Gerhard Lamprecht
Biografie
Gerhard Lamprecht
Der Sohn eines Gefängnispfarrers arbeitet neben dem Besuch des Sophien-Gymnasiums bereits 1909/10 als Kino-Vorführer, konstruiert 1911 er einen Film-Schaltmechanismus, sammelt Filme und Film-Programme. 1916 Immatrikulation der Universität Berlin in den Fächern Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte; Schauspielunterricht bei Paul Bildt, im selben Jahr Debüt als Theaterschauspieler. Lamprecht, der bereits 1914 sein erstes Filmmanuskript an die Eiko verkauft hat, soll 1917 als Dramaturg zur Messter-Film, wird allerdings zum Militär einberufen, 1918 verwundet schreibt er im Lazarett Filmskripte.
Sein – von Lupu Pick in Auftrag gegebenes – Drehbuch zu "Der Weltspiegel" wird erfolgreich verfilmt. Unter dem Pseudonym "Pilar" verfaßt er mit Pick weitere Drehbücher. 1919 wird er Chefdramaturg in Picks Rex-Film, deren Bernd Aldor-Filme er entwirft. Er übernimmt auch den Schnitt, arbeitet in der Kopieranstalt. Gelegentlich Auftritte auf der Bühne und im Film.
1920 Regie-Debüt mit "Er bleibt in der Familie" bei der Gesellschaft Paul Heidemanns, für die er zuvor schon Manuskripte geschrieben hat. Als jüngster deutscher Filmregisseur realisiert er die Lustspiele "Pfropf und Wumpfenschrumpfer" und "Erfolg verblüffend!" Die 1921 schnell abgedrehte Serie "Frauenbeichten" ("Die Beichte einer Mutter", "Die Beichte der Ausgestoßenen", "Die Beichte der Krankenschwester") mit Ruth Weyer wird ein kommerzieller Erfolg.
In der Thomas Mann-Verfilmung "Die Buddenbrooks" (1923) werden Lamprechts Stärken deutlich: genaue Milieuschilderung, realistische Wiedergabe des Alltags, Verknüpfung von Personen und Umwelt. 1925 inszeniert er, beraten von Heinrich Zille, "Die Verrufenen", der eine Flut "Milljöh-Filme" auslöst.
Im selben Jahr gründet er die Gerhard Lamprecht-Filmproduktion; Teilhaber sind der Produzent Franz Vogel und die Autorin Luise Heilborn-Körbitz, mit der Lamprecht wiederholt zusammenarbeitet. Zum festen Mitarbeiterstab gehören u.a. der Kameramann Karl Hasselmann, der Architekt Otto Moldenhauer und der Komponist Giuseppe Becce. An den Erfolg von "Die Verrufenen" anknüpfend, entstehen die Filme "Menschen untereinander", die Geschichte eines Mietshauses, und "Die Unehelichen", der auf Aktenmaterial des Vereins zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Mißhandlung basiert.
Als die Mode der "Zille-Filme" floriert, wendet sich Lamprecht dem Melodram und "Preußenfilm" zu ("Der Katzensteg"; "Der alte Fritz", 2 Teile; "Der schwarze Husar"; "Der höhere Befehl"; "Die Geliebte"), die er zwar frei von nationalistischen Tönen hält, politisch aber indifferent bleibt. Sein international erfolgreichster Film, "Emil und die Detektive", entsteht 1931 nach dem Roman von Erich Kästner und einem Drehbuch von Billy Wilder.
Nach 1933 inszeniert er handwerklich sauber, aber ohne größere Ambition Filme in deutscher und französischer Version für den internationalen Markt, Literaturverfilmungen ("Madame Bovary"; "Der Spieler"), Kriminal- und Musikfilme, vor allem im Arbeitermilieu angesiedelte Melodramen ("Frau im Strom"; "Du gehörst zu mir").
Propagandistische Stoffe versucht er zu meiden, selbst wenn – wie bei Diesel – die Vorlage deutlich heroisierend angelegt ist. 1946 gelingt Lamprecht bei der DEFA mit "Irgendwo in Berlin", in dem er deutlich an "Emil und die Detektive" anknüpft, noch einmal ein künstlerischer Erfolg. Seine folgenden Unterhaltungsfilme – darunter der Zweiteiler "Meines Vaters Pferde" – bleiben Routinearbeiten.
Ab 1955 ist Lamprecht vor allem filmhistorisch tätig. Seine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Skripts, Partituren, Programmen, Set-Modellen, Dekor-Entwürfen, Vorführgeräten sowie Filmen verkauft er 1962 an den berliner Senat. Die Sammlung bildet mit der Sammlung Albert Fidelius den Grundstock der Deutschen Kinemathek e.V., die er bis 1966 leitet. Im folgenden Jahr erhält er ein Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.
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