Inhalt
Verfilmung der Lebenserinnerungen des langjährigen Südostasien-Korrespondenten des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Tiziano Terzani, der im Juli 2004 starb: Nachdem er viele Jahre lang die ganze Welt bereist hat, zieht Terzani sich mit seiner Frau Angela in ein abgelegenes Haus in der Toskana zurück, um in seiner italienischen Heimat zu sterben. Er bittet seinen in New York lebenden Sohn Folco zu sich, um ihm die Geschichte seines Lebens zu erzählen – von seiner Jugend in Florenz über seine drei Jahrzehnte als Asienkorrespondent bis hin zu seiner Reise zu sich selbst, als er von seiner Krebserkrankung erfährt. Drei prägende Jahre verbringt er bei einem großen Weisen in der Einsamkeit des Himalaya. Hier lernt er, dem Tod gelassen entgegen zu sehen.
Im Verlauf des Vater-Sohn-Gesprächs kommt es zu einer Vertrautheit, die sich nie zuvor einstellen wollte. Sämtliche Spannungen können sich lösen. Am Ende wird Folco den Wunsch seines Vaters erfüllen und dessen Erinnerungen als Buch herausgeben. Der Titel: "Das Ende ist mein Anfang".
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Er will ihm nicht nur die Geschichte seines aufregenden Journalisten-Lebens erzählen, schließlich war der 1938 in ärmlichen Verhältnissen in Florenz geborene Terzani einer der ersten westlichen Reporter, die Mao in sein bis dahin von der Außenwelt abgeschottetes kommunistisches Reich einreisen ließ, sondern vor allem seine spirituellen Erfahrungen weitergeben, die er drei Jahre als Eremit im Himalaya gesammelt hat. Nach einer Darmkrebs-Diagnose hatte sich Terzani, noch keine Sechzig, über Nacht aus dem Journalismus zurückgezogen.
Zur Vorbereitung auf den Tod als „letztes großes Abenteuer“ versammelt Terzani in seinem nur zu Fuß erreichbaren Berghaus, das in der nördlichen Toscana an der Grenze zur Emilia Romana liegt und weder über Fernsehen noch über Internet-Zugang verfügt, seine Familie mit der deutschstämmigen Gattin Angela, die ihn auf vielen beruflichen Stationen begleitet hat, seiner Tochter Saskia und seinem Enkelsohn Novi. Tiziano hat sein Leben gelebt, hat nichts ausgelassen und also auch nichts versäumt. Der Tod ist das letzte Neue in seinem Leben, wobei er sich die indische Sichtweise zu eigen gemacht hat, dass man zuletzt den eigenen Körper verlässt – ohne den Moment der Trennung und damit auch ohne Angst. Danach ist die Erde ein einziger großer Friedhof all' derer, die auf ihr gelebt haben.
Vater und Sohn, deren Beziehung bisher alles andere als unkompliziert gewesen ist, kommen sich in langen Gesprächen und philosophischen Reflexionen näher, das unzugängliche Idyll wird nur durch das eine oder andere Telefonat mit dem ungeduldigen Verleger unterbrochen. Sie unternehmen eine lange, beschwerliche Bergwanderung, in der Tiziano eingesteht, zu lange Schatten für seinen Sohn geworfen zu haben. Der ihm nun auch ganz praktisch nahe kommt, hautnah im wörtlichen Sinne, denn Folco hat als Pfleger bei Mutter Teresa in Kalkutta die Handgriffe gelernt, um seinem Vater in dessen kleiner tibetanischen Klause zur Hand gehen zu können.
Am Ende, nach drei Monaten, stirbt Tiziano Terzani im Juli 2004 im Kreis seiner Familie, die sich inzwischen um ein weiteres Enkelkind vergrößert hat, in seinem Berghaus. Folco wird seine Asche in den toscanischen Bergen in den Wind streuen und später die 400 Seiten umfassenden Lebenserinnerungen seines Vaters unter dem Titel „La fine è mio initio“ („Das Ende ist mein Anfang“ bei DVA) herausgeben, die nicht nur in Italien rasch zu einem Bestseller werden.
Jo Baiers Kammerspiel nach einem „entdramatisierten Drehbuch“ (Ulrich Limmer) lebt zum einen von der Authentizitiät des Ortes: Kamerafrau Judith Kaufmann konnte im Berghaus der Terzanis drehen und zudem berückende Landschaftsbilder aufnehmen, die bewusst nicht die bisweilen minutenlangen Monologe und Vater-Sohn-Dialoge bebildern, um eigene Bilder im Kopf der Zuschauer entstehen zu lassen.
Zum anderen steht natürlich Bruno Ganz mit einer schauspielerischen Tour de Force ganz im Mittelpunkt dieses eindrucksvollen und zeitlosen Dramas menschlicher Möglichkeiten im Angesicht des Todes. An seiner Seite überzeugen der junge italienische Schauspielstar Elio Germano (Preis als bester Darsteller in Cannes 2010 für „La nostra vita“) als Sohn Folco und die Wienerin Erika Pluhar als nicht minder lebensweise Gattin Angela. Arte sorgte am 18. Juli 2012 für die Erstausstrahlung.
Bruno Ganz im Universum-Presseheft: „Die Quintessenz ist die Zurückeroberung des Paradieses, das nicht mehr Entzweitsein mit der Welt. Im Himalaya auf etwa 6000m Höhe sieht er eines Tages einen kleinen Marienkäfer, der über einen tiefen Abgrund Richtung Berge fliegt und stellt sich vor, er sei dieser Marienkäfer. Dieses Wiederfinden der Einheit, dieses kosmische Gefühl, dass man nur ein Teil ist von Allem in Zusammenhang mit dem Warten auf den Tod, das wird in dieser Szene ausgedrückt und vollständig nachempfunden. Das wird mir in Erinnerung bleiben, mehr als die Reiseberichte.“
Pitt Herrmann