Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

Deutschland Schweiz 2024/2025 Spielfilm

Inhalt

Die optimistische, lebensfrohe Studentin Lena, eingeschrieben für Germanistik und Puppenspiel, übernimmt im Auftrag des "Amtes für Ruhe und Ordnung" einen Job als Schreibtherapeutin. Bei ihrem Kurs gibt es allerdings nur einen einzigen Teilnehmer: Hugo Drowak, ein einsamer, alter Misanthrop voller Hass, ein Alkoholiker, der sich zwischen seinen leeren Flaschen eingeigelt hat - und der wenig zugänglich scheint. Doch Lena lässt sich davon nicht abschrecken. Ihr temperamentvoller Ehrgeiz weckt in Drowak völlig unerwartet sein literarisches Talent. Lena ist verzaubert von seiner Poesie über Liebe und Magie. Und je tiefer Drowak in seine Erinnerungen eintaucht, umso stärker erwachen verdrängte Dämonen in ihm. Lena kämpft darum, Drowak vor sich selbst zu schützen und ihm zu helfen, wieder an das Gute im Leben zu glauben.

Quelle: Filmfestival Max Ophüls Preis 2026

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Heinz17herne
Heinz17herne
Eine Ratte auf Erkundungstour durch die mit 4000 bis an die Decke gestapelten leeren Flaschen messiehaft vollgestopfte Behausung eines alten Säufers, der in einem der oberen Stockwerke eines brutalistischen Wohnhochhauses „lebt“. Hugo Drowak wehrt sich mit stoischer Beharrlichkeit, wenn es sein muss aber auch mit Urin gefüllten Luftballons und Zigarettenasche gegen paramilitärisch auftretende „AMT“-Männer, die ihn aus seiner Wohnung zerren wollen.

Schnitt. Mit dem Fahrrad ist die energiegeladene Germanistik-, Soziologie- und Puppenspiel-Studentin Lena Jacobi an monumentalen Betonbauten vorbei zum kurz „AMT“ genannten „Amt für Ruhe und Ordnung“ geradelt, um sich auf eine Stelle als Schreibtherapeutin zu bewerben. Weil die Schlange Wartender vor einer viel zu kleinen Aufzugstür lang ist, kämpft sie sich durch ein zugemülltes Treppenhaus bis zu Marlon Grohmann durch, dem „Sozialbearbeiter“ für die Buchstaben A bis E. Und lässt sich durch dessen horrible Stellenbeschreibung nicht abschrecken: Im Rahmen des Resozialisierungsprogramms „Tolerant und gewaltfrei durch Kreativität“ soll sie aus dem einsamen, hasserfüllten Alkoholiker Hugo Drowak durch „kreatives Schreiben“ einen gesellschaftsfähigen Bürger machen.

Auf einer von Marcula von der Aue, Sekretärin des skurrilerweise stets rückwärts laufenden Amtsleiters, organisierten Pressekonferenz, an der Lena Jacobi mit den anderen Tutoren teilnimmt, verkündet Grohmanns Chef, dass ein Scheitern des Programms ausgeschlossen ist. Doch der erste Arbeitstag Lenas ist wenig ermutigend: Zum einen antwortet Drowak auf ihre Frage, was ihm zum Glück fehlt, mit: „Die Abwesenheit aller Menschen.“ Zum anderen findet sie anschließend ihr im Treppenhaus abgestelltes Fahrrad skelettiert vor. Beim zweiten Treffen ist ihr Hugos Nachbar und bester, da einziger Freund Edgar, der regelmäßig für flüssigen Nachschub sorgt, als Eisbrecher behilflich – und ein erster gemeinsamer Schreibversuch zum Thema „Sehnsucht“ offenbart Hugo Drowaks erstaunliches erzählerisches Talent.

Als es den „AMT“-Männern endlich gelungen ist, Hugo aus seiner Wohnung herauszuholen, führt sein erster Weg naturgemäß zu Edgar. Aber dessen fürchterliche Frau Lore ist nicht auszuhalten, weshalb Lena den Obdachlosen in ihrer Wohnung aufnimmt. Wo der sich bisher von Dämonen, Ratten und anderem Getier verfolgt fühlende Hugo zur Ruhe kommt und sich an, nun wird der Schwarzweiß-Film farbig, an die eigene Jugendzeit erinnert: Hugo lernt auf einem Musikfestival die finnische Studentin Ana Pajua kennen und lieben. Es ist die alte Geschichte: Als sie schwanger ist, freut er sich nicht wirklich, sein Freiheitsdrang ist größer als die Liebe zu Ana und die Verantwortung für das Kind.

„Pure Poesie“: Die Texte, die der alte Drowak auf Lenas Schreibmaschine tippt, kommen beim Amtsleiter an, sodass Hugo wieder in seine alte Sozialwohnung ziehen kann. Gleichzeitig bemüht sich der „Sozialbearbeiter“ um Lenas Gunst, was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht, bis sie Grohmann mit einer anderen erwischt. Aber auch Lenas Verhältnis zu Hugo wird nachhaltig gestört, als sie sein Manuskript ungefragt an einen Verlag weitergegeben hat, was er als Vertrauensmissbrauch empfindet…

Der Schweizer Regisseur Nicolas Steiner, der bislang vorwiegend in dokumentarischen Formaten arbeitete, hat mit seinem ersten Spielfilm eine leicht kafkaesk-dystopische Tragikomödie inszeniert, in der die Schatten der Vergangenheit bis in die Gegenwart reichen – und zu Literatur werden. Steiner gelingt es, in schwarzweißen Bildern eine fast surreale Gegenwartswelt zu schaffen, mit brutalistisch anmutenden Bauten und kantigen Wohnklötzen, während er die Szenen in der Vergangenheit in warmen Farben wiederaufleben lässt.

Mit einer hochkarätigen Besetzung verfilmte der Regisseur das Drehbuch der Dortmunder Schriftstellerin Bettina Gundermann, das sie gemeinsam mit Pascal Nothdurft erarbeitete, mit vielen skurrilen Einfällen und Anspielungen. So taucht Dominique Pinon aus Jean-Pierre Jeunets Film „Delicatessen“ in einer kleinen, tragischen Rolle als Freund Hugos auf. Allerdings mit verändertem Schluss, so Nicolas Steiner im Presseheft: „In einer frühen Fassung hat sich Hugo aus dem Fenster gestürzt. Da es für mich im Film auch darum geht, dass Hugo sein Trauma zu überwinden versucht, fand ich einen lebensbejahenderen Schluss passender, auch vor dem Hintergrund der Poesie des Films. Hugos Schicksal ist inspiriert von einer Geschichte, die ich im ersten Seminar an der Filmakademie in Ludwigsburg geschrieben habe, angelehnt an ein echtes, tragisches Ereignis in der Region. Ein Mann, der auf der Straße lebte, legte sich in einen Altpapiercontainer und wurde am nächsten Tag von der Müllabfuhr mitgenommen.“

Karl Markovics hat für den herausfordernden Part des Hugo Drowak als eine Mischung aus Arschloch und liebenswertem Menschen auf eine große Rolle in Wes Andersons „Der Phönizische Meisterstreich“ verzichtet. An seiner Seite brilliert die Zürcherin Luna Wedler, die 2025 in Venedig mit dem Marcello-Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin für ihre Rolle in „Silent Friend“ ausgezeichnet worden ist.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Kamera-Assistenz

Farbkorrektur

Visuelle Effekte

Standfotos

Licht

Kamera-Bühne

Ausstattung

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Casting

Darsteller

Producer

Produktionsleitung

Produktions-Koordination

Erstverleih

Dreharbeiten

    • 28.02.2024 - 16.04.2024: Rottweil, Freiburg, Basel, Köln, Paris
Länge:
128 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
s/w + Farbe, 7.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 31.07.2025, 271724, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): Juni 2025, Shanghai, IFF - Wettbewerb;
Erstaufführung (DE): 19.01.2026, Saarbrücken, Max Ophüls Preis;
Kinostart (DE): 19.02.2026

Titel

  • Originaltitel (DE) Sie glauben an Engel, Herr Drowak?
  • Weiterer Titel (eng) You Believe in Angels, Mr. Drowak?

Fassungen

Original

Länge:
128 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
s/w + Farbe, 7.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 31.07.2025, 271724, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): Juni 2025, Shanghai, IFF - Wettbewerb;
Erstaufführung (DE): 19.01.2026, Saarbrücken, Max Ophüls Preis;
Kinostart (DE): 19.02.2026