Hans W. Geißendörfer

Hans W. Geißendörfer

Weitere Namen: Hans Wilhelm Geißendörfer (Geburtsname); Hans Wilhelm Geissendörfer (Schreibvariante)
Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Produzent
*06.04.1941 Augsburg

Biografie

Hans W. Geißendörfer wurde am 6. April 1941 in Augsburg als Sohn eines Pfarrers geboren. Bereits während seines Studiums der Germanistik, afrikanischen Sprachen, Theaterwissenschaft und Psychologie in Marburg, Erlangen, Wien und Zürich begann er, sich für das Medium Film zu interessieren. Er engagierte sich beim Studententheater, drehte mit einer 16-mm-Kamera erste Dokumentar- und Undergroundfilme.

Nach Abschluss des Studiums 1967 bereiste Geißendörfer mit seiner Kamera Asien und Afrika, bevor er 1968 als Regieassistent von George Moorse den Einstieg ins Filmgeschäft fand. 1969 gab er mit dem TV-Film "Der Fall Lena Christ" sein Regiedebüt. Bereits für seinen ersten Kinofilm, die eigenwillige Vampirgeschichte "Jonathan", erhielt Geißendörfer 1970 einen Deutschen Filmpreis – drei weitere sollten im Lauf seiner Karriere folgen: 1976 für "Sternsteinhof", 1979 für die Highsmith-Verfilmung "Die gläserne Zelle" (die außerdem eine Oscar®-Nominierung erhielt) und 1982 für "Der Zauberberg". Die Thomas Mann-Adaption wurde jedoch im Kino nur in einer stark gekürzten Fassung gezeigt; erst im Fernsehen war Geißendörfers wesentlich detailreicherer "Director's Cut" zu sehen.

Dem Fernsehpublikum dürfte Hans W. Geißendörfer freilich vor allem als Erfinder und Produzent der Kultserie "Lindenstraße" ein Begriff sein, die seit 1985 jede Woche in der ARD zu sehen ist. Daneben produzierte er zahlreiche Kurz- und Dokumentarfilme. Parallel dazu wurden Geißendörfers Regiearbeiten fürs Kino seit den 1980er Jahren immer seltener: Zwischen dem für einen Golden Globe nominierten Drama "Justiz" und der poetischen und ebenfalls mehrfach preisgekrönten Liebesgeschichte "Schneeland" vergingen zwölf Jahre.

Nach "Schneeland" trat Geißendörfer vor allem als Produzent in Erscheinung, so etwa bei André Erkaus "Selbstgespräche" (2008) und Apichatpong Weerasethakuls "A Letter to Uncle Boonmee" (2009) sowie dessen Fortsetzung, dem Cannes-Siegerfilm "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben" (2010). Erst 2011 legte Geißendörfer erneut einen eigenen Kinofilm vor: "In der Welt habt ihr Angst", eine im Drogenmilieu angesiedelte Liebestragödie mit Anna Maria Mühe und Max von Thun in den Hauptrollen.

In den folgenden Jahren (co-)produzierte Geißendörfer weitere prestigeträchtige Werke von großer Bandbreite, darunter die erfolgreichen Verfilmungen von Kerstin Giers Fantasy-Romanen "Rubinrot" (2013), "Saphirblau" (2014) und "Smaragdgrün" (2016), die vielfach ausgezeichnete britisch-deutsche Koproduktion "Berberian Sound Studio" (2012) von Peter Strickland, Jeanine Meerapfels "Der deutsche Freund" (2012), Feo Aladags "Zwischen Welten" (2014) und Apichatpong Weerasethakuls "Cemetery of Splendour" (2015).

2015 wurde Hans W. Geißendörfer für sein Wirken das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Filmografie

2015/2016 Smaragdgrün
Produzent
 
2015 Cemetery of Splendour
Produzent
 
2014/2015 Hasret - Sehnsucht
Produzent
 
2013/2014 Saphirblau
Produzent
 
2013/2014 Zwischen Welten
Co-Produzent
 
2012/2013 Rubinrot
Produzent
 
2012-2015 Der Bunker
Co-Produzent
 
2012-2014 Love, Yesterday
Co-Produzent
 
2012 Berberian Sound Studio
Co-Produzent
 
2011/2012 Der deutsche Freund
Co-Produzent
 
2010/2011 Sommer der Gaukler
Produzent
 
2009/2010 Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben
Co-Produzent
 
2009-2011 In der Welt habt ihr Angst
Regie, Drehbuch
 
2009 A Letter to Uncle Boonmee
Co-Produzent
 
2008-2011 Im Kopfstand zum Glück
Produzent
 
2008 Pazar - Der Markt
Co-Produzent
 
2007/2008 Selbstgespräche
Produzent
 
2007 Zelle
Produzent
 
2006-2008 Gegenschuss - Aufbruch der Filmemacher
Mitwirkung
 
2003/2004 Schneeland
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1999 Die neun Leben des Tomas Katz
Executive Producer
 
1994/1995 Die Nacht der Regisseure
Mitwirkung
 
1994 Rules of the Road - Reise ohne Hoffnung
Produzent
 
1993 Justiz
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1991 Gudrun
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1989 Bumerang - Bumerang
Darsteller, Regie, Produzent
 
1987/1988 Im Jahr der Schildkröte
Produzent
 
1987 Die Kraft der Frauen steckt in ihrer Phantasie. Hans W. Geißendörfer und seine Filme
Mitwirkung
 
1986 Rebellion der Gehenkten
Drehbuch
 
1983/1984 Ediths Tagebuch
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1982/1983 Der Platzanweiser
Mitwirkung
 
1981/1982 Der Zauberberg
Regie, Drehbuch
 
1978/1979 Theodor Chindler
Regie, Drehbuch
 
1977/1978 Die gläserne Zelle
Regie, Drehbuch
 
1976 Die Wildente
Regie, Drehbuch
 
1975/1976 Sternsteinhof
Regie, Drehbuch
 
1975 Das Kind
Regie, Idee
 
1975 Blut
Regie, Idee
 
1975 Handschellen
Regie, Idee
 
1975 Stirb!
Regie, Idee
 
1975 Zwei Fliegen
Regie, Idee
 
1975 Der Einarmige
Regie, Idee
 
1973/1974 Die Eltern
Regie, Drehbuch
 
1973/1974 Perahim - die zweite Chance
Regie, Drehbuch
 
1972 Marie
Regie, Drehbuch
 
1970/1971 Carlos
Regie, Drehbuch
 
1970 Eine Rose für Jane
Regie, Drehbuch
 
1969 Jonathan
Regie, Drehbuch
 
1968/1969 Der Fall Lena Christ
Regie, Drehbuch
 
1967/1968 Liebe und so weiter
Regie-Assistenz
 
1967 Dynamitfischerei
Regie, Kamera
 
1967 Fastentage in Griechenland
Regie, Kamera
 
1967 Manfred Schoof Quintett
Regie, Kamera
 
1967 Netzfischfang im Aegäischen Meer
Regie, Kamera
 
1967 Eins & Eins
Regie, Kamera
 
1967 Anna Kahn
Regie, Kamera
 
1966 Befriedung
Regie, Kamera