Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch
Hechingen Berlin (Ost)

Biografie

Konrad Wolf wurde am 20. Oktober 1925 als Sohn des Arztes und Dramatikers Friedrich Wolf und seiner zweiten Frau Else in Hechingen bei Tübingen geboren. Im Jahr 1927 zog die Familie nach Stuttgart, wo Wolf Mitglied der kommunistischen Jungpioniere wurde. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten ging die Familie Wolf über Frankreich und die Schweiz ins Exil in die Sowjetunion. Sie lebten dort ab März 1934 bei Peredelkino und in Moskau, wo Konrad Wolf und sein Bruder Markus zunächst die deutsche Karl-Liebknecht-Schule besuchten. Die Familie erhielt 1936 die sowjetische Staatsbürgerschaft und Wolf wurde Mitglied der sowjetischen Jungpioniere. Von 1937 bis 1941 besuchte er dann eine russische Mittelschule.

In diese Zeit fiel auch Wolfs erste Arbeit beim Film: Der Zehnjährige, der von seinem Vater bereits als Kleinkind in Stuttgart mit Film und Theater vertraut gemacht worden war, spielte in Gustav von Wangenheims "Bortsy" ("Kämpfer") 1936 ein Kind antifaschistischer Eltern. Als Dauergast in den Moskauer Kinos sah er zudem viele Filme, die den späteren Regisseur tief beeindruckten, etwa von Georgi und Sergey Vasilev, Leonid Trauberg und Grigori Kozintsev.

Nach dem Einmarsch deutscher Soldaten in die Sowjetunion und der Evakuierung der Familie nach Alma-Ata im Oktober 1941, beschloss Wolf im Winter 1942, sich freiwillig zur Roten Armee zu melden. Dort wurde er in der Politabteilung unter anderem als Dolmetscher eingesetzt. Später diente er als Leutnant der 47. Armee bei der Rückeroberung Warschaus und schließlich der Befreiung Berlins. Kurzzeitig übernahm er dort das Amt des Stadtkommandanten von Bernau, dessen Ehrenbürger er später wurde. Außerdem wurde Wolf für seine Kriegsleistungen mit dem Orden des Roten Sterns, fünf weiteren Tapferkeitsauszeichnungen und später mit dem Orden des Vaterländischen Krieges 1. Grades bedacht.

Nach Ende des Krieges blieb Wolf in Berlin und half als Korrespondent für die Lokalnachrichten beim Aufbau der Berliner Zeitung. 1946 war er als Kulturreferent der Sowjetischen Militäradministration Sachsen-Anhalts schließlich für die darstellende Kunst verantwortlich, engagierte sich so für den Wiederaufbau des kulturellen Lebens und beteiligte sich nicht zuletzt an der Gründung der DEFA. Bald darauf schied er als Oberleutnant aus der Roten Armee aus und begann als Mitarbeiter des "Haus der Kultur der Sowjetunion" zu arbeiten. Er bekleidete dieses Amt für zwei Jahre und entschloss sich dann 1949, nachdem er sein Abitur an der Abendschule gemacht hatte, für ein Regiestudium am Staatlichen Allunionsinstitut für Kinematografie (VGIK) in Moskau.

An der Filmhochschule wurde er unter anderen von Michail Romm und Oleksandr Dovchenko unterrichtet. Im Studium machte Wolf auch Bekanntschaft mit dem bulgarischen Autor Angel Wagenstein, mit dem er später bei seinen Filmen "Sterne" (1959), "Der kleine Prinz" (1966) sowie "Goya" (1971) zusammenarbeitete. Praktika während des Studiums brachten Wolf Erfahrung als Regie-Assistent ein, so zum Beispiel bei Joris Ivens ("Freundschaft siegt", 1952), Herbert Ballmann ("Blaue Wimpel im Sommerwind", 1952) und Kurt Maetzig ("Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse", 1954). 1955 erlangte er sein Diplom mit dem Abschlussfilm "Einmal ist keinmal", den er bei der DEFA drehte. Sein erstes Projekt "Der Weg in die Heimat" hatte er zuvor abgebrochen.

Im Anschluss an sein Studium begann Konrad Wolf seine Karriere beim DEFA-Studio für Spielfilme, bei dem er zum wichtigsten und weltweit bekanntesten DDR-Regisseur der 1960er und 70er Jahre wurde und für das er zahlreiche Preise gewann. Zu seinen festen Partnern zählten dabei neben Wagenstein insbesondere die Autoren Karl Georg Engel und Paul Wiens sowie, seit seinem autobiographisch gefärbten "Ich war neunzehn" (1967), Wolfgang Kohlhaase. Auch mit Kameramann Werner Bergmann sollte er bis auf wenige Ausnahmen fest zusammenarbeiten.

Kennzeichnend für Wolf war seit seinen frühen Filmen wie "Lissy" (1957), in dem er das Abrutschen Deutschlands in den Nationalsozialismus nachzeichnete, der kritische Realitätsbezug seiner Werke. In "Sterne", einer deutsch-bulgarischen Koproduktion, beschrieb Wolf denkwürdig die Beziehung eines deutschen Soldaten und einer gefangenen Jüdin im fortgeschrittenen Zweiten Weltkrieg, wofür er in Cannes und Karlsbad ausgezeichnet wurde. Nachdem er 1961 das bereits in den 1930er Jahren von seinem Vater verfasste Schauspiel "Prof. Mamlock" verfilmt hatte, schickte sich Konrad Wolf 1964 in "Der geteilte Himmel" an, seinen ersten großen zeitgenössischen Film zu drehen; ein Drama, in dem er sich sehr unvoreingenommen mit der Realität des geteilten Deutschlands auseinander setzte.

Dem oben erwähnten "Ich war neunzehn", der Wolfs Erfahrungen bei der Roten Armee verarbeitete, folgte 1971 "Goya" nach dem Roman Lion Feuchtwangers. In der Filmbiografie zeichnete er das Leben des spanischen Hofmalers nach, das unter ständiger Spannung zwischen Kunst, Macht und Gesellschaft steht. In "Der nackte Mann auf dem Sportplatz" (1974) stand dann die Kunst der Gegenwart im Mittelpunkt, genauer: das unterschiedliche Verständnis derselben, im Blick von Künstler und Betrachtern, dass Wolf hier satirisch inszenierte. Sehr großen Erfolg feierte in der DDR im Anschluss der Film "Mama, ich lebe" (1977), der erneut im Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist. Sein international wohl bekanntester, wiewohl auch letzter Film sollte 1980 schließlich jedoch "Solo Sunny" werden. Das Drama über die Sängerin Sunny, die mit ihrer Ostberliner Band von Auftritt zu Auftritt durch Kleinstädte zieht, auf der Suche nach ihrem Platz in der Lebensrealität der DDR, wurde auf der Berlinale mit dem Preis des internationalen Filmkritikerverbands ausgezeichnet. Der teils halbdokumentarische Film ließ deutlicher als bereits zuvor Wolfs durchaus auch kritische Haltung gegenüber der sozialistischen Wirklichkeit erkennen. Dass sein Bruder Markus seit 1958 Chef der DDR-Spionage war, wurde oft als Einfluss beschrieben, der diese Abweichungen von der SED-Kulturpolitik möglich machte.

Neben der praktischen Arbeit beim Film gehörte Wolf, der seit 1952 SED-Mitglied war, verschiedenen kulturpolitischen Organen der DDR an, war von 1955 bis 1959 Mitglied im Zentralrat der FDJ und engagierte sich ab Juni 1965 als Präsident der Akademie der Künste insbesondere als Mediator zwischen unterschiedlichen kulturellen Gruppierungen innerhalb der DDR, vertrat diese aber gleichzeitig auch nach außen. 1967 war er eines der Gründungsmitglieder des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR und gehörte zu dessen Vorstand. 1981 wurde er als Delegierter des zehnten Parteitages der SED zum Mitglied des Zentralkomitees gewählt. Im gleichen Jahr engagierte er sich beim 1. Berliner Treffen zur Friedensförderung für die Zusammenführung von Künstlern aus Ost und West.

Ebenfalls 1981 besuchte Konrad Wolf die Orte seiner Kindheit in Deutschland und bei Moskau in der Vorbereitung eines neuen Films. Diesen, wie auch das seit 1980 von ihm geleitete dokumentarische Filmprojekt "Busch singt" über Ernst Busch, konnte er jedoch nicht mehr fertig stellen. Der Regisseur, der nach zwei vorherigen Ehen, aus denen drei Kinder hervorgingen, zuletzt mit Inge-Lore Kindt zusammenlebte, starb am 7. März 1982 in Berlin an den Folgen einer Krebserkrankung mit nur 56 Jahren.

Konrad Wolf zu Ehren benannte die Akademie der Künste der DDR ihr Schrift- und Dokumentarchiv nach dem Regisseur, 1985 erhielt schließlich auch die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Potsdam-Babelsberg seinen Namen. Im gleichen Jahr entstand unter der künstlerischen Leitung seines langjährigen Mitarbeiters Wolfgang Kohlhaase der biografische Dokumentarfilm "Die Zeit die bleibt".

 

FILMOGRAFIE

1981/1982
  • Künstlerische Oberleitung
  • Idee
1981/1982
  • Künstlerische Oberleitung
  • Drehbuch
  • Idee
1981/1982
  • Künstlerische Oberleitung
  • Idee
1981/1982
  • Künstlerische Oberleitung
  • Idee
1981/1982
  • Künstlerische Oberleitung
  • Idee
1981/1982
  • Künstlerische Oberleitung
  • Idee
1978-1980
  • Regie
  • Drehbuch
1977/1978
  • Darsteller
1977
  • Darsteller
1976/1977
  • Regie
  • Drehbuch
1970/1971
  • Regie
  • Drehbuch
1967/1968
  • Regie
  • Drehbuch
1966/1972
  • Regie
1963/1964
  • Regie
  • Drehbuch
1960/1961
  • Regie
  • Drehbuch
1959/1960
  • Regie
1958/1959
  • Regie
1957/1958
  • Regie
1956/1957
  • Regie
  • Drehbuch
1955/1956
  • Regie
1954/1955
  • Regie
1951/1952
  • Assistenz-Regie