Johannes Krisch

Darsteller
Wien, Österreich Wien, Österreich

Biografie

Johannes Krisch, geboren am 8. Dezember 1966 in Wien, ließ sich zunächst zum Tischler ausbilden, kam dann aber über den Bau eines Bühnenbilds für eine Theaterproduktion zur Schauspielerei und wurde bereits im Alter von 22 Jahren ans Ensemble des Wiener Burgtheaters berufen. Diesem gehörte er bis 2019 an. Im Lauf der Jahre avancierte er zu einem der renommiertesten Darsteller des Ensembles, stand in Stücken von Thomas Bernhard, Sergi Belbel und Franzobel auf der Bühne und arbeitete mit Regisseuren wie Jürgen Flimm, Claus Peymann, Paulus Manker und Leander Haußmann zusammen. Außerdem hatte Krisch Engagements bei den Salzburger Festspielen, am Landestheater Liechtenstein sowie am Theater in der Josefstadt, Wien. Im Jahr 2003 veröffentlichte Krisch mit seiner Band das Album "Mirrors", auf dem er Lieder von Lou Reed und The Velvet Underground interpretierte.

Neben seiner Theaterarbeit war Krisch seit Ende der 1990er Jahre immer wieder auch in Fernseh- und (gelegentlich) Kinorollen zu sehen. Hier arbeitete er mehrfach mit den Regisseuren Reinhard Schwabenitzky ("Zwei Väter einer Tochter", 2003; "Gefühl ist alles", 2005) und Martin Kusej ("Höllenangst", 2007) zusammen. Große Beachtung als Filmschauspieler fand Krisch mit seiner Hauptrolle in Götz Spielmanns "Revanche" (AT 2008): In dem mehrfach preisgekrönten und für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominierten Drama verkörperte er einen Bankräuber, der sich an dem Polizisten rächen will, den er für den Tod seiner Freundin verantwortlich macht.

Danach sah man ihn in Nebenrollen mehrerer Fernsehspiele, so etwa als arbeitslosen Ehemann einer untreuen Frau in Urs Eggers Krimikomödie "Böses Erwachsen" (D/AT, 2009). 2010 spielte Krisch die Rolle des Dezernatsleiters Paul Schremser in Peter Patzaks Kinokomödie "Kottan ermittelt: Rien ne va plus" (AT), nach der gleichnamigen Kultserie. Im selben Jahr hatte er in dem Drama "Vielleicht in einem anderen Leben" (AT/HU/D, 2010) eine zentrale Rolle als Bauer, in dessen Scheune die SS im Frühjahr 1945 eine Gruppe von Juden einsperrt. In "Die Vaterlosen" (AT, 2011) spielte er den einstigen Gründer einer Hippiekommune in der österreichischen Provinz. Für seine Leistungen in diesen drei Filmen wurde Krisch beim Grazer Filmfestival Diagonale 2011 mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet.

Ebenfalls 2011 gehörte er als brutaler Zuhälter zum Ensemble von Fernando Meirelles' Episodenfilm "360" (UK/AT/F/BR). Neben weiteren Rollen in Fernsehspielen spielte Krisch 2012 die Nebenrolle eines Mediamarktverkäufers in der vielgelobten, achtteiligen österreichischen Provinzsatire "Braunschlag". Kinorollen hatte er als Einsiedler in der surrealen Satire "Finsterworld" sowie als Ehemann einer Frau (Maria Schrader), die an massivem Gedächtnisverlust leidet, in Jan Schomburgs Drama "Vergiss mein Ich" (2014). In Giulio Ricciarellis "Im Labyrinth des Schweigens" (2014) über die Vorgeschichte des ersten Auschwitz-Prozesses spielte er eine Nebenrolle als Zeuge.

Nach weiteren Fernsehrollen verkörperte er in Elisabeth Scharangs Kinoproduktion "Jack" (AT, 2015) den berüchtigten Serienmörder Jack Unterweger und wurde für seine facettenreiche Darstellung mit dem Österreichischen Filmpreis 2016 ausgezeichnet. Nebenrollen hatte er in Sven Taddickens "Gleißendes Glück" (2016), Gore Verbinskis US-deutscher Koproduktion "A Cure for Wellness" (2017) und Fatih Akins mit dem Golden Globe ausgezeichnetem politischem Rachethriller "Aus dem Nichts" (2017) mit Diane Kruger, in dem er den gewieften Verteidiger eines Neonazis spielte.

2017 wurde Johannes Krisch der Große Schauspielpreis der Diagonale für Verdienste um die österreichische Filmkultur verliehen. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Kammerschauspieler zuerkannt.

In Nikolaus Leytners Literaturverfilmung "Der Trafikant" (2018) verkörperte Krisch den titelgebenden kriegsversehrten Tabakhändler; eine kleine Rolle hatte er in Terrence Malicks "Ein verborgenes Leben" (US/DE 2019).

Seine letzten großen Kinorollen waren 2021 in Adrian Goigingers "Märzengrund" (DE/AT) ein alternder Einsiedler in den Bergen, der durch Krankheit gezwungen ist, in die Zivilisation zurückzukehren, und 2023 in Elisabeth Scharangs "Wald" (AT) ein Jugendfreund der weiblichen Hauptfigur.

Johannes Krisch, der fünf Kinder hatte und mit der Schauspielerin Larissa Fuchs verheiratet war, starb nach längerer Krankheit am 27. Juli 2026 in Wien.

FILMOGRAFIE

2020/2021
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