Liebe ist kälter als der Tod

BR Deutschland 1969 Spielfilm

Inhalt

Der kleine Zuhälter Franz (Rainer Werner Fassbinder) weigert sich, einem Verbrechersyndikat beizutreten. Das Syndikat gibt scheinbar nach, setzt aber den schönen Bruno (Ulli Lommel) auf ihn an. Franz liebt Bruno. Bruno, den die Polizei nicht kennt, begeht Morde, die Franz von der Polizei angelastet werden. Doch der Kommissar (Yaak Karsunke) hat keine Beweise gegen Franz. Schließlich planen Bruno und Franz gemeinsam einen Banküberfall. Joanna (Hanna Schygulla), die Freundin von Franz, verrät sie an die Polizei. Bruno hat einen Killer des Syndikats bestellt, der im Durcheinander des Überfalls Joanna erschießen soll. Alle Pläne scheitern. Bruno wird von der Polizei erschossen, Franz und Joanna aber können fliehen.

Nutzung mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Roth.

 

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Falk Schwarz
Vor weißen Wänden
Darf man sich in einem Film langweilen? Die weißen Wände, das überhelle Licht, das alles andere auszublenden scheint, die schweigenden Personen, die mechanisch zu agieren scheinen, die leeren Räume, die quälend langen Einstellungen. Wir schauen RWF beim Zeitungslesen zu. Plötzlich kommt einer, nimmt ihm die Zeitung weg, RWF steht auf, schlägt den Übeltäter zusammen. Dann erscheinen zwei Typen und heben den am Boden Liegenden auf. RWF setzt sich in seinen Sessel und liest seelenruhig weiter Zeitung, so, als wäre nichts gewesen. Geredet wird nicht. Es geht um ein Syndikat, in dem einer mittun soll, der sich aber weigert. Er wird gefoltert. Dem Film ist es egal, wie sich der Zuschauer den Sinn zusammenreimt. Hilfe kommt da keine. Alle rauchen ständig, jedesmal, bei jeder Tätigkeit, auch die faszinierende Hanna Schygulla kann nicht telefonieren, ohne sich dabei fast akrobatisch zu verrenken, um sich diese Zigarette anzuzünden. Alle langweilen sich, sind wortkarg, alle sind gewalttätig, es werden Waffen ausgewählt, junge Männer werden erschossen und sinken einfach aus dem Bild, warum und wieso bleibt im Dunkel. Und immer wieder weiße leere Wände, an denen die Kamera entlangstreicht und vor der die Schauspieler hin und her laufen. Ein Anti-Krimi, der die ganzen überkonstruierten Mordfilme ad absurdum führt. RWF setzt dem Zuschauer keine schale Fertigkost vor. Der Film ist Godard gewidmet ist, der auch vor weißen Wänden drehen liess. Aber was für ein Unterschied! RWF kann sich offenbar nicht entscheiden, ob er nun dilettantisch oder professionell arbeiten will, überlässt viel zu viel dem Zufall. So einen Anti-Krimi sieht man selten und trotz aller formaler und inhaltlicher Einwände stellt sich dann doch eine Faszination ein, die auch eine Provokation ist, aber noch lange nachwirkt und uns zeigt, dass es eben auch anders geht und ein Film nicht linear erzählt werden muss. Dass dieser Film kalt wie der Tod ist und Liebe nicht einmal andeutungsweise vorkommt (nur Sex), das ist überdies das wenig erbauliche Fazit.

Credits

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Kamera-Assistenz

Licht

Schnitt-Assistenz

Darsteller

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Produktions-Assistenz

Länge:
2411 m, 88 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 19.08.1969, 41133, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 26.06.1969, Berlin, IFF

Titel

  • Originaltitel (DE) Liebe ist kälter als der Tod
  • Titel bei Uraufführung Kälter als der Tod

Fassungen

Original

Länge:
2411 m, 88 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 19.08.1969, 41133, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 26.06.1969, Berlin, IFF

Auszeichnungen

Deutscher Filmpreis 1970
  • Filmband in Gold, Kameraführung
  • Filmband in Gold, Darstellerische Leistung, an das Ensemble des Antitheaters