Biografie
Curt Courant wurde am 11. Mai 1899 in Kattowitz im Deutschen Kaiserreich (heute Katowice, Polen) geboren. Seine Karriere als Kameramann begann 1917 in der Berliner Produktionsfirma May-Film GmbH des österreichischen Filmpioniers Joe May, der zahlreiche wichtige Persönlichkeiten des Weimarer Kinos entdeckte und bei seinen Filmproduktionen anstellte. Sein erster Film als Kameramann war der von May produzierte und inszenierte "Hilde Warren und der Tod" (1917), zu dem Fritz Lang – ebenfalls eine Entdeckung von May, wie auch Langs künstlerische und private Partnerin Thea von Harbou - das Drehbuch beisteuerte. Für die May-Film GmbH führte Courant zwischen 1917 und 1918 in elf Filmen die Kamera. Seine letzte Arbeit für May war "Die Kaukasierin" (1918), ein Ableger der populären Joe-Debbs-Detektivserie mit Max Landa in der Hauptrolle.
Danach folgte in den Jahren 1919/20 eine produktive Zusammenarbeit mit der Ring-Film GmbH unter Produzent und Regisseur Erik Lund. Es ist nicht genau belegt, ob Courant bei allen Filmen der Ring-Film GmbH bis zu ihrer Umwandlung in die Ring-Film AG 1921 die Kameraarbeit übernahm, aber die überwiegende Anzahl wird ihm zugeschrieben. Für die Ring-Film AG arbeitete er allerdings nur in ihrer Anfangszeit 1921.
Ab Anfang der 1920er-Jahre war Courant zudem für andere Produktionsfirmen tätig. Gemeinsam mit Axel Graatkjaer führte er die Kamera in Asta Nielsens "Hamlet"-Verfilmung (1921), die sowohl national als auch international zu einem großen Erfolg wurde. Auch bei Reinhold Schünzels Sozialstudie "Das Mädchen aus der Ackerstraße. 1. Teil. Ein Drama aus der Großstadt" übernahm er die Kameraarbeit. Bei den beiden Fortsetzungen des Publikumserfolgs war er jedoch nicht beteiligt.
Durch diese großen Erfolge stieg Courant zu einem der wichtigsten und bedeutendsten Kameramänner des Weimarer Kinos auf und arbeitete nun auch an ausländischen Produktionen. 1924 reiste er zur Produktion des italienischen Monumentalfilms "Quo vadis?" nach Rom. Obwohl der Film in Italien gedreht und produziert wurde, waren zahlreiche deutsche sowie internationale Filmschaffende an dem Projekt beteiligt. So spielte beispielsweise der deutsche Schauspieler Emil Jannings die Hauptrolle des römischen Kaisers Nero. Courant führte die Kamera hier in Kooperation mit den italienischen Kameramännern Giovanni Vitrotti und Alfredo Donelli. Dass der Film ein finanzieller Misserfolg wurde, schadete Courants Karriere nicht.
1927 unterschrieb Courant einen Vertrag mit der Ufa. In den folgenden Jahren arbeitete er mit den bekanntesten Filmschaffenden des Weimarer Kinos zusammen. So drehte er 1929 das Melodrama "Die Frau, nach der man sich sehnt" mit Marlene Dietrich und Fritz Kortner in den Hauptrollen. Auch mit Fritz Lang und Thea von Harbou arbeitete Courant erneut zusammen: 1929 führte er gemeinsam mit Otto Kanturek bei Langs Science-Fiction-Film "Frau im Mond" die Kamera.
Neben deutschsprachigen Produktionen arbeitete Courant ab 1930 außerdem an deutsch-französischen Koproduktionen sowie an rein französischen Produktionen. Im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wanderte Courant, der jüdischer Abstammung war, aus und war in der folgenden Zeit in Frankreich und Großbritannien tätig, wo er weiterhin mit bedeutenden Regisseuren zusammenarbeitete. So führte er 1934 bei Alfred Hitchcocks "The Man Who Knew Too Much" ("Der Mann, der zu viel wusste") und 1938 bei Jean Renoirs "La Bete Humaine" ("Bestie Mensch") die Kamera. In dieser Zeit entstanden auch Filme mit anderen Exilanten wie Berthold Viertels "The Passing of the Third Floor Back" (GB 1935) mit Conrad Veidt in der Hauptrolle sowie "De Mayerling a Sarajevo" (Von Mayerling bis Sarajewo, FR 1940) von Max Ophüls.
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht und der Kapitulation Frankreichs 1940 flüchtete Courant, wie viele andere deutsche Exilanten, in die Vereinigten Staaten. Es fiel ihm jedoch schwer, in Hollywood Fuß zu fassen. Die zuständige Gewerkschaft, die American Society of Cinematographers (ASC), verweigerte Courant trotz mehrfacher Beantragung die Mitgliedschaft. Die Gewerkschaft war darauf bedacht, die Interessen ihrer amerikanischen Mitglieder zu schützen, weshalb Courant nicht bei Hollywood-Filmproduktionen beschäftigt werden durfte. Dennoch wurde er mit dem Kriegseintritt der USA 1941 von Frank Capras Special Services Division angeworben, die Propagandafilme und Wochenschauen für die US-Armee drehte.
Nach Ende des Krieges arbeitete Courant auf persönlichen Wunsch Charlie Chaplins gemeinsam mit dem US-amerikanischen Kameramann Roland Totheroh an Chaplins Film "Monsieur Verdoux" ("Der Frauenmörder von Paris", US 1947), der ein finanzieller Misserfolg wurde. Seinen Kampf mit der ASC verlor Courant, der versucht hatte, eine Aufnahme einzuklagen, 1950 ebenfalls. Danach trat er nur noch selten in der Filmbranche in Erscheinung. Sein letzter Film war "It Happened in Athens" ("Es geschah in Athen", US 1962) mit Jayne Mansfield in der Hauptrolle.
Neben seiner Tätigkeit an Filmsets unterrichtete Courant an der University of California, Los Angeles (UCLA). Er starb am 20. April 1968 in Los Angeles.