nur ein 'Sowohl-als-auch'." (Zitat Warneke). Neben der glaubwürdigen und präzisen Inszenierung der Konflikte wurde von der Kritik vor allem der Kunstgriff gelobt, das Filmehepaar mit den Schauspielern Cox Habbema und Eberhard Esche zu besetzen, die auch privat miteinander verheiratet waren. Sie spielten auch die Hauptrollen in Warnekes nächstem Film, "Die unverbesserliche Barbara" (DDR 1976), über eine extrem ehrgeizige Frau, deren Ehe unter anderem an ihren überhöhten Ansprüchen scheitert.

Als Kostüm- und Historienfilm bildete "Addio piccola mia" (DDR 1978) eine Ausnahme im Werk Lothar Warnekes. Nach einem Szenarium von Helga Schütz erzählte er darin die letzten drei Lebensjahre des Mediziners, Dramatikers und Revolutionärs Georg Büchner. Die Auseinandersetzung der Revolutionäre im Film ließen sich dabei auch als Anspielungen auf die Diskussionen in der Studentenbewegung der BRD lesen.  

In den folgenden Filmen Warnekes, der 1980 Vizepräsident des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR wurde, standen fast immer Frauen im Mittelpunkt: "Unser kurzes Leben" (DDR 1980), nach Brigitte Reimanns Romanfragment "Franziska Linkerhand", handelte von einer jungen Architektin (Simone Frost), die für ein Jahr in eine DDR-Provinzstadt zieht, um dort ihre Ziele im Berufs- wie im Privatleben zu verwirklichen. Eine Nebenrolle in diesem Film spielte Christine Schorn, mit der Warneke anschließend seinen bei Publikum und internationaler Kritik erfolgreichsten Film realisierte: "Die Beunruhigung" (DDR 1982) über eine 35-jährige, alleinerziehende Mutter, die auf das Ergebnis einer Krebsuntersuchung wartet und während dieses Tages eine Bilanz ihrer Lebenssituation zieht. Die Geschichte des Films entwickelte Warnecke gemeinsam mit der Schriftstellerin und Psychologin Helga Schubert. Nicht zuletzt wegen dem vielschichtigen Spiel Schorns, der Bildgestaltung des Dokumentar-Kameramannes Thomas Plenert und der treffend besetzten Nebenrollen (Hermann Beyer, Cox Habbema, Walfriede Schmitt) gilt "Die Beunruhigung" als einer der wichtigsten Gegenwartsfilme der DEFA. Er lief im Wettbewerb von Venedig und erhielt beim Nationalen Spielfilmfestival der DDR fünf Auszeichnungen, unter anderem in den Kategorien Regie und Drehbuch.

Auch in "Eine sonderbare Liebe" (DDR 1984) spielte Christine Schorn die Hauptrolle, diesmal als energische Küchenchefin, die aus Furcht vor Einsamkeit eine Vernunftbeziehung mit einem stillen und passiven Mann eingeht, die jedoch an den unterschiedlichen Lebensvorstellungen zu zerbrechen droht.

In "Blonder Tango" (DDR 1985) verband Warnecke Probleme von Migranten in der DDR mit einer internationalistischen Perspektive, indem er einen jungen Exilanten aus Chile in den Mittelpunkt stellte, der in der DDR zwar eine Arbeit, aber keine Heimat findet. Warneckes letzter DEFA-Film, "Einer trage des anderen Last" (DDR 1987), wurde zu einem der meistdiskutierten Filme der letzten DDR-Jahre. Die Geschichte behandelte das Verhältnis der Kommunisten zur Kirche, indem er einen marxistischen Volkspolizisten und einen evangelischen Vikar in einem Lungensanatorium aufeinandertreffen lässt – damals ein gewagtes Thema, da es bis zu diesem Zeitpunkt im DDR-Film kaum positive Darstellungen gläubiger Christen gab. Auf der Berlinale 1988 gewann "Einer trage des anderen Last" den Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost und erhielt eine Lobende Erwähnung beim Interfilm Preis.

Nach der Wende und dem Zusammenbruch der DDR bemühte Warneke sich, internationalen Produzenten den Standort Potsdam-Babelsberg nahe zu bringen. Er selbst konnte jedoch keine Kinospielfilme mehr realisieren. In dem Dokumentarfilm "Ich bin das achte Weltwunder" (1992) porträtierte er den skurrilen italienischen Künstler Marcello Cammi; in "Zwei Schicksale oder Eine kleine Königstragödie" (1993) ging es um seinen DEFA-Kollegen Richard Groschopp. Beide Filme kamen jedoch nicht in die Kinos und wurden auch im Fernsehen nicht ausgestrahlt.  

Für den ORB drehte Warneke eine Episode von "Das 7. Jahr - Ansichten zur Lage der Nation" (1997) und eine Folge der Doku-Reihe "Die Brandenburger" (1998). Vor allem aber lehrte er nach der Wende an seiner Alma Mater, der Hochschule für Film und Fernsehen 'Konrad Wolf' in Potsdam-Babelsberg.  

Lothar Warneke, der zusammen mit Roland Gräf, Rainer Simon und Herrmann Zschoche zu den wichtigsten Regisseuren seiner DEFA-Generation gehört, starb am 5. Juni 2005 in einem Krankenhaus in Potsdam.

FILMOGRAFIE

1987/1988
  • Regie
  • Drehbuch
1985/1986
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1983/1984
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1982/1983
  • Sonstiges
1981/1982
  • Regie
1980/1981
  • Regie
  • Drehbuch
1978-1980
  • Darsteller
1978-1980
  • Darsteller
1977/1978
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1976/1977
  • Darsteller
  • Regie
  • Szenarium
1973/1974
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Szenarium
1971/1972
  • Regie
  • Drehbuch
1970
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1965
  • Darsteller
  • Regie-Assistenz
1964/1965
  • Regie-Assistenz
1964/1965
  • Regie-Assistenz
1964/1965
  • Darsteller