Elfi Mikesch

Elfi Mikesch

Weitere Namen: Elfriede Mikesch (Geburtsname)
Darstellerin, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Bauten, Kostümbild, Maskenbild, Schnitt, Ton, Sonstiges, Produzent, Produktionsleitung, Aufnahmeleitung
*31.05.1940 Judenburg, Österreich

Biografie

Elfriede Mikesch, geboren am 31. Mai 1940 in Judenburg, Österreich, als Tochter eines Filmvorführers, begann nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Fotografin. Da sie jedoch mit der Lehre unzufrieden war, begann die kulturell sehr interessierte junge Frau, sich als Malerin zu betätigen. Ende der 1950er Jahre zog sie nach Innsbruck, wo sie den Maler Fritz Mikesch kennen lernte. 1960 heirateten die beiden und zogen drei Jahre später nach Frankfurt am Main. Dort lernte Elfi Mikesch den Filmemacher Rosa von Praunheim kennen, mit dem sie später vielfach zusammenarbeitete.

1965 zog das Ehepaar nach West-Berlin, wo Elfi Mikesch im Verlag V. Magdalinski arbeitete und unter anderem an einer mehrteiligen Publikation ihres Mannes beteiligt war. Unter dem Pseudonym "Oh Muvie" veröffentlichte sie 1969 gemeinsam mit Rosa von Praunheim "Oh Muvie", eine wie sie in einem Interview sagte "Berliner anarchistische Photogeschichte". Neben ihrer Tätigkeit als Fotografin begann sie zu dieser Zeit auch, erste Super-8-Filme zu drehen. 1970 realisierte sie mit "Charisma", nach Motiven der Erzählung "The Mask of the Red Death" von E. A. Poe, ihren ersten langen Super-8-Film.

Gemeinsam mit von Praunheim und ihrem Mann Fritz trat sie 1971 eine Weltreise an, auf der unter von Praunheims Regie der Film "Leidenschaften" entstand. Elfi Mikesch führte die Kamera und zeichnete für die Kostüme und das Maskenbild verantwortlich; die Hauptrolle spielte Fritz Mikesch.

1977 produzierte sie die Dia-Show "A Study of Mary", eine Studie über die schottische Königin Maria Stuart. Das 22-minütige, experimentelle Kunstprojekt bestand aus Standfotos und einer Dia-Serie, die von Geräuschen, Musik und Sprachfetzen begleitet und kontrastiert wurden. Im Jahr darauf entstand mit "Something Cool" eine weitere Dia-Show. In diesen Jahren realisierte Mikesch außerdem mehrere Fotoserien, untere anderem über und mit Rosa von Praunheim, Frank Ripploh und Bernd Broaderup, sowie Xerografie-Bücher, die im sie im Eigenverlag publizierte.

Von Juni 1978 bis April 1980 war sie für die Umschlaggestaltung der Zeitschrift Frauen und Film verantwortlich, in der sie auch ihre Fotogeschichte "flageolett" über die Filmmacher Silke Grossmann und Heinz Emigholz veröffentlichte.

Für ihren Dokumentarfilm "Ich denke oft an Hawaii" erhielt sie 1978 einen Deutschen Filmpreis. Für ihren Kurzfilm "Execution: A Story of Mary" wurde sie 1980 zum zweiten Mal mit dem Deutschen Filmpreis geehrt. Im gleichen Jahr drehte sie "Was soll'n wir denn machen ohne den Tod", einen hoch gelobten Dokumentarfilm über zwei Frauen in einem Hamburger Altersheim. "Macumba" (1982) verknüpfte eine experimentelle Filmsprache mit narrativen Spielfilm-Strukturen. 1983 realisierte Mikesch die kurzen Experimentalfilme "Die blaue Distanz" und "Das Frühstück der Hyäne". Bei Cynthia Beatts "Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl" und Rosa von Praunheims "Horror Vacui" führte sie die Kamera. Insbesondere bei von Praunheims Film zeichnet sich ihr visueller Stil durch expressiv verkantete Blickwinkel aus. Im folgenden Jahr zeichnete sie bei Werner Schroeters "Der Rosenkönig" für die Bildgestaltung verantwortlich.

Gemeinsam mit Monika Treut entwickelte sie nach Motiven aus Sacher-Masochs Roman "Venus im Pelz" das Projekt "Verführung: Die grausame Frau", das 1983 jedoch zunächst ein Opfer der durch Bundesinnenminister Zimmermann verschärften Filmpolitik wurde. Schließlich konnte der Film mit Unterstützung der Filmbüros von Hamburg und Nordrhein-Westfalen realisiert werden. Auf der Berlinale 1985 feierte er im Internationalen Forum des jungen Films Premiere, wurde von Publikum und Kritik allerdings eher verhalten aufgenommen.

In den Jahren danach betätigte Elfi Mikesch sich in erster Linie als Kamerafrau, zumeist bei Dokumentarfilmen für Kino und Fernsehen. In dieser Funktion arbeitete sie häufig mit Werner Schroeter (u.a. "Poussières d'amour – Abfallprodukte der Liebe", 1996; "Deux", 2003) und Rosa von Praunheim (u.a.: "Der Einstein des Sex", 1999; "Meine Mütter", 2007; "Rosas Höllenfahrt", 2009) zusammen. Außerdem mit Monika Treut (u.a.: "Female Misbehaviour", 1992; "Kriegerin des Lichts", 2001; "Den Tigerfrauen wachsen Flügel", 2005) und Harald Bergmann (u.a.: "Passion Hölderlin", 2004; "Brinkmanns Zorn", 2006). Dreimal wurde sie im Lauf der Jahre mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet: 1986 für "Der Rosenkönig", 1992 für "Malina" und 2006 mit einem Ehrenpreis.

Daneben realisierte Elfi Mikesch gleichwohl immer wieder eigene Regiearbeiten, meist in Personalunion auch als Autorin und Kamerarau. So etwa die Dokumentationen "Verrückt bleiben, verliebt bleiben" (1997), über das wechselhafte Leben des Theatermanns Torsten Ricardo; "Mon Paradis - Der Winterpalast", über fünf ältere Menschen aus St. Petersburg, deren Leben auf wundersame Weise in der Eremitage eine Schnittstelle findet. Oder aber den Spielfilm "Hahnemanns Medizin" (2006, TV), über Samuel Hahnemann (1755-1843), den Vorreiter der Homöopathie, sowie die TV-Dokumentation "Zisternen - Istanbuls versunkene Paläste" (2008).

2011 stellte Mikesch gleich zwei Regiearbeiten vor: die Kinodokumentation "Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter" und das fürs Fernsehen realisierte Kleinstadtporträt "Judenburg findet Stadt".

Für den Kompilationsfilm "Rosas Welt" (2012, TV), eine Zusammenstellung kurzer Dokumentarfilme des Filmemachers Rosa von Praunheim, führte Mikesch bei den Segmenten "Ich bin ein Gedicht" und "Eva Mattes" Co-Regie. Ihr Kinofilm "Fieber" (AT/LU 2014), über eine Frau, die einem dunklen Geheimnis ihres Vaters aus der Zeit der französischen Kolonialkriege nachspürt, wurde im Panorama der Berlinale 2014 mit dem Special Teddy Award ausgezeichnet.

Als Kamerafrau zeichnete Mikesch in den letzten Jahren bei Harald Bergmanns Filmessay "Der Schmetterlingsjäger - 37 Karteikarten zu Nabokov" (2014) und bei Rosa von Praunheims Filmbiografie "Härte", über das tragische Leben des Karate-Champions Andreas Marquardt, für die Bildgestaltung verantwortlich.

Filmografie

2016/2017 Überleben in Neukölln
Kamera
 
2015/2016 Welcome all Sexes - 30 Jahre Teddy Awards
Mitwirkung
 
2015-2017 ACT! - Wer bin ich?
Kamera
 
2014/2015 Härte
Kamera
 
2013/2014 Fieber
Regie, Drehbuch
 
2012 Eva Mattes
Co-Regie
 
2012 Rosas Welt
Co-Regie
 
2012 Ich bin ein Gedicht
Regie, Drehbuch
 
2012 Aladin - Weg ins Paradies
Kamera
 
2010/2011 Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter
Regie, Drehbuch, Kamera
 
2010-2014 Der Schmetterlingsjäger - 37 Karteikarten zu Nabokov
Kamera
 
2010 Judenburg findet Stadt
Regie, Drehbuch, Kamera
 
2010 Ecstasy: Die Sehnsucht und Einsamkeit der Laura Stearn
Kamera
 
2009 Rosas Höllenfahrt
Kamera
 
2008/2009 24 h Berlin - Ein Tag im Leben
Regie
 
2007/2008 Tote Schwule - Lebende Lesben
Kamera
 
2007 Fassbinders Berlin Alexanderplatz. Ein Megafilm und seine Geschichte
Kamera
 
2006/2007 Meine Mütter - Spurensuche in Riga
Kamera
 
2006 Hahnemanns Medizin
Regie, Drehbuch, Kamera
 
2005/2006 Brinkmanns Zorn
Kamera
 
2005 Made in Taiwan
Kamera
 
2004/2005 Den Tigerfrauen wachsen Flügel
Kamera
 
2003 Ich bin der Eiffelturm
Kamera
 
2003 Passion Hölderlin
Kamera
 
2002-2005 D'Annunzios Höhle
Kamera
 
2002 Pfui Rosa!
Mitwirkung
 
2001/2002 Deux
Kamera
 
2001/2002 Mon Paradis - Der Winterpalast
Regie, Drehbuch, Kamera
 
2001 Ein Fremder
Kamera
 
2000/2001 Kriegerin des Lichts
Kamera
 
2000 Für mich gab's nur noch Fassbinder
Kamera
 
1999/2000 Die Markus Family
Regie, Drehbuch, Kamera
 
1998/1999 Der Einstein des Sex
Kamera
 
1998/1999 Gendernauts
Kamera
 
1998 En la casa de dios aun hay vacantes
Schnitt
 
1997 Life, Love & Celluloid
Kamera
 
1996/1997 Daily Chicken
Kamera
 
1996/1997 Verrückt bleiben, verliebt bleiben
Mitwirkung, Regie, Drehbuch, Kamera
 
1996 Stroh zu Gold
Mitwirkung
 
1995/1996 Poussières d'amour
Kamera
 
1994/1995 Out of America
Kamera
 
1994 Let's Talk About Sex
Kamera
 
1993/1994 Hey Stranger
Kamera
 
1993-1995 Gefährliche Orte
Regie
 
1993 Soldaten Soldaten
Regie, Drehbuch, Kamera
 
1992/1993 Female Misbehavior
Kamera
 
1990/1991 My Father Is Coming
Kamera
 
1990/1991 A Idade Maior
Kamera
 
1990/1991 Malina
Kamera
 
1989/1990 Feuer unterm Arsch
Kamera
 
1989 Annie
Kamera
 
1989 Marocain
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1987/1988 Die Jungfrauenmaschine
Kamera, Standfotos, Produzent
 
1987 Anita - Tänze des Lasters
Kamera
 
1985/1986 Ein Virus kennt keine Moral
Kamera
 
1984/1985 Verführung: Die grausame Frau
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1984-1986 Der Rosenkönig
Darsteller, Kamera
 
1983/1984 Horror Vacui
Kamera
 
1983/1984 Mikado
Regie-Assistenz
 
1983 Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl
Kamera
 
1983 Bondage
Kamera
 
1982/1983 Die blaue Distanz
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Produzent
 
1982/1983 Das Frühstück der Hyäne
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produzent
 
1982/1983 Okiana
Beratung
 
1981/1982 Macumba
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1981/1982 Im Jahr der Schlange
Kamera
 
1981-1983 Canale Grande
Darsteller, Kamera, Maske
 
1980 Apocalypso
Regie, Produzent
 
1979/1980 Palermo oder Wolfsburg
Standfotos
 
1979/1980 Was soll'n wir denn machen ohne den Tod
Mitwirkung, Sprecher, Regie, Drehbuch, Interviews, Kamera, Licht, Schnitt, Produzent, Aufnahmeleitung
 
1979-1985 Die Basis des Make-Up I
 
1979 Execution. A Study of Mary
Regie, Regie (Sonstiges), Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Standfotos, Schnitt, Produzent
 
1977/1978 Ich denke oft an Hawaii
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Requisite, Kostüme, Maske, Schnitt, Ton, Produzent, Co-Produzent, Produktionsleitung
 
1971/1972 Leidenschaften
Kamera, Kostüme, Maske, Ton
 
1971 Salome
Maske
 
1970 Charisma. Eine Erinnerung an den Tod
Regie, Drehbuch, Kamera, Kostüme