Phoenix

Deutschland 2013/2014 Spielfilm

Inhalt

Deutschland, Sommer 1945. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Deutschlands kehrt die Jüdin Nelly in ihre Heimatstadt zurück. Sie hat die Gefangenschaft im KZ schwer verletzt überstanden, nun will sie neu beginnen. Außer der Jüdin Lene weiß niemand, dass sie überlebt hat, vor allem nicht ihr Ex-Mann Johnny. Obwohl er sie vermutlich einst an die Nazis verriet, will Nelly ihn wiedersehen. Doch Johnny, fest überzeugt, dass seine Ex-Frau tot ist, erkennt sie nicht. Stattdessen macht er ihr ein Angebot: Da sie seiner "verstorbenen" Frau so täuschend ähnlich sieht, soll sie deren Platz einnehmen und die KZ-Heimkehrerin spielen. Auf diese Weise will er an das Vermögen seiner tot geglaubten Frau gelangen.

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Heinz17herne
Heinz17herne
Deutschland im Juni 1945, unmittelbar nach Kriegsende. Wer jetzt unterwegs ist, noch dazu in einem funktionstüchtigen Auto, wird von den Besatzungssoldaten minutiös untersucht. Und gnadenlos wie in diesem Fall einer offenbar schwer verwundeten Frau, die erst ihr völlig entstelltes Gesicht von allen Mullbinden befreien muss, um den Kontrollposten (Trystan Pütter) passieren zu dürfen. Am Steuer sitzt Lene Winter, eine Mitarbeiterin der Jewish Agency, die gerade aus der Schweiz gekommen ist, wo sie den Krieg zumindest körperlich unbeschadet überstanden hat. Was man von der Frau an ihrer Seite nicht sagen kann: Es ist ihre Freundin aus Vorkriegstagen, Nelly Lenz, die – zwar schwer verletzt – wie durch ein Wunder das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat. Und nun in ihre alte Heimat Berlin gebracht wird, um sich ärztlich behandeln zu lassen.

Mit der seinem Berufsstand eigenen Schnoddrigkeit analysiert der Chirurg Dr. Bongarz die Zertrümmerung des Joch- und des Nasenbeins und, weshalb Nelly von den KZ-Schergen für tot gehalten wurde, eine sehr entstellende Schussverletzung im Kopf. Nun könne sie sich ihr neues Gesicht aussuchen: der Doktor scheint im Besitz eines ganzen Kataloges möglicher Antlitz-Formen zu sein. Doch die einst bekannte Sängerin, die bis 1938 zusammen mit ihrem Gatten in Londoner Clubs aufgetreten ist, bevor sie offenbar auf dessen Betreiben trotz ihrer jüdischen Wurzeln ins Nazi-Reich zurückkehrte, will keine neue Identität – weder äußerlich noch innerlich.

Kaum genesen von ihrer erfolgreichen Gesichtsoperation macht sich Nelly auf die Suche nach ihrem Mann Johnny Lenz. Obwohl Lene Belege dafür hat, dass er sie verraten hat, als er am 4. Oktober 1944 in Berlin verhaftet wurde. Denn nur zwei Tage später war er wieder frei – und Nelly wurde in ihrem Versteck, einem Bootshaus am Müggelsee, von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz transportiert. Nelly wird in der großzügig dimensionierten Wohnung ihrer alten Freundin von deren Haushälterin und Köchin Elisabeth umsorgt. Leni macht derweil Pläne für eine gemeinsame Zukunft in Palästina: die beiden so schwer zu beschaffenden Visa ins noch britische Mandatsgebiet am Mittelmeer hat sie dank ihrer beruflichen Tätigkeit bereits in der Tasche, jetzt geht es um den Wohnort, Haifa und die aufstrebende Metropole Tel Aviv stehen in der engeren Wahl, und einen Job für die ehemalige Sängerin.

Nelly spürt ihren Gatten im GI-Club „Phoenix“ auf, wo der Clubbesitzer – wenig realistisch – Cole Porters „Night and Day“ von jungen Tänzerinnen auf Deutsch singen lässt und dazu auch noch Kurt Weills „Berlin im Licht“. Johnny, der sich hier Johannes nennt, ist an einem Abend Pianist, am nächsten dagegen nur Tellerwäscher – warum auch immer. Er erkennt in ihr, die sich ihm als Esther vorgestellt hat, nicht mehr als eine zunächst beunruhigende Ähnlichkeit zu seiner im KZ umgekommenen Gattin. Was sie aber nicht von ihrem Vorhaben abbringt, nahtlos an ihr altes Leben anzuknüpfen – an Johnnys Seite und hier in der Hauptstadt der Täter.

Johnny schlägt Nelly, die ihn nun täglich aufsucht, vor, in die Rolle seiner totgeglaubten Frau zu schlüpfen, um sich das Erbe ihrer im Holocaust ermordeten Familie zu sichern. Nelly lässt sich darauf ein – und übt so, ihre eigene Doppelgängerin zu werden. Auch weil sie wissen möchte, ob Johnny sie je geliebt hat oder vielleicht doch ihr Verräter war. Ein erster Ausflug in die Wirklichkeit wird zur Nagelprobe für ihren „Lehrer“: Die Wirtin der Müggelsee-Gastronomie, in deren Bootshaus sie versteckt war, erkennt Nelly sogleich – und tritt der Wiederauferstandenen entsprechend gehemmt entgegen.

Johnny inszeniert nun, völlig unrealistisch, aber mit seiner guten Menschenkenntnis, die offizielle Rückkehr seiner „Gattin“ nach Berlin: Schwarzes lockiges Haar, rotes Kleid bis knapp unter die Knie gekürzt – und Pariser Schuhe, die letzten authentischen Überbleibsel des einstigen gemeinsamen Berliner Haushaltes. Er ist sich ganz sicher, dass die alten Freunde Alfred, Sigrid, Monika, Walther und Frederike am Bahnhof keine abgehärmte KZ-Überlebende begrüßen wollen. Und dass sie ganz sicher nicht nach Nellys traumatischen Erfahrungen in Auschwitz fragen werden.

Bevor es dann genau so kommt bei Berliner Weiße, Wein und bestelltem Essen und Johnny „Du bist meine Liebe, du bist mein Leben“ heuchelt unter demonstrativem Beifall der anderen, hat Lene Winter sich erschossen und in einem Abschiedsbrief erklärt, dass sie sich mehr zu den Toten hingezogen fühlt als zu den (Über-) Lebenden. Dem Brief beigelegt ist eine Scheidungsurkunde von 1944...

„Phoenix“, von Hans Fromm im Stil des Film Noir gedreht, gehört in der Intensität der Darstellung Nina Hoss' in eine Kategorie mit Alfred Hitchcocks „Vertigo“, auch wenn man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll. Nach Motiven des Romans „Le retour des cendres“ („Der Asche entstiegen“) von Hubert Monteilhet hat Christian Petzold ein bis heute nahezu unbekanntes Thema aufgegriffen, indem er mit Nelly, Johnny und Lene drei von Verrat und Verdrängung gezeichnete, geschädigte Menschen zu Protagonisten erhebt: Sie müssen erst lernen, mit der neuen Wirklichkeit, die von der Vergangenheit nicht zu trennen ist, fertig zu werden. So haben die Lager für die „Displaced Persons“ genannten Holocaust-Überlebenden in Deutschland noch bis 1958 bestanden, also dreizehn Jahre lang!

Nelly geht am Ende ihren eigenen Weg. Zu einem solchen fehlte Lene, der zu Beginn des Films so starken, selbstbewussten, zielorientierten Frau, die Kraft. Zumal ohne Hoffnung auf Unterstützung durch Nelly. So ist Lene die eigentliche Verliererin in einem Film, der die „Berliner Schule“ (Christian Petzold mit Angela Schanelec und Thomas Arslan) nah an das Filmerbe Rainer Werner Fassbinders rückt. Die TV-Erstausstrahlung erfolgte am 10. Januar 2017 auf Arte.

Pitt Herrmann

Credits

Kamera

Schnitt

Musik

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Continuity

Drehbuch-Mitarbeit

Kamera

Kamera-Assistenz

Material-Assistenz

Steadicam

Standfotos

Titelgrafik

Kamera-Bühne

Szenenbild

Set Design

Ausstattung

Außenrequisite

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Ton-Design

Ton-Assistenz

Mischung

Choreografie

Spezialeffekte

Stunt-Koordination

Casting

Musik

Darsteller

Produktionsleitung

Produktions-Koordination

Dreharbeiten

    • 16.08.2013 - 04.10.2013
Länge:
98 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 22.08.2014, 146663, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (CA): September 2014, Toronto, IFF;
Kinostart (DE): 25.09.2014

Titel

  • Originaltitel (DE) Phoenix

Fassungen

Original

Länge:
98 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 22.08.2014, 146663, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (CA): September 2014, Toronto, IFF;
Kinostart (DE): 25.09.2014

Auszeichnungen

Seattle Film Critics Awards 2016
  • Seattle Film Critics Award, Beste Darstellerin
Central Ohio Film Critics Association 2016
  • COFCA Award, Bester fremdsprachiger Film
Australian Film Critics Association Awards 2016
  • AFCA Award, Bester internationaler Film
Deutscher Filmpreis 2015
  • Lola, Beste weibliche Nebenrolle
IFF Seattle 2015
  • Golden Space Needle Award, Beste Darstellerin
IFF Hong Kong 2015
  • Lobende Erwähnung
FBW 2014
  • Prädikat: besonders wertvoll
IFF San Sebastián 2014
  • FIPRESCI Preis
Film Festival Lisbon & Estoril 2014
  • João Bénard da Costa Special Jury Award