Darstellerin
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Biografie

Friedl Haerlin entstammt einer angesehenen Fabrikantenfamilie aus Gauting, die von 1878 bis 1967 dort die Papierfabrik Dr. Haerlin und Söhne betrieb. Nach einem Studium der Theaterwissenschaft und Schauspielunterricht in München ging es mit ihrer Karriere rasch aufwärts. 1921 debütierte sie bei den Münchner Kammerspielen als Helene in Shakespeares "Sommernachtstraum", und um 1922 ging sie mit Albert Bassermann und dem Stück "Der große Bariton" auf Gastspielreise.

1922 heiratete sie in München, wo sie inzwischen auch wohnte, den Schauspieler Walter Anton Janitschek. Aus dieser Ehe stammt ihr einziges Kind Peter. 1923 trat sie zum ersten Mal auch beim Film auf, ihr Schwerpunkt blieb aber die Theaterarbeit. Von 1924 bis 1926 war sie am Stadttheater und dem Pfauentheater in Zürich engagiert. Franz Wenzler, der dort seit 1921 Direktor war, umgab sich gerne mit hoffnungsvollen Nachwuchskünstlern, die er zum Teil auch förderte, etwa Franz Schafheitlin und Peter Lorre in Zürich oder später die junge Marlene Dietrich in seiner Wiener Zeit.

Ebenfalls 1924 gehörte Friedl Haerlin zum ersten deutschen/deutschsprachigen Ensemble, das nach dem 1. Weltkrieg wieder in Frankreich auftreten durfte. In Straßburg gab das Ensemble zwei Gastspiele mit Wedekinds "Erdgeist" und Hasenclevers "Der Sohn".

Als Wenzlers Züricher Karriere 1926 mit einer Ausweisung endete - als Folge eines selbst verursachten Autounfalls, bei dem ein Kind starb - übernahm er die Direktion der Wiener Kammerspiele, und ein Teil seines Züricher Ensembles folgte ihm nach Wien, darunter auch Friedl Haerlin. Beruflich und privat wurde Wien, wo sie 1926 auch das Heimatrecht erhielt, eine wichtige Station in ihrem Leben, zu der sie immer wieder zurückkehrte. Nicht nur an den Wiener Kammerspielen spielte sie die ganze Bandbreite verschiedenster Rollen von Klassik bis Moderne, von ernst bis heiter. Sie lebte nun auch in Wien, war bekannt und beliebt.

Im gleichen Jahr kam es in ihrem Privatleben zu einem ersten Bruch: Das Ehepaar Haerlin-Janitschek trennte sich (Scheidung von Tisch und Bett). Endgültig und rechtskräftig geschieden wurde die Ehe aber erst 13 Jahre später, im Jahr 1939. Vermutlich um 1929 nahm Haerlin an Autorennen teil. Wann, wie oft und wo ist nicht bekannt. Es existiert jedoch ein Foto, das sie mit einem Steyr XII in Sportausführung beim Semmering Rennen 1929 zeigt.

Ab 1929 arbeitete sie zunehmend auch beim Film. Im August 1930 zog sie nach Berlin. 1932 bestätigte Frank Arnaus Universal Filmlexikon der Schauspielerin mit der "sehr wirkungsvollen äußeren Erscheinung und dem […] wohlklingenden, gut durchgebildeten Sopran" noch: "Man wird in der Erwartung nicht fehlschlagen, dass Friedl Haerlin auf der Bühne sowohl wie im Tonfilm in kürzester Frist in der Reihe der ganz großen Darstellerinnen stehen wird - den Nachweis, dass sie in jeder Hinsicht die Befähigung dafür besitzt, hat sie bereits hinreichend erbracht."

Doch es kam anders, beruflich wie privat ging es für sie bergab. Bis auf wenige Ausnahmen spielte sie ab 1935 und bis zum Ende ihrer Filmkarriere in fast keinen größeren und bekannten Produktionen. Die Rollenangebote beschränkten sich zunehmend auf Nebenrollen und Kleinstrollen wie die der "2. Kundin im Hutsalon" ("Aus erster Ehe"), einer Eintänzerin in einem nordafrikanischen Hotel ("Kora Terry") oder einer Kunstreiterin ("Die drei Codonas", wie die beiden vorigen aus dem Jahr 1940). Dafür spielte sie, zum Teil in der Hauptrolle, von 1935 bis 1938 in elf Kurz-Spielfilmen mit Laufzeiten zwischen 12 und 20 Minuten.

Zwei knappe Tagebucheintragungen von Goebbels über Friedl Haerlin, die einzigen, in denen sie erwähnt wird, belegen ihre berufliche Krise. "Frau Haerlin erzählt mir ihre Leidensgeschichte. Ich werde versuchen, ihr zu helfen" (29.01.1936) und "Frau Haerlin will eine Rolle. Ich kann ihr auch nicht helfen. Es geht ihr schlecht." (11.11.1936)

Über die Gründe ihrer "Leidensgeschichte" ist, nach aktuellem Stand, nichts bekannt. Allerdings gibt es einige mehr oder weniger vage Anhaltspunkt dafür, dass es sich um eine gleichermaßen private wie berufliche Krise handelte, wobei das eine wohl das andere bedingte.

In jedem der Jahre 1937 bis 1939 veröffentlichte Haerlin im Eigenverlag einen kleinen Band mit eigenen Gedichten: "In meinem Spiegel - Gedichte von Friedl Haerlin", "Kleine Ernte" und "Sommer". Es sind schwermütige Texte über Sehnsüchte, den Wunsch nach Liebe und Geborgenheit, die Oberflächlichkeiten von Schein und Sein, Sinnsuche und das Göttliche.

1944 heiratete Haerlin in Wien, wo sie nun wieder lebte, den Schriftsteller Josef Faass (auch Faas bzw. Faaß). "Wiener Mädeln", ihr erster Farbfilm, ist zugleich auch ihre letzte Filmarbeit. Im März 1945, zwei Monate vor Kriegsende, fiel ihr Sohn.

Über berufliche Aktivitäten in der Nachkriegszeit ist nichts bekannt. Zwischen 1947 und 1952 pendelte sie zwischen Wien und Gauting. 1947 wurde auch ihre zweite Ehe geschieden. Drei Jahre später, 1950, heiratete sie in Gauting ihren letzten Ehemann Carl Schuster, einen deutschen Industriellen, der hauptsächlich in Lima (Peru) lebte, wohin auch Friedl Haerlin 1952 zog.

Nach dem Tod ihres Mannes ging es ihr zunehmend schlechter. 1977 kehrte sie mit Hilfe ihrer Familie nach Gauting zurück und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens zurückgezogen zuerst bei ihrer Familie, dann im Gautinger Marienstift.

Ihr Grab gehört zu einer Ehrengrabanlage der Familie Haerlin auf dem Gautinger Waldfriedhof. In einem ihrer Gedichtbände findet sich folgende Widmung: "Wer auf den Berg will, muss auch die Täler überwinden!!! Toi - toi - toi! Herzlichst Friedl Haerlin"

© Text und Recherche: Stefan Döpke, Cinemathek Archiv



 

FILMOGRAFIE

1944-1945/1949
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1940
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