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Die Schauspielerin Lisa lebt mit ihrer Tochter in Berlin und führt ein Leben ohne große Sorgen. Dies ändert sich während der letzten Tage des Jahres, aus dem Lisa keine ihrer Gewissheiten in das nächste hinüberretten kann. Die Welt ist ihr fremd geworden; überall ereignen sich groteske Geschehnisse. Ihr Theaterprojekt scheitert, Arbeitslosigkeit, Krieg und Armut werden ihr präsenter und Lisa fragt sich, ob sie die Dinge nur anders wahrnimmt oder ob sich die Welt tatsächlich verändert hat. In dieser Irrfahrt durch den Alltag muss sich Lisa in ihr fremden Regeln behaupten und sich auch mit ihrer Identität auseinandersetzen.
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In die sie sich auf unerfindliche Weise selbst eingesperrt hat: Jedenfalls bekommt Lisa die Wohnungstür nicht mehr auf und muss aus dem Fenster steigen, um noch einigermaßen rechtzeitig vor Aufführungsbeginn ihre Garderobe im größten Sprechtheater der geteilten Stadt zu erreichen. Welche sie sich mit ihrer Kollegin Kipp teilt, die sehr skeptisch reagiert, als sie von einem neuen Rollenangebot erzählt. Lehrter, einst in der Weimarer Republik ein gefragter Theaterregisseur, ist von Göring persönlich ins KZ gesteckt worden, damit dieser sich mit dessen Muse vergnügen konnte auf Carinhall in der Schorfheide. Lehrter konnte in die Schweiz fliehen, hat aber im westlichen Nachkriegs-Deutschland bisher nicht recht Fuß fassen können als bekennender Antifaschist. Nun will er das seit Jahren leerstehende Hebbel-Theater in Kreuzberg mit einer Inszenierung von Goethes „Stella“ aus dem Dornröschenschlaf wecken – und hat Lisa für die Titelrolle vorgesehen.
Doch sie bleibt auch nach ersten persönlichen Gesprächen mit dem Theatermacher skeptisch, ob sie das Angebot annehmen soll. Zumal sie einer sehr befremdlichen Probe mit Andrea beiwohnte, welche ihre Rolle splitterfasernackt verkörpern soll. Aber damit noch nicht genug: Lehrter bekennt, schon ihre Mutter mehr als nur gekannt zu haben just in der Zeit, als Lisa zur Welt gekommen ist. Bei ihrem potentiellen Vater will sie lieber kein Engagement eingehen. Was auf großes Unverständnis ihrer Freundin Olga stößt, die nach längerer Arbeitslosigkeit sehr auf eine neue Chance angewiesen ist. Lisa verbringt nach den Vorstellungen einsame Stunden in den Szenekneipen zwischen Savigny- und Steinplatz. Und hat eingedenk ihrer surrealen häuslichen Situation Alptraumvisionen: Eine große Menge Wartender steht, wie frühmorgens bei der Schlussverkaufs-Eröffnung, vor verschlossenen Warenhaus-Türen.
Bis Brunke auftaucht, ein junger Autor aus Rotenburg an der Tauber, der Lehrter an der Stresemanstraße auflauert und vergeblich versucht, dem Theatermacher das Manuskript seines neuen Stückes zu überreichen. Lisa nimmt sich seiner an, lädt ihn in die eigene Wohnung ein, wobei Brunke ganz selbstverständlich das Türschloss-Problem löst und sich auch beim Schmücken des Weihnachtsbaums als nützlich erweist. Den Heiligen Abend aber verbringt Lisa traditionell bei den Molls, ihren Stiefeltern. Und träumt, mit ihrer seit langem verstorbenen Mutter Domino zu spielen. Nachher, in einem durch einen spektakulären Außenfahrstuhl erreichbaren Lokal unweit des Potsdamer Platzes mit weitem Blick in den Osten, trifft sie auf Olga und deren Freund Georg Zollner, der Lisa mit einer Entdeckung sogleich in den Bann zieht: Nofretete, die seit dem Krieg in einem eigenen kleinen, feinen Museum am Schloss Charlottenburg Besucherströme aus aller Welt anzieht, ist durch Mauer und Stacheldraht getrennt von ihrem männlichen Pendant Echnaton, welcher auf der Museumsinsel in Ost-Berlin, im Bodemuseum, ein unfreiwilliges Singledasein fristet.
Das Lisa für die Weihnachtstage nun für beendet erklärt, indem sie zu Georg Zollner zieht und mit ihm eine heftige Liebesbeziehung beginnt. Währenddessen hat es sich der von ihr so schnöde verlassene Brunke gemütlich gemacht in der fremden Wohnung und sich aus der Haushaltskasse bedient: Zwei Prostituierte bevölkern das Wohnzimmer, als Lisa plötzlich heimkehrt. Brunke natürlich sogleich vor die Tür setzt und den beiden Damen des horizontalen Gewerbes Obdach für eine kalte Nacht, in der auf der Straße eh‘ nichts zu verdienen wäre, gibt. Diese begleiten ihre Gönnerin anderntags sogar zur Probe ins Hebbel-Theater. Wo es zum Eklat zwischen Lisa und Lehrter kommt und sie ihm endgültig absagt. Solchermaßen aus dem Gleichgewicht gebracht, schmeißt Lisa auch noch eine „Macbeth“-Vorstellung im Schillertheater. Sie ruft Vera an, damit Agnes vorzeitig aus dem Urlaub zurückkehrt: Lisa will den Schauspielerberuf gänzlich an den Nagel hängen und noch einmal von vorn beginnen. Die Probe aufs Exempel kommt früher als gedacht: Lehrter hat erfolgreich versucht, sich das Leben zu nehmen. Nun zieht Lisa, die sich schuldig fühlt, in seine Theaterklause ein, raucht seine Zigarren. Und wehrt sich gegen einen weiteren Alptraum, in dem alle westdeutschen Arbeitslosen zum Domino-Spielen auf Südsee-Inseln verbannt werden sollen…
„Das Alte geht nicht und das Neue auch nicht“: Katharina Thalbachs von der Empore des Hebel-Theaters zu Bernhard Wicki gesprochene Worte gelten vor allem für ihren Lebensgefährten Thomas Brasch, mit dem sie 1976 die DDR verlassen hat im Zuge der Ausbürgerung Wolf Biermanns. Obwohl der damals 36-Jährige für sein Filmdebüt „Engel aus Eisen“ 1981 mit einer Nominierung für die Filmfestspiele in Cannes als offizieller deutscher Wettbewerbsbeitrag ausgezeichnet wurde, 1982 den Bayerischen Filmpreis und ein Jahr darauf den Silbernen Leoparden in Locarno erhielt, sah sich der in einer existentiellen Krise steckende Brasch verpflichtet, bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises durch den Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß für einen Eklat zu sorgen, indem er sich bei der Hochschule für Filmkunst in Babelsberg und damit bei der DDR für seine Ausbildung bedankte: Er wollte endlich als Künstler wahrgenommen werden, als Individuum und nicht als Rollenspieler, als politischer Dissident, nicht als Erfüllungsgehilfe des ihm verhassten kapitalistischen „Westens“.
Thomas Braschs besonders zum Ende hin quälend langer Film ist ein sehr persönlicher, vielfach verrätselter Ausdruck für sein Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein. Stets den Untergang des Abendlandes vor Augen ist er in beiden Deutschlands nicht zurecht gekommen. Manfred Karge, eine Beckett-Figur als Braschs Alter Ego, läuft immer wieder als rabenschwarzer Kohlenträger durch eine weiße Schneelandschaft. Die in seinem übersteigerten Misstrauen gegen alles und jeden selbstquälerische Haltung Braschs hat Georg Stefan Troller, der mit ihm 1977 für die ZDF-Reihe „Personenbeschreibung“ mehrere Gespräche führte, solchermaßen auf den Punkt gebracht: „Es ist schon anstrengend, immer auf der Höhe seines eigenen Zorns zu leben.“
Pitt Herrmann