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Angst essen Seele auf

BR Deutschland 1973/1974 Spielfilm

Inhalt

In einer Ausländerkneipe, in die sie vor dem Regen geflohen ist, lernt die etwa 60-jährige Witwe Emmi Kurowski (Brigitte Mira), die als Putzfrau arbeitet, einen mindestens 20 Jahre jüngeren Marokkaner kennen: Ali (El Hedi Ben Salem). Ali tanzt mit Emmi, sie reden miteinander, er begleitet sie nach Hause. Er zieht zu Emmi. Schließlich heiraten sie. Für die Umwelt ist diese Eheschließung unverständlich.

Die drei verheirateten Kinder Emmis schämen sich ihrer Mutter, die Nachbarn tuscheln, der Kolonialwarenhändler (Walter Sedlmayr) weist Emmi aus dem Laden. Auch Emmis Arbeitskolleginnen verachten sie.

Als Ali und Emmi von einem Urlaub zurückkehren, werden sie von einer plötzlichen Freundlichkeit der Kinder, Nachbarn und Kolleginnen überrascht. Die Wandlung entspringt indes vor allem geschäftlichem Kalkül. Alle nützen Emmi nun aus. Als der äußere Druck auf Emmi und Ali nachlässt, werden die inneren Probleme des Paares deutlicher. Ali besucht wieder – wenn auch schlechten Gewissens – die Kneipenwirtin Barbara (Barbara Valentin). Als Emmi, die gekommen ist, Ali zurückzuholen, in der Ausländerkneipe wieder mit ihm tanzt (wie zu Beginn des Films), bricht er zusammen.

Im Krankenhaus wird ein Magengeschwür festgestellt wie es bei Gastarbeitern, so der Arzt, wegen des Stresses, in dem sie stehen, üblich sei. Auch wenn er jetzt gesund wird, in einem halben Jahr läge er wieder da. Emmi will versuchen, dies zu verhindern.

Nutzung mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Roth.

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Wiederaufführung
Großes Kino über die Kleingeistigkeit
Ohne Schnörkel erzählt, facettenreich und kompromisslos in der Figurenzeichnung. Rainer Werner Fassbinder zeigt ein präzises Gespür für Milieu und Atmosphäre. Die Kamera gleitet durch Kneipen und Hausflure, das Licht ist manchmal brutal trist und dann wieder überraschend sinnlich.
Und aus heutiger Sicht bleibt die schreckliche Gewissheit, dass diese Geschichte über die Angst vor dem Fremden noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.
Falk Schwarz
Das fragile private Glück
Ein Film, der uns da abholt, wo unsere Vorurteile sitzen. Eine ältere Frau (Brigitte Mira) lässt sich mit einem deutlich jüngeren Marokkaner ein. Sie heiratet ihn. Ihre Umwelt ist empört, ihre Kinder wenden sich von ihr ab, die Nachbarn schneiden sie. Sie ist mutig und steht es durch. Diese einfache Frau, die ihr Leben lang Putzfrau war, führt uns ohne alle Allüren vor, mit welcher Zutraulichkeit und Liebe sie noch ein wenig aus dem Leben herausholt. Sie setzt sich über alle Widerstände hinweg. Widerstände, die auch wir Zuschauer (leider) spüren. Fassbinders Art, seine Filme bewegungsarm, fast statisch anzulegen, verfehlt seine Wirkung nicht. Sie intensiviert sie. Fassbinder drängt uns seine Sicht der Welt nicht auf, sie entsteht durch die Bilder des Films in uns. Er führt uns in schäbige Kneipen, in abgewohnte Zimmer, in primitive Küchen, die wir sonst vermutlich nie betreten hätten. Der Film schafft es durch den lakonischen Erzählstil, dass diese anfängliche Skepsis in Achtung und Verständnis umschlägt für zwei Menschen, die ein bisschen Glück suchen. Die Niedertracht, die ihnen dabei begegnet, bringt der Gemüsehändler Angermayer (Walter Sedlmayr) perfide auf den Punkt: mit „so einer“, die sich mit einem Marokkaner einläßt, will er nichts mehr zu tun haben. Das lässt Fassbinder unkommentiert stehen. Dabei dreht Dietrich Lohmeyer kluge, kühle Bilder, ohne Kamerakunststücke (man könnte auch sagen: er gestaltet nicht, aber wie immer bei Fassbinder ist auch das gewollt). Auch wenn dieses Melodram sich am Ende noch einmal dreht und Ali sich einer anderen Frau zuwendet und damit die Fragilität von Beziehungen deutlich wird, so bleibt doch von diesem Film ein Gefühl von Bescheidenheit zurück, einer von innen getragenen Schlichtheit, die vor allem durch die Person von Brigitte Mira lebendig wird. Hier sind zwei, die am Rande unserer Gesellschaft leben, und versuchen, ihr privates Glück zu finden. Es sind die Zwischentöne, die diesen Film unvergeßlich machen.

Credits

Schnitt

Darsteller

Produktionsfirma

Alle Credits

Regie-Assistenz

Kamera-Assistenz

Standfotos

Maske

Schnitt

Darsteller

Produktionsfirma

Aufnahmeleitung

Dreharbeiten

    • September 1973: München
Länge:
2539 m, 93 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 07.11.1973, 46094, ab 12 Jahre / feiertagsfrei;
FSK-Prüfung (DE): 26.05.2014, 46094-a/K, ab 12 Jahre/feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 05.03.1974, München, Filmtheater am Lenbachplatz, Cinemonde

Titel

  • Originaltitel (DE) Angst essen Seele auf
  • Arbeitstitel Alle Türken heißen Ali

Fassungen

Original

Länge:
2539 m, 93 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 07.11.1973, 46094, ab 12 Jahre / feiertagsfrei;
FSK-Prüfung (DE): 26.05.2014, 46094-a/K, ab 12 Jahre/feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 05.03.1974, München, Filmtheater am Lenbachplatz, Cinemonde

Auszeichnungen

Deutscher Filmpreis 1974
  • Filmband in Gold, Beste Darstellerin
IFF Cannes 1974
  • Preis der ökumenischen Jury
  • FIPRESCI-Preis