Inhalt
Marie besitzt das Talent, sich immer wieder in die falschen Männer zu verlieben. Bei ihrem neuesten Schwarm aber scheint sie endlich einen Volltreffer gelandet zu haben: Der aus Palästina stammende Jeshua ist sensibel, geduldig, kann zuhören und zeigt sich in jeder Lebenslage verständnisvoll und hilfsbereit. Er wirkt zwar auch etwas kauzig, wenn er fremden Menschen spontan die Füße wäscht oder nicht weiß, was eine Tomate ist – aber das spielt für Marie angesichts seiner sonstigen Perfektion keine Rolle. Sie kann ja nicht ahnen, dass Jeshua eigentlich in einer ganz anderen Mission unterwegs ist: Bei ihrem neuen Freund handelt es sich nämlich um keinen Geringeren als den Sohn Gottes. Im Auftrag seines Vaters soll er auf der Erde die Apokalypse vorbereiten. Bis zum folgenden Dienstag hat Marie noch Zeit, um Gottes Sohn zu "bekehren" und den Weltuntergang abzuwenden.
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„Frauen sind aller Laster Anfang“: Gabriel, Kippe im Mundwinkel und nicht mehr ganz Herr seiner Sinne, schwankt in sein idyllisch neben der Kirche gelegenes Pfarrhaus, wo schon eine neue Herausforderung auf ihn wartet: Marie, eine attraktive junge Frau, der er sich auf besondere Weise verpflichtet fühlt. Sie hat es nicht immer leicht gehabt als Tochter des vielbeschäftigten Gynäkologen Werner und dessen Gattin Silvia, welche sich frühzeitig ihrer Mutterpflichten entledigt und sich auf einen Guru-Trip nach Indien begeben hat. Auch beruflich hat Marie, die sich selbst als „Schande von Bensberg“ sieht, viel Pech gehabt, weshalb Sven, das verwöhnte Muttersöhnchen, vielleicht gerade rechtzeitig in ihr Leben getreten ist.
„Ich heirate aus Liebe“: Marie beharrt auf ihrem Entschluss daheim am Küchentisch, an dem erstmals seit vielen Jahren auch ihre Mutter Platz genommen hat. Und nun eine gewisse Svetlana das Sagen hat. Die 26-jährige „Perle“ aus Weißrussland, die als erstes eine Tabledance-Stange in Maries Kinderzimmer installieren ließ, ist freilich auch nicht auf den Mund gefallen und weiß anzügliche Bemerkungen aus dem Familienkreis rasch zu kontern. Dafür bleibt Marie das „Ja“-Wort am Altar förmlich im Halse stecken – und die Hochzeit platzt.
Pfarrer Gabriel bleibt keine Zeit, sich von diesem Schock zu erholen. Angesichts der Einquartierung eines Gastes, der von einer geradezu magischen Aura umgeben ist: Er nennt sich Jeshua (ein ganz unmessianischer Softie, der einem Gegner zur Not auch die andere Wange hinhält: Florian David Fitz) und will sich ein wenig bei den Menschen umschauen. Jedenfalls bis nächsten Dienstag, dann ist Schluss nicht nur mit seinem Erdenwallen. Apokalypse now: Gabriel hat alle Hände voll zu tun, seinen jungen, offenherzigen und dabei auch noch ausgesprochen gut aussehenden Gast unter Kontrolle zu behalten. Denn wer eine Gläubige (dolle Nebenrolle: Christine Schorn) von ihrem Rollstuhl-Dasein befreit und einem Obdachlosen nicht nur zu einer üppigen Mahlzeit im Restaurant verhilft, sondern ihm auch noch öffentlich die Füße wäscht, kann nicht von dieser Welt sein.
Für diese durchaus zutreffende Einschätzung braucht Marie allerdings etwas länger. Denn Jeshua ist einfach zu perfekt. Rein äußerlich mit seinem vollen, schulterlangen Haar. Aber nicht nur das: endlich ein Mann, der zuhören kann, kein Egoist ist und eine ausgesprochen soziale Art offenbart. Zugegeben, ein bisschen seltsam ist er schon. Er kommt aus Palästina, wo es doch so viele Terroristen gibt, weiß nicht, was eine Tomate ist und kann völlig schwindelfrei das Dach des Pfarrhauses reparieren. Andererseits kann Marie weiß Gott eine Schulter zum Anlehnen gebrauchen...
„Gottes Liebe ist so wunderbar“ – und die Wege des Herrn sind so verschlungen wie die Liebespfade seiner Menschenkinder: Zuviel sollte nicht verraten werden von einer durchaus auch herzerfrischenden romantischen Komödie, die furios startet mit hohem Tempo und lockeren Sprüchen, welche freilich auch von Anzüglichkeiten nicht zurückschrecken. „Ich kam noch nie so schwer an mein Arbeitsfeld heran“ lautet eine solche des Gynäkologen über die zwischen Handschuhfach und Rücksitz eingeklemmte, letztlich aber nicht deshalb verhinderte Mutter des Bräutigams.
Zum Ende geht „Jesus liebt mich“ etwas die Luft aus, was aber auch daran liegt, dass dann grundsätzliche Dinge des Lebens verhandelt werden. Ein Film halt, der nach der Uraufführung am 12. Dezember 2012 in der Essener Lichtburg zur Weihnachtszeit in unsere Kinos gekommen ist, obwohl er eher ironisch mit den symbolschwangeren Bildern der Biblischen Geschichte umgeht und ein finales Happy End geschickt umschifft. Jedenfalls bleiben letzte Fragen offen, was nicht eben Standard ist bei den der reinen Unterhaltung dienenden TV-Koproduktionen.
„Der Tag, er naht.“ - „Ich weiß“: In seinem Regiedebüt übernimmt Florian David Fitz (Deutscher Filmpreis und Bambi als bester Darsteller, Bayerischer Filmpreis als bester Autor für „Vincent will Meer“) nicht nur die Titelrolle, sondern inszeniert auch selbst sein Drehbuch nach Motiven des Romans „Jesus liebt mich“ von David Safier. Dabei kann er auf ein tolles Ensemble bauen mit Jessica Schwarz, Henry Hübchen, Hannelore Elsner, dem Wiener Burgtheater-Protagonisten Nicholas Ofczarek als stinkendem Höllenhund von Satan und Michael Gwisdek als weisem Alten mit langen weißen Haaren und ebensolchem Vollbart. Free-TV-Premiere war am 7. August 2014 im ZDF.
Pitt Herrmann