Inhalt
Nachdem in seinem Heimatdorf ein kleines Mädchen bestialisch ermordet wurde, reist der Polizist Martens nach Berlin, um dem Serienkiller Gabriel Engel ein Geständnis zu entlocken. Doch Engel, der von dem erfahrenen Kommissar Seiler gefasst wurde, verstrickt den Provinzbeamten in ein aufreibendes Psycho-Duell um Lüge und Wahrheit, Gut und Böse. Dabei zeigt sich immer deutlicher, dass die Spuren des wahren Täters in eine neue, völlig unerwartete Richtung weisen.
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Herzbach ist „ein fröhlicher Ort“ im auch zu DDR-Zeiten streng katholischen Eichsfeld, verheißt der in Holz gebrannte Willkommensgruß am Ortseingang. Doch auch im Heimatdorf des jungen, ehrgeizigen Polizisten Michael Martens (blickt als tugendhafter Familienvater und gläubiger Christ in düsterste Abgründe: Wotan Wilke Möhring) wurde ein kleines Mädchen bestialisch ermordet: Die zwölfjährige Lucia Flieder ist brutal – und dabei ganz waidmännisch – aufgeschlitzt worden. Martens reist nach Berlin, um dem gefangenen Psychokiller ein Geständnis auch für den Mord an Lucia abzuringen.
Dass das kein Spaziergang wird, spürt Martens gleich bei der ersten Begegnung mit Engel, der einen enormen Eindruck beim jungen Polizisten hinterlässt. Seiler, der ebenfalls bemerkt, dass etwas möglich ist zwischen seinem jungen Kollegen und dem seit Wochen schweigenden Killer, führt Martens in das hauptstädtische Nachtleben ein. So gelingt es ihm, das Martens in Berlin bleibt – ob daheim die Ernte auf den Feldern des Nebenerwerbslandwirtes verfault oder nicht.
Gabriel Engel verstrickt den Dorfpolizisten in ein verwirrendes Spiel um Gut und Böse, um Wahrheit und Lüge. Hat Martens' Schwiegervater nicht mit voller Absicht einen Hund namens „Schimanski“ erschossen statt eines Rehs? Und warum verweigert er sich einem Speicheltest? Und was ist mit Martens' 13-jährigem Sohn Christian, der im Zimmer seiner jüngeren Schwester Sarah zündelt?
Die Sache scheint geklärt, als Martens einen Erfolg für sich verbuchen kann: Die Polizei findet Lucias Unterhemd in Engels Wohnung. Dennoch ist die erste Euphorie des jungen Polizisten, die er mit Lucy, einer attraktiven Verkäuferin aus dem Friedrichstraßen-Quartier 205, ganz handfest teilt, rasch verflogen: Lucia Fiedler passt einfach nicht in Engels Opferprofil. War es doch jemand aus Herzbach?
Martens, psychisch alles andere als sattelfest, ist wieder daheim. Zweifel nagen an ihm: War es gar sein Sohn Christian? Da wird er per Helikopter in die Hauptstadt zurückbeordert: Engel hat Gift geschluckt und nur noch 48 Stunden zu leben. Der letzte Streich des Serienkillers soll jedoch nicht nur für ihn allein tödlich enden...
Ein deutscher Genrefilm mit der Hochspannung einer Hollywood-Produktion wie „Schweigen der Lämmer“ – ein Ding der Unmöglichkeit trotz erster Versuche von Robert Schwendtke („Tattoo“) und Mennan Yapo („Lautlos“ mit Joachim Król). Bis der erst 30-jährige Autor, Regisseur und Film-Autodidakt Christian Alvart, der nie eine Filmhochschule besucht hat, mit dem unter die Haut gehenden Psycho-Thriller „Antikörper“, seinem zweiten Film nach „Curiosity & the Cat“, den Beweis des Gegenteils angetreten ist – und mit André Hennicke als so gewissenloser wie hochintelligenter Psychopath eine Idealbesetzung gefunden hat. Freilich lässt sich auch das übrige Ensemble sehen u.a. mit Ulrike Krumbiegel (als Martens Gattin), Gudrun Ritter, Jürgen Schornagel und Hans Diehl vor der Kamera Hagen Bogdanskis, dessen Bilder bisweilen an David Lynch-Filme erinnern.
Religiöse Symbolik, vom Todesengel implizierenden Namen Gabriel Engel über die Gemälde des Horror-Hobbykünstlers bis hin zu Blut-Chiffren am Körper des bei seiner Verhaftung nackten Mörders, spielt eine erhebliche Rolle in „Antikörper“ und, auch dies eher deutsch, der Wald und seine Mystik. Jedenfalls, wenigstens dies darf verraten werden, ist es eine Rehfamilie, die die Geschichte zu einem guten Ende führt – und damit ein Gottesurteil.
Pitt Herrmann