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Verfilmung des Kinderbuchs von Otfried Preußler: Seit Jahrhunderten lebt auf Burg Eulenstein ein kleines Gespenst. Nacht für Nacht kommt es aus seinem Versteck hervor und streift durch das Gemäuer. Sein größter Traum ist es jedoch, einmal das Tageslicht zu erblicken, von dem es schon so viel gehört hat. Eines Nachts trifft es durch einen Zufall den Schüler Karl, der mit seiner Klasse auf Nachtwanderung in der Burg unterwegs ist. Doch keiner glaubt dem Jungen, dass er tatsächlich ein Gespenst gesehen hat. Am nächsten Tag wacht das kleine Gespenst ganz unerwartet schon am Mittag auf, wagt sich aus seinem Versteck ins Helle – und wird vom Sonnenlicht pechschwarz. Als "der schwarze Unbekannte" spukt es fortan bei Tag und versetzt den gesamten Ort in helle Aufregung. Dabei trifft es auch Karl wieder und freundet sich mit ihm an. Zusammen mit ihm und seinen Freunden sucht das kleine Gespenst nach einem Weg, um wieder ein harmloses weißes Nachtgespenst zu werden.
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Ganz abgesehen von Peter, dem aufgeblasenen Sprössling des Bürgermeisters. Der ohnehin nicht gut auf den Gespensterseher zu sprechen ist, weil Karl die Standarte tragen darf beim großen Festumzug. Eulenburg feiert nämlich mit großem Tamtam sein 375-jähriges Bestehen – und damit die eigenen tapferen Vorfahren, die sich seinerzeit todesmutig den Truppen des schwedischen Generals Torsten Torstenson entgegengestellt haben, dessen Porträtgemälde nun im Schlossmuseum hängt.
Als das kleine Gespenst einige Tage nach seiner Begegnung mit Karl beim zwölften Schlag der Rathausuhr aufsteht, ist es ungewöhnlich hell. Ausgelassen geistert das putzmuntere Kerlchen drauflos. Doch als der erste Sonnenstrahl das schneeweiße Nachtgeschöpf trifft, wird es schlagartig pechschwarz. Und kann sich nicht mehr so leicht unsichtbar machen, was sogleich den ganzen Ort zusätzlich zur Festvorbereitung in Aufruhr versetzt. Plötzlich wollen alle den „schwarzen Unbekannten“ gesehen haben.
Als auch noch ein bedeutendes Exponat, die Uhr des Schwedengenerals, über Nacht spurlos verschwindet und zahllose andere kostbare Uhren im Schloss verstellt sind, wird allenthalben und besonders vom Burgverwalter, einem offenbar magenkranken Grantler, zur Gespensterjagd geblasen. Doch Wachtmeister Holzinger tappt im Dunkeln: Er verdächtigt Karl des Diebstahls. Damit endlich Ruhe einkehren und der schwarze Aufreger wieder zum friedlichen kleinen weißen Nachtgespenst werden kann, bedarf es der Hilfe von Karl, Marie und Hannes, die eine halsbrecherische Rettungsaktion starten. Bei der der coole Uhrmachermeister Zifferle eine mitentscheidende Rolle spielt…
Schade, schade: Otfried Preußler, dessen 32 Bücher in 55 Sprachen übersetzt worden sind mit einer verkauften Auflage von mehr als 50 Millionen Exemplaren, hat die Premiere des Films nicht mehr erleben können: er starb am 18. Februar 2013 mit 89 Jahren in Priem am Chiemsee. Ich bin sicher, dass ihm diese Leinwand-Adaption ebenso gefallen hätte wie Kreuzpaintners „Krabat“ 2008 aus dem gleichen Hause Putz/Claussen. Obwohl das in gewisser Weise ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen ist: hier ist mit enormem Aufwand das digitale Gespenst nachträglich in den Realfilm integriert worden.
Mit verblüffendem Ergebnis: das putzige, harmlose, zum Knuddeln liebenswürdige und die Beschützerinstinkte sämtlicher weiblicher Zuschauer hervorrufende Unding, dem keine Geringere als Anna Thalbach ihre Stimme geliehen hat, fügt sich so selbstverständlich in die nostalgisch anmutende Kompilation aus der nach dem Fall der Mauer aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte Harzer Unesco-Welterbestadt Quedlinburg und dem pittoresken Schloss Werningerode ein, als sei es eine reale Person wie alle Darsteller, zu nennen unbedingt noch Sandra Borgmann als Karls so gestresste wie liebevoll-besorgte Mutter. Auch die Kinderdarsteller sind sämtlich eine Wucht, was freilich auch daran liegen kann, dass das Protagonisten-Trio Holdenrieder / Kusche / Hartung bereits über mehrjährige Kameraerfahrung verfügt.
„Das kleine Gespenst“ mag manchem aus der Zeit gefallen erscheinen, war den überregionalen Feuilletons zumeist auch nur ein paar Zeilen wert, der FAZ ganze 25. „Nett“ war häufiger zu lesen, auch 'mal von „Langeweile“ war die Rede. Kann ich überhaupt nicht finden: Ein toller Spaß endlich einmal für die ganze Familie, den sich Großeltern und Enkelkinder am besten gemeinsam ansehen sollten, um sich danach bei Kakao und Stollen über ihre ersten Otfried Preußler-Erfahrungen auszutauschen. Für den in Berlin lebenden Schweizer Regisseur Alain Gsponer wars der erste Kinderfilm – aber vielleicht nicht der letzte. Befragt nach einem Wunschstoff aus dem Œuvre Otfried Preußlers kam spontan die Antwort: „Der kleine Wassermann.“ Wir freuen uns darauf.
Da die eidgenössische Mundart-Fassung „S’Chline Gspängst“ bereits am 26. September 2013 in die Kinos der Deutschschweiz gekommen ist, handelte es sich bei der Premiere am 14. Oktober 2013 auf dem „Schlingel“-Festival in Chemnitz, wo „Das kleine Gespenst“ mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, nur um die Deutsche Erstaufführung. Am 26. Dezember 2014 erfolgte im ZDF die Erstausstrahlung.
Pitt Herrmann