Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

Deutschland 1996 Spielfilm

Inhalt

Jeden Abend trifft sich die Medien-Schickeria einer nicht näher benannten Großstadt (die jedoch sehr nach München aussieht) in dem Luxusrestaurant "Rossini". Für die illustre Gesellschaft ist das "Rossini" ein zweites Zuhause. Einen Abend lang verfolgt Helmut Dietls satirischer Film das turbulente Treiben im "Rossini". Da gibt es eine nymphomanische Journalistin, deren neuestes "Opfer", ein Regisseur, unter Potenzproblemen leidet, einen hoffnungslos verliebten Schönheitschirurgen, dessen Angebetete sich derweil nicht entscheiden kann, ob sie den Lyriker Bodo oder den in Finanzproblemen steckenden Filmproduzenten Oskar zum Geliebten nehmen soll. Und natürlich Rossini selbst, der sich in seinem eigenen Lokal wie ein Butler der versnobten Gäste fühlt. Als dann auch noch eine verführerische, mysteriöse Schauspielerin namens Schneewittchen im Restaurant auftaucht und den Frauenfeind Rossini umgarnt, gerät das Geschehen endgültig aus den Fugen.

 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
Der Schwabinger Nobel-Italiener „Romagna Antica“, in dem in den 1970er Jahren Rainer Werner Fassbinder verkehrte und eine Dekade später Regisseur Helmut Dietl und Produzent Bernd Eichinger zu den Stammgästen gehörten, ist das Vorbild für das im gleichen Münchner Promi-Stadtteil angesiedelte Restaurant „Rossini”, das den Namen seines Prinzipals Paolo trägt. Hier trifft sich die Münchner Schicki-Micki-Welt, weil die Schönen und Reichen ganz ungestört unter sich bleiben können. Und das soll auch so bleiben, weshalb unerwünschte (Zaun-) Gäste brutal abgewimmelt werden. Jeden Abend spielt sich das gleiche Ritual ab, stets wird die gleiche Frage gestellt: Wer schläft mit wem? Dass daraus am Ende gar eine mörderische Frage wird, der die schöne Valerie zum Opfer fällt, ist gänzlich Nebensache. Und dient nur dazu, das immerwährende „Rossini“-Karussell am Laufen zu halten.

Ihren Platz der von mehreren Männern umschwärmten Schönen der Nacht nimmt sogleich ein neuer Stern, „Schneewittchen“, ein, die in ihrer ganzen Pracht bewundert werden darf. Sie verkörpert eine Schauspielerin, welche aus der alternativen Kindertheater-Szene ausbrechen will und sich besinnungs- wie bedingungslos zum internationalen Filmstar hinaufzuvögeln gedenkt – so zielstrebig wie unverhohlen. Der Star-Regisseur Uhu Zigeuner (als Alter ego Helmut Dietls) versagt kläglich im Bett der geilen Klatschreporterin Charlotte Sanders, der bankrotte Produzent Oskar Reiter (als Alter ego Bernd Eichingers) müht sich vergeblich um „Schneewittchen“ und der Frauenarzt Dr. Sigi Gelber hofft vergeblich, von den Brotkrumen der unter Verstopfungsproblemen leidenden Märchenprinzessin etwas abzubekommen. Nur der „Rossini“-Wirt Paolo kommt bei ihr zum Zuge, aber die zunächst so kitschig-schöne Liebesgeschichte endet tragisch: Der blonde Rauschegoldengel verwandelt sich im Handumdrehen in ein kokettes Biest.

Sozusagen im Nebenzimmer spielt sich die schönste Liebesgeschichte ab – zwischen Seraphine, der kleinen, bescheidenen Kellnerin des Nobelrestaurants, und dem introvertiert-schüchternen, ja geradezu verstört wirkenden Erfolgsschriftsteller Jakob Windisch (als Alter ego Patrick Süßkinds), der den Trubel im Gastraum tunlichst meidet. Schöne heile Welt des schönen Scheins: Da kommen Frauen, die sich mehr oder minder auf Druck ihrer finanzstarken Männer operieren lassen wollen, da schauen Sternchen vorbei auf der Suche nach ihrer ersten großen Leinwandrolle (Meret Becker gibt eine Lesbe, die es in dieser Macho-Gesellschaft doppelt schwer hat), da werden zwischen Antipasti und Grappa Millionenverträge aufgesetzt und gleich wieder zerrissen...

Die Geschichten in Harald Dietls Porträt der Münchner Schickeria sind aufgereiht wie Perlen an einer Schnur, bisweilen auch so kunstvoll miteinander verschachtelt, dass sie Stoff für eine ganze (TV-) Serie böten. Es geht stets um Geld und Macht, hingegen wird über Kunst kein Wort verloren. Noch eine Dietl-Story, die das Leben schreibt: Jan Josef Liefers spielt eine Art Chauffeur, Sekretär und Mädchen für alles beim Produzenten Oskar Reiter. Ausgerechnet auf der Herrentoilette entpuppt er sich als wahrer Poet, indem er regelrechte Meisterwerke verfasst für Buchwidmungen, um die potenten Geldgeber („Sparkassen-Fuzzis“) im Auftrag ihrer Gattinnen betteln. Durch all’ diese Beziehungskisten zieht sich wie ein Roter Faden das vehemente Sträuben Jakob Windischs, der Verfilmung seines Millionensellers „Die Loreley“ (alias „Das Parfüm“) durch den bankrotten Produzenten und den impotenten Regisseur zuzustimmen. Das alles wird mit feinem Humor statt schenkelklopfendem Gaudium erzählt: „Rossini“ ist eine der besten satirischen Komödien des deutschen Nachkriegsfilms, bei der sicherlich die „Baby Schimmerlos“-Serie mit Franz-Xaver Kroetz Pate gestanden hat.

Der knapp zweistündige Film gehörte 1997 in Deutschland mit 3,2 Millionen Kinobesuchern zu den erfolgreichsten Leinwandstreifen des Jahres. Die lange Reihe der Auszeichnungen begann 1996 mit drei Bayerischen Filmpreisen für Helmut Dietl (Beste Regie), Heiner Lauterbach (Bester Darsteller) und Jan Josef Liefers (Bester Nachwuchsdarsteller). 1997 folgten der Gilde-Filmpreis in Silber (Bester deutscher Film) der Arbeitsgemeinschaft deutscher Filmkunsttheater, der „Bambi“ des Burda-Verlags und der Ernst-Lubitsch-Preis. Als Krönung gabs auf der Berlinale beim Deutschen Filmpreis 1997 gleich vier Filmbänder in Gold für den Besten Film, für Helmut Dietl (Beste Regie) und Ignez Regnier (Bester Schnitt) sowie für Martina Gedeck (Darstellerische Leistungen).

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Kamera

Kamera-Assistenz

Material-Assistenz

Standfotos

Kamera-Bühne

Production Design

Ausstattung

Innenrequisite

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Ton-Schnitt

Synchron-Ton-Schnitt

Ton-Assistenz

Spezialeffekte

Musik

Darsteller

Produktionsleitung

Produktions-Koordination

Geschäftsführung

Dreharbeiten

    • 21.05.1996 - 19.07.1996: München, Südfrankreich
Länge:
3122 m, 114 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby Stereo Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 09.01.1997, 76672, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 22.01.1997, München, Mathäser Filmpalast;
Uraufführung (DE): 22.01.1997, Saarbrücken, Max-Ophüls-Preis;
Kinostart (DE): 23.01.1997;
TV-Erstsendung (DE): 11.10.1998, Sat.1

Titel

  • Originaltitel (DE) Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

Fassungen

Original

Länge:
3122 m, 114 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby Stereo Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 09.01.1997, 76672, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 22.01.1997, München, Mathäser Filmpalast;
Uraufführung (DE): 22.01.1997, Saarbrücken, Max-Ophüls-Preis;
Kinostart (DE): 23.01.1997;
TV-Erstsendung (DE): 11.10.1998, Sat.1

Auszeichnungen

Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater 1997
  • Gilde-Filmpreis in Silber, Bester deutscher Film
Hubert Burda Media 1997
  • Bambi
Deutscher Filmpreis 1997
  • Filmband in Gold, Bester Schnitt
  • Filmband in Gold, Beste Regie
  • Filmband in Gold, Bester Film
  • Filmband in Gold, Darstellerische Leistungen
Club der Berliner Filmjournalisten 1997
  • Ernst-Lubitsch-Preis
Bayerischer Filmpreis 1996
  • Bester Darsteller
  • Bester Nachwuchsdarsteller
  • Beste Regie