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Der junge Pfarrer Strobel hat drei Probleme: Erstens hat er eine Freundin, zweitens ist sie im neunten Monat schwanger und drittens verlangt sie, dass er sich endlich "outet". Zu diesem Zweck hat sie sich in einen Bus mit Wallfahrtsreisenden geschmuggelt, die Strobel nach Lourdes begleiten soll. Außerdem an Bord: eine strenge Nonne, eine religiöse Exhibitionistin, ein renitenter Busfahrer, eine mysteriöse alte Lady und jede Menge frommes Fußvolk...
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Mit Verspätung geht die Fahrt freilich auch deshalb los, weil auch der junge Pfarrer Strobel erst auf den letzten Drücker aus den Federn gekommen ist. Der sich so modern gebende Geistliche raucht nicht nur an allen möglichen und unmöglichen Orten und hört ungeniert lautstarke Pop-Musik, sondern hat auch seine attraktive Freundin Theresa geschwängert, die sich – inzwischen im neunten Monat – dem Bus in den Weg stellt, um eine Entscheidung zu erzwingen: Strobel soll sich für sie und sein kurz vor der Geburt stehendes Kind entscheiden und damit gegen seinen Beruf – und seine Berufung.
Theresa wird kurzerhand mitgenommen, damit es endlich los gehen kann. Denn die im Bus wartende, sich alsbald als bigott herausstellende Gesellschaft wird ungeduldig: Eine alte, sich vornehm gebende Dame in Schwarz, Wendelgard von Baldini (Inge von Ambesser), führt die Überreste des verstorbenen Gatten in der Urne mit sich. Mit Erich und Margot Tägermoos hofft ein schon älteres, leider immer noch kinderloses Paar auf Hilfe der Heiligen Mutter Gottes in Südfrankreich, wobei die Frau einem Seitensprung mit dem dicklichen Apotheker und alleinstehenden Kommunalpolitiker Johannes Sellheim nicht abgeneigt wäre.
Fräulein Roswitha Ellenrieder, eine ganz Fromme, treibt es nachts im Bett mit ihrem Adoptivsohn Pirmin in Ermangelung anderer Wärmequellen und der Busfahrer entpuppt sich bei einer ungeplanten, aufgrund der späten Abfahrt notwendig gewordenen Zwischenübernachtung in einem Schweizer Hotel als wahrer Hallodri, der nichts auslässt. Zuvor waren bereits auf dem Oberdeck der Autofähre nach Konstanz sowie bei einem Zwischenstopp in einem Gasthof Versuche von Schwester Ursula gescheitert, Theresa mit Geld zu bestechen, damit sie die fromme Pilgerschar unauffällig vor der Schweizer Grenze verlässt, den jungen Pfarrer nicht weiter bedrängt und das Kind ohne weitere Ansprüche an den Vater zur Welt bringt.
Ganz im Gegenteil: Nach dem Tod Wendelgard von Baldinis, deren Körper nun im Sarg auf dem Dach des Busses gen Lourdes rollt, sitzen Pfarrer Strobel und Theresa ganz ungeniert nebeneinander…
Blasphemisch ginge ja noch, aber schlüpfrig bis zur Peinlichkeit? „Pilgerreport“ hätte der 1958 in Zürich geborene Douglas Wolfsperger sein B-Picture der Machart „Schulmädchenreport“ nennen sollen. Das nicht in die im August 1994 gestartete erste Staffel der ARD-Reihe „Wilde Herzen“ mit zehn „gefühlsechten“ Filmen, „die mitten ins Herz und unter die Haut gehen“, so das Presseheft, gehört. Sondern viel eher in die damalige Samstagnacht-Softpornoecke der Kommerzkanäle.
Dass Schauspieler wie Barbara Auer, Christiane Hörbiger und Axel Milberg solch hanebüchenen Unsinn mitgemacht haben, bleibt ein Rätsel. Auch wenn es eine Handvoll Szenen gibt, die in Ansätzen verraten, wie man das Roadmovie seriöser und dabei dennoch komödiantisch hätte angehen können. Zum Auftakt der zweiten „Wilde Herzen“-Staffel im November 1996 gabs übrigens Sherry Hormanns „Frauen sind was Wunderbares“ mit einer großartigen Barbara Auer, die gleich zwei Männern den Kopf verdreht.
Pitt Herrmann