Der Junge muss an die frische Luft

Deutschland 2017/2018 Spielfilm

Inhalt

Verfilmung der Autobiographie des Entertainers Hape Kerkeling. Die Geschichte beginnt im Ruhrpott des Jahres 1972: Hans-Peter ist neun Jahre alt und ein bisschen pummelig, strotzt aber vor Selbstvertrauen. Dies rührt nicht zuletzt aus seiner Begabung, andere Menschen zum Lachen zu bringen, ein Talent, das er bei jeder Gelegenheit trainiert – sei es im Krämerladen seiner Oma Änne, mit den Kunden als Publikum, oder bei den diversen Zusammenkünften seiner feierwütigen Verwandtschaft. Aber das idyllische Familienleben bekommt eine Schattenseite, als Hapes Mutter durch die Folgen einer chronischen Kieferhöhlenentzündung ihren Geruchs- und Geschmackssinn verliert und in eine tiefe Depression verfällt. Der Vater steht der psychischen Erkrankung seiner Frau rat- und hilflos gegenüber. Doch für Hans-Peter ist die Traurigkeit seiner Mutter ein umso größerer Ansporn für sein komödiantisches Treiben.

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Heinz17herne
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„Ich bin meine Mutter und mein Vater, meine Großeltern, mein Bruder, meine Tante Gertrud, Tante Lisbeth, Tante Hedwig, Onkel Kurt und Tante Veronika“, heißt es am Schluss des 300-seitigen autobiographischen Romans „Der Junge muss an die frische Luft“ von Hape Kerkeling. „Ich bin Frau Edelmund, Frau Rädeker und Frau Strecker und viele mehr. Jeder hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Und gleichzeitig bin ich auch Tante Lore und die Richtung, in die sie mich im Kinderwagen auf dem Feldweg schiebt. Ich bin die gescheckte Kuh auf der Weide, das gelbe Korn auf dem Feld und der rote Mohn am Wegesrand. Ich bin der schmale Trampelpfad und dessen Ende. Ich bin der wolkenlose Himmel. Ich bin wach.“

Am Ende des gleichnamigen, gerade im Wissen um die autobiographische Grundierung berührenden Spielfilms von Caroline Link blickt Hans-Peter „Hape“ Kerkeling selbst zurück auf die von seiner großen Familie bevölkerte idyllische Allee, das Klatschmohnfeld und die auf der Wiese grasenden Schwarzbunten. In den einhundert Minuten zuvor begeistert der neunjährige Julius Weckauf, ein Viertklässler vom Niederrhein, in seiner ersten Leinwandrolle als aufgeweckter, 1964 in Recklinghausen zur Welt gekommener Junge, den ein doppelter Verlust beinahe aus der Bahn geworfen hätte: erst stirbt seine geliebte Oma Anne und kurz danach seine depressive Mutter Margret.

Wie aus dem kleinen, blonden und pummeligen Hans-Peter Deutschlands bekanntester Komiker und Entertainer geworden ist? Mutter Margret singt am heimischen Herd ausgiebig Schlager, während Vater Heinz, „von eher ruhiger und stets heiterer Wesensart“, ständig Faxen macht. Er ist ein begnadeter Parodist und Spracherfinder, aber selten daheim: der auf luxuriöse Inneneinrichtungen spezialisierte Schreiner richtet in halb Europa Hotelbars und Nachtclubs ein. Weshalb sich Margret häufig alleingelassen fühlt – und trotzig immer wieder „Du bist nicht allein“ anstimmt. Hans-Peter sieht es als seine vornehmste Aufgabe an, seine Mutter mit Parodien und Sketchen aufzumuntern.

„Wenn du weißt, was du willst, dann mach es einfach. Und kümmere dich nicht, was die Leute sagen“: Die Rede ist natürlich von der resoluten Oma Anne Bönke, die in Herten-Scherlebeck mit ihrem Tante-Emma-Laden die ganze Schlägel-und-Eisen-Zechensiedlung versorgt, und nichts dabei findet, dass Hans-Peter beim Recklinghäuser Straßenkarneval als Prinzessin gehen will. Ihr genüsslich Zigarren rauchender Gatte Willi geht nie ohne Hut aus dem Haus – und steigt schon gar nicht obenrum nackt in Annes Auto, wenn beide Hans-Peter und seinen älteren Bruder Josef wieder zu einer Spritztour mit Übernachtung eingeladen haben. Wenig später führen Ausflüge nur noch in die nähere Umgebung, aber wesentlich gemütlicher - im Landauer. Denn Oma Anne hat ihren Enkeln Pferde gekauft und einen Stall angemietet, der bald als Ponderosa-Ranch im Mittelpunkt der munteren Kinderschar um die allseits akzeptierte Anführerin Silvia steht.

Hans-Peters Lieblingstante ist Lisbeth, älteste Schwester von Opa Willi. Die stets in Tracht gekleidete Nonne lüftet sogar ihre Haube, damit der neugierige Junge einmal ihr langes, üppiges Haar bewundern kann. Nach Oma Annes Tod zieht Josef zu Tante Gertrud und Lisbeth unterstützt die überforderte und inzwischen ernsthaft seelisch erkrankte Margret, bis sie von der inzwischen 72-jährigen Bertha in Recklinghausen abgelöst wird: „Oma Bertha ist, wie der Himmel es will, eine Großmutter wie aus dem Bilderbuch. Bedingungslos lieb, sanftmütig, herzensgut, eine sagenhafte Köchin, ernsthaft, still, trotzdem humorvoll, außerdem die Bescheidenheit in Person.“

„Der Sinn des Lebens ist ausgeschaltet“: Als seine Mutter bei einer Kieferhöhlen-Operation aufgrund eines ärztlichen Kunstfehlers, von dem Dr. Lessen freilich nichts wissen will, den Geruchs- und den Geschmackssinn verliert, kocht der 15-jährige Josef für die Familie und sein jüngerer Bruder ist so gefordert wie nie, die depressive Stimmung Margrets zu vertreiben. Mit Parodien von Roy Black bis Jürgen von Manger. „Eine Frau, die gern isst, ist was Schönes“ hat Vater Heinz einst zum Besten gegeben. Nun kaut seine Gattin nur noch Salat, das Grünzeug knackt dabei wenigstens. Zu Beginn der Sommerferien spricht Opa Willi ein Machtwort: „Hans-Peter muss hier raus, sonst wird er mir noch verrückt. Der Junge muss an die frische Luft!“ Zwei herrliche Wochen geht’s zum Bergwandern samt Lagerfeuer ins Salzburger Land.

Ein kurzes Atemholen vor der Horror-Nacht seines Lebens: Ohne es zu wissen verbringt Hans-Peter die Nacht im Ehebett neben seiner mit dem Tode ringenden Mutter. Sie hat mit Tabletten ihrem Leben ein Ende gemacht. Was freilich niemand erfahren darf, sonst hätte Margret von der allein selig machenden Kirche kein ordentliches Begräbnis bekommen: „Eine religiöse Organisation, die ein achtjähriges Kind, statt ihm bedingungslos und hilfreich zur Seite zu stehen, durch einen verwirrenden Regelkanon in einen unerträglichen Gewissenskonflikt treibt, hat ihre Daseinsberechtigung in meinen Augen verspielt. Dafür sollten sich die verantwortlichen Würdenträger jener Zeit einfach mal eine ganze lange Runde schämen.“

Nun ziehen Bertha und Hermann ganz in die Stadt. Sie fürchten als Mittsiebziger den Besuch vom Jugendamt, weshalb dieser sorgfältig vorbereitet und das Verhalten der Großeltern geprobt wird. Aber die nette Frau Höltermann kennt Hans-Peter seit der Schulaufführung „Hans Dampf in Röhlinghausen“ und hat keine Bedenken. Nach dem Trauerjahr soll Papa Heinz sein Witwerdasein aufgeben, meint Tante Hedwig. Oma Berthas Schwester hat daher nicht nur die Familie zur Einweihung ihres nagelneuen Farbfernsehers eingeladen, sondern mit Margit Kolossa auch eine attraktive Blondine…

Nach der Uraufführung am 18. Dezember 2018 in der Essener Lichtburg, standesgemäß mit viel Prominenz auf dem Roten Teppich inmitten des City-Adventsmarktes, strahlt Sat 1 die hochkarätig besetzte, zu Herzen gehende Geschichte außem Pott am 3. Oktober 2021 als Free-TV-Premiere aus.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Musik

Darsteller

Produktionsfirma

Alle Credits

Continuity

Drehbuch

Vorlage

Kamera-Bühne

Szenenbild

Kostüme

Ton-Design

Musik

Darsteller

Produktionsfirma

Producer

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 11.07.2017 - 15.09.2017: Berlin, Ruhrgebiet, Bayern
Länge:
100 min
Format:
DCP, 1:2,35 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.11.2018, 184489, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 25.12.2018

Titel

  • Originaltitel (DE) Der Junge muss an die frische Luft
  • Titelübersetzung (EN) That Boy Needs Fresh Air
  • Weiterer Titel (US) All About Me

Fassungen

Original

Länge:
100 min
Format:
DCP, 1:2,35 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.11.2018, 184489, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 25.12.2018

Auszeichnungen

Hessischer Film- und Kinopreis 2019
  • Sonderpreis
Deutscher Comedypreis 2019
  • Deutscher Comedypreis, Beste Kinokomödie
Deutscher Schauspielpreis 2019
  • Deutscher Schauspielpreis, Schauspielerin in einer komödiantischen Rolle
Deutscher Filmpreis 2019
  • Lola, Beste weibliche Nebenrolle
Bayerischer Filmpreis 2019
  • Beste Regie
FBW 2018
  • Prädikat: besonders wertvoll