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Alle Fotos (7)Biografie
Adolf Winkelmann, geboren am 10. April 1946 in Hallenberg/Westfalen, wuchs in Dortmund auf. Schon früh begann er, sich für Fotografie zu interessieren, und drehte ab 1960 erste 8mm-Filme. Nach dem Abitur studierte er von 1965 bis 1968 an der Werkkunstschule Kassel. Ab 1967, noch während des Studiums, realisierte er eigene Experimentalfilme und nahm, ebenfalls 1967, an der Internationalen Jugendbiennale für Fotografie in Paris teil. Im Winter 1967/68 wurde Winkelmann zum Experimentalfilmfestival in Knokke (Belgien) eingeladen.
1969 schloss Winkelmann sich einem Produktionskollektiv an, zu dem auch sein Bruder Wilhelm, ebenfalls Filmemacher, Gerhard und Gisela Büttenbender, deren Zwillingsschwester Jutta Schmidt (geb. 1949) sowie Hartmut und Ulrike Grün angehörten. Mit Jutta Schmidt war Winkelmann kurzzeitig verheiratet. 1973 schied er aus dem Kollektiv aus.
Anfang der 1970er Jahre begann Winkelmann, verstärkt für das Fernsehen zu arbeiten. Hier realisierte er eigenwillige Fernsehspiele wie den mit Laiendarstellern besetzten Zweiteiler "Schlechte Karten" über arbeitslose Lehrlinge, die aus Mangel an Perspektiven in die kriminelle Szene abrutschen. 1978 gelang ihm mit seinem Kinodebüt "Die Abfahrer" der große Durchbruch: Die tragikomische Ruhrpott-Milieustudie über drei junge, arbeitslose Freunde aus Dortmund erntete hervorragende Kritiken und wurde mit dem Deutschen Filmpreis in Silber ausgezeichnet. Mit dem sehr erfolgreichen "Jede Menge Kohle" (1981; ein weiterer Filmpreis in Silber) setzte Winkelmann seine "Ruhrpott-Trilogie" fort, die er 1992 mit dem hoch gelobten Fußballfilm "Nordkurve" abschloss. Renate Krößner wurde für ihre Rolle darin mit dem Deutschen Filmpreis als Beste Darstellerin ausgezeichnet, Winkelmann für die Beste Regie und den Besten Schnitt.
Nach dem weniger populären "Super" (1984), in dem Rockstar Udo Lindenberg eine Hauptrolle spielte, versuchte Winkelmann sich bei der comichaften, überdrehten Actionkomödie "Peng! Du bist tot!" an einem vermeintlich klassischen Publikumsfilm – sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum mit eher mäßiger Resonanz. Mit dem zweiteiligen TV-Thriller "Der Leibwächter" mit Franz Xaver Kroetz als Undercover-Agent, der gegen den internationalen Drogenhandel vorgeht, konnte Winkelmann dann wieder einen Erfolg verbuchen: Für seine Regieleistung wurde er mit dem Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet.
Auf "Nordkurve" folgte mit der TV-Produktion "Gefährliche Spiele" ein klassischer Action-Thriller. Der aufwändig produzierte, an internationalen Drehorten realisierte Film mit Gudrun Landgrebe in der Hauptrolle wurde ebenso ein Erfolg wie der an Originalschauplätzen in Moskau gedrehte TV-Mafia-Thriller "Der letzte Kurier" mit Sissi Perlinger, der mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde. Aus der Begründung der Jury: "Der Regisseur verwandelt in dem großangelegten Zweiteiler die gängigen Klischees in gleichzeitig vertraute als auch fremde Szenen, er lässt die allüberall präsenten Stereotypen in Bilder voll geheimnisvoller Qualität übergehen. Er öffnet sogartige Räume und schafft intensive Stimmungen, er malt Bilder und erfindet Figuren, die eine Aura entfalten".
Nach der wenig beachteten Guildo-Horn-Komödie "Waschen, schneiden, legen" realisierte Winkelmann das virtuelle Film-Panorama "Deutschland.Pict" für den medialen Garten des deutschen Pavillons der EXPO 2000, das von Beobachtern als eines der Highlights der Weltausstellung bezeichnet wurde. In der Installation präsentierte Winkelmann auf 400 qm Bildfläche ein ganz persönliches Deutschland-Porträt: Ein stillgelegtes Hüttenwerk in Duisburg, das Jüdische Museum in Berlin, die Bibliothek der Herzogin Anna Amalia in Weimar, Marlene Dietrich als "Blauer Engel" und den Containerhafen in Hamburg ließ Winkelmann zu den Klängen einer Musikcollage über kreisförmig angeordnete Großleinwände und Bildschirme laufen.
Sein nächstes Projekt mit dem Titel "Deutschlandfilm", ein "nichtnarrativer Bilderfilm", für den Winkelmann auf seiner Homepage Vorschläge und Anregungen für Bilder, Situationen und Ereignisse suchte und das 2002 in die Kinos kommen sollte, wurde nicht fertiggestellt.
Für großes Aufsehen sorgte Winkelmann 2008 mit dem TV-Drama "Contergan". Der Zweiteiler, der sich mit einem der größten Medizinskandale der bundesdeutschen Geschichte befasst, konnte erst nach einer Vielzahl juristischer Querelen ausgestrahlt werden – und wurde dabei von überaus positiven Kritiken begleitet und mehrfach preisgekrönt, darunter mit dem Deutschen Fernsehpreis für den Besten Fernsehfilm/Mehrteiler.
Danach dauerte es neun Jahre, bis Winkelmann einen neuen Film vorstellte: Die Kinoproduktion "Junges Licht" (Start: Mai 2016) spielt im Ruhrgebiet des Jahres 1961 und schildert das alltägliche Leben einer Bergarbeiterfamilie aus der Perspektive des 12-jährigen Sohnes.
Mitte März 2021 wurden Werkzeuge Winkelmanns (u.a. Kamera, Stativ, Film, Filmdose, Plakat) seines ersten Experimentalfilms "Adolf Winkelmann 9.12.67 11.54h" in einer eigenen Vitrine in der Ausstellung "Immer ich. Faszination Selfie“ in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Leipzig gezeigt. Kurz darauf erschien sein Buch "Die Bilder, der Boschmann und ich", eine Art Memoiren, in Form eines -fiktiven- Gesprächs zwischen ihm und seinem Verleger Boschmann.
Neben seiner Tätigkeit als Filmemacher ist Adolf Winkelmann seit 1979 Professor für Film an der Fachhochschule für Kunst und Design in Dortmund.