Inhalt
Komödie über fünf Männer, die mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee versuchen, ihre verfahrenen Lebenssituationen in den Griff zu bekommen: Der promovierte Geisteswissenschaftler Frank ist arbeitslos, der Polizist Gy hat Dauerstress mit seiner Krankenkasse, in Ollis Laden kauft kein Mensch ein, Giselher bekommt keinen Job, weil er "zu alt" ist, und Lasse, der jüngste im Bund, hat sowieso schon jede Zukunftshoffnung aufgegeben. Also gründet das Quintett unter dem Motto "Feinkost zum Anfassen" einen Escort-Service für "die anspruchsvolle Frau" – in der festen Überzeugung, damit eine lukrative Marktlücke zu schließen.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Obwohl für beinharte Recherchen bekannt, so lässt sich Frank die Schamhaare peelen, wird er eines Tages wegrationalisiert – die Anzeigenflaute hat auch die Hochglanzmedien erreicht. Weshalb er nun genug Zeit hat, seiner Freundin Sabine den Haushalt zu führen – und auf die Nerven zu gehen. Auf dem Arbeitsamt hat Frank eine Begegnung der besonderen Art: Eine Dame hat ihn mit einem Callboy verwechselt und 150 Euro für eine Liebesstunde geboten. Bar und steuerfrei. Schnelles Geld – meint Freund Olli...
„Reden wir vom Ficken oder vom kreativen Töpfern?“: Die Schapsidee mit dem Escort-Service wird durch äußeren Druck beschleunigt. Während Olli pleite ist und sein Feinkost-Laden kurz vor der Zwangsräumung steht, baggert Gy seine junge, hübsche Kollegin Daphne ausgerechnet bei einer Streifenfahrt im Dienstwagen an – für den Sachschaden in Höhe von 6.000 Euro kommt keine Versicherung auf. So schlagen die beiden Pleitiers dem inzwischen unfreiwilligen Hausmann Frank vor, dem neuen Unternehmen wenigstens sein Fachwissen zur Verfügung zu stellen, wenn er als treuer Ehegatte auch nicht selbst in Aktion treten will.
Dafür springen zwei Neue ein, die das Angebotsspektrum für potentielle Kundinnen erheblich erweitern: Lasse, der zwar aussieht wie der junge Antonio Banderas, aber noch ganz am Rockzipfel seiner Mutter Ulrike hängt, bei der er auch immer noch wohnt. Und Giselher, den Frank im Arbeitsamt kennengelernt hat. Der aus seinem stressigen Manager-Rhythmus ins Luftleere entlassene Fünfziger gibt sich so seriös wie charmant, hat allerdings auch keinen blassen Schimmer davon, was ihn erwartet – wenn er die Erwartungen der anderen nach „Full Service“ erfüllt.
Obwohl die „Deutsche Feinkost zum Anfassen“ im Internet sogar eine Orgasmus-Garantie offeriert, wofür sich das inzwischen um Frank, dessen Sabine fremdgegangen ist, komplettierte Quintett sogar im Fitness-Studio quälte, herrscht nachts in Ollis Laden tote Hose – kein Schwein ruft an. Erst als die „Sitte“ vom Nebenverdienst ihres Kollegen erfährt und dem Boulevard einen Tipp gibt, brummt das Geschäft. Die AZ-Schlagzeile „So schlecht steht es um Deutschland! Fünf deutsche Männer bieten sich zum Verkauf an“ lässt nicht nur das Telefon heißlaufen...
München leuchtet im Regiedebüt der großartigen, vielfach ausgezeichneten und 1974 in Heidelberg geborenen Drehbuchautorin Maggie Peren („Vergiss Amerika“, „Napola“, „Freche Mädchen“), nach dem Vorbild von Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ rund um den Hauptbahnhof der Isar-Metropole gedreht. Uraufgeführt zur Eröffnung des Filmfestes Oldenburg kommt „Stellungswechsel“ als ganz lustige, letztlich aber doch recht harmlose Callboy-Komödie daher, die wir schon viel abgefahrener gesehen haben („Ganz oder gar nicht“). Situationskomische Szenen (der kleine Frank beim Vertauschen der Hotelzimmer-Ziffern), Peter Kirschbaums flotte Schnitte und ein starkes Protagonisten-Ensemble, zu dem auch Nina Kronjäger gerechnet werden muss, stimmen versöhnlich mit dieser durchaus familientauglichen Komödie.
Pitt Herrmann