Günter Reisch

Günter Reisch

Weitere Namen: Günter Julius Hermann Reisch (Geburtsname)
Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Sonstiges
*24.11.1927 Berlin; †25.02.2014 Berlin

Biografie

Günter Reisch, geboren am 24. November 1927 in Berlin als Sohn eines Bäckermeisters, wuchs nach dem Tod des Vaters in Potsdam auf. Er wurde kurz vor Kriegsende eingezogen und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg machte er sein Abitur und nahm anschließend Schauspielunterricht, worauf 1947 seine Aufnahme ins Nachwuchsstudio der DEFA folgte. Ab 1948 war Reisch Regie-Assistent bei der DEFA und arbeitete mit Gerhard Lamprecht, Georg Wildhagen, Martin Hellberg sowie acht Jahre lang mit Kurt Maetzig zusammen, darunter auch bei "Ernst Thälmann".

1955 wurde er selbst Regisseur beim DEFA-Studio für Spielfilme und drehte sein Debüt, die Komödie "Junges Gemüse" (1956). Es folgten zahlreiche weitere Komödien, in denen er ironisch die menschlichen Unzulänglichkeiten und kleinbürgerlichen Haltungen thematisierte, die er im DDR-Alltag vorfand. Er arbeitete auch mehrfach Elemente des Musicals ein, so bei der Kriminalsatire "Der Dieb von San Marengo" (1963) und der Adaption von Kleists "Der zerbrochene Krug", "Jungfer, sie gefällt mir" (1968).

In "Ach, du fröhliche…" (1962) beleuchtete er die Probleme eines Direktors, der strenge Vorstellungen von sozialistischer Moral hat, mit der Lebensweise seiner Kinder und Nachbarn – und nahm 25 Jahre später Thema und Personen in "Wie die Alten sungen…" erneut auf. Mit "Ein Lord am Alexanderplatz" (1967) und "Nelken in Aspik" (1976) schuf er wiederum Satiren auf typisch kleinbürgerliches Verhalten. Als besonders gelungen und eine der wichtigsten Komödien der DEFA gilt "Anton, der Zauberer" (1977) mit der differenzierten Schilderung eines geschickten Automechanikers, der bei zahllosen krummen Geschäften noch mehr Talent beweist.

1958 inszenierte Reisch gemeinsam mit Kurt Maetzig "Das Lied der Matrosen" über den Matrosenaufstand 1918 in Kiel. Wichtige Ereignisse der Arbeiterbewegung thematisierte er danach immer wieder und zunehmend ausgewogener, beispielsweise in seinen beiden Filmen über Karl Liebknecht, "Solange Leben in mir ist" (1965) und "Trotz alledem!" (1971). Die Co-Produktion mit dem Mosfilm-Studio "Unterwegs zu Lenin" (1970), erhält in Karlovy Vary den Spezialpreis der Jury. In "Wolz – Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten" (1973) vermittelt er ein differenziertes Bild der Kämpfe in der Weimarer Republik. Mit dem Fernseh-Fünfteiler "Gewissen im Aufruhr" (1961; Regie mit Hans-Joachim Kasprzik) über einen Offizier der Wehrmacht, der seinen blinden Gehorsam aufgibt und seinem Gewissen folgt, erregte er ebenso Aufsehen wie mit dem mehrfach ausgezeichneten Film "Die Verlobte" (1980) über eine klassenbewußte Kommunistin und ihren Leidensweg im Dritten Reich. Da Reisch während der Dreharbeiten schwer erkrankte, wurde der Film von Günther Rücker beendet.

1967 bis 1988 war Günter Reisch Vizepräsident des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Nach der Wende war er an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg als Mentor für den künstlerischen Nachwuchs tätig und lehrte auch an zahlreichen anderen Hochschulen. Er war Mitglied der Akademie der Künste und der Deutschen Filmakademie.

Günter Reisch starb am 24. Februar 2014 in Berlin im Alter von 86 Jahren.

Filmografie

2006/2007 Der rote Elvis
Mitwirkung
 
2004/2005 Mozartbrot - ein zu kurzes Märchen
Dramaturgie
 
1994-1996 Land am Rand
Beratung
 
1991/1992 Stilles Land
Künstlerische Oberleitung
 
1991-1993 Der olympische Sommer
Beratung
 
1989 Zimbabwe - Dreams of the future
Regie
 
1986/1987 Wie die Alten sungen...
Darsteller, Regie, Drehbuch, Szenarium
 
1979/1980 Die Verlobte
Regie, Drehbuch, Szenarium
 
1977/1978 Anton der Zauberer
Darsteller, Regie, Drehbuch
 
1977/1978 Addio, piccola mia
Darsteller
 
1975/1976 Nelken in Aspik
Darsteller, Regie, Drehbuch, Szenarium
 
1973/1974 Wolz. Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten
Regie
 
1971/1972 Trotz alledem!
Regie
 
1969/1970 Unterwegs zu Lenin
Regie, Drehbuch-Mitarbeit
 
1968 Jungfer, Sie gefällt mir
Regie, Drehbuch
 
1966/1967 Ein Lord am Alexanderplatz
Regie, Drehbuch
 
1964/1965 Solange Leben in mir ist
Regie, Drehbuch
 
1962/1963 Der Dieb von San Marengo
Regie, Drehbuch
 
1961/1962 Ach, du fröhliche...
Regie
 
1961 Gewissen in Aufruhr
Regie, Drehbuch
 
1960 Silvesterpunsch
Regie
 
1959/1960 Der schweigende Stern
Drehbuch
 
1959 Maibowle
Regie, Drehbuch
 
1959 Der Augenzeuge [Jg. 1959 / B Nr. 042]
Mitwirkung
 
1958 Das Lied der Matrosen
Regie
 
1957 Spur in die Nacht
Regie, Drehbuch
 
1955/1956 Junges Gemüse
Regie
 
1954/1955 Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse
Regie-Assistenz
 
1953/1954 Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse
Regie-Assistenz
 
1951/1952 Freundschaft siegt
Regie
 
1951/1952 Roman einer jungen Ehe
Regie-Assistenz
 
1950 Familie Benthin
Regie-Assistenz
 
1950 Immer bereit
Regie-Assistenz
 
1949/1950 Der Rat der Götter
Regie-Assistenz
 
1948/1949 Quartett zu fünft
Regie-Assistenz
 

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