Abschied. Brechts letzter Sommer

Deutschland 1999/2000 Spielfilm

Inhalt

Deutschland, August 1956. Der Schriftsteller Bertolt Brecht hat den Sommer in seinem Ferienhaus in Brandenburg verbracht. Nun steht die Rückkehr nach Berlin bevor. Brecht muss die kommende Theatersaison vorbereiten. In dem Sommerhaus verbringt er seinen letzten Ferientag mit all den Frauen, die in seinem Leben von Bedeutung sind: seine Ehefrau Helene und seine Tochter Barbara, seine Assistentin Elisabeth und seine alte Geliebte Ruth. Außerdem die junge Schauspielerin Käthe sowie die zarte Isot mit ihrem Ehemann, dem Philosophen Wolfgang Harich. Es wird diskutiert, geraucht, gegessen, gestritten, geliebt und gehasst. Für den egomanen Künstler Brecht ist dieser ebenso schmerzhafte wie erfüllte Sommertag einer der letzten seines Lebens. Vier Tage später stirbt er in Berlin an Herzversagen.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Brechts letzte Sommertage im idyllischen Buckow. Zusammen mit seinem „Harem“ wird der Dichter und Theaterdirektor, kongenial verkörpert von Josef Bierbichler, von Fieber- und Hustenanfällen geplagt. Um ihn herum seine Gattin Helene Weigel als Mutter der Kompanie, seine jungmädchenhafte Tochter Barbara, die sehr zurückhaltend auftretende Elisabeth Hauptmann als Brechts Verwalterin und Herausgeberin seines Werkes, die junge BE-Schauspielerin und Brecht-Muse Käthe Reichel sowie und B.B.s Ex-Geliebte und Ex-Mitarbeiterin Ruth Berlau, die Margit Rogall als frustrierte Alkoholikerin und Hysterikerin gibt.

Zu Besuch sind der befreundete Schriftsteller Wolfgang Harich und seine junge Lebensgefährtin Isot Kilian, mit der der Gastgeber naturgemäß auch ein Verhältnis hat. Zu Arbeitsgesprächen im Vorfeld der bevorstehenden Saisoneröffnung am Schiffbauerdamm reisen Brechts Assistenten Manfred Wekwerth und Peter Palitzsch mit dem Motorrad aus Berlin an.

Harich hat sich mit dem SED-Regime Walter Ulbrichts angelegt, träumt von einem unabhängigen, selbstbewussten sozialistischen Staat und von vermeintlichen Verbündeten in der Sowjetunion. Doch die sind nur Ausgeburten seiner Phantasie, wie Harich auch vergeblich auf Brechts Zustimmung hofft. Der alte Fuchs ist für Harichs Sache aber nicht zu gewinnen – und draußen lauert bereits die Stasi. Die greift jedoch erst bei der Abfahrt der ganzen Gesellschaft, buchstäblich im Rücken Brechts, zu – was die stets besorgte Helene Weigel klug eingefädelt hat.

Es ist ein besonders heißer Sommer anno 1956. Die Tage gehen mit Schwimmen im nahegelegenen Schermützelsee, mit deftigem Essen und mit philosophischen Diskursen dahin. Manchmal sieht man B.B. auch an der altertümlichen Schreibmaschine einige Verszeilen hacken, die ihm seine Muse Käthe Reichel sogleich vorlesen muss.

Schwül sind aber auch die Beziehungen der Frauen, die wie Monde um die Sonne des weltberühmten Dichters kreisen. Der im Film arg matronenhaft verkörperten Helene Weigel gelingt es nur mit äußerster Anstrengung und großer, aus Selbstbewusstsein gespeister Ruhe, den „Harem“ einigermaßen konfliktfrei zusammenzuhalten. Dass diese Frau noch bis Anfang der 1970er Jahre das Berliner Ensemble leitet und zu einer der führenden Bühnen Europas, ja der Welt, macht, blenden Klaus Pohl und Jan Schütte schlichtweg aus.

Darin liegt auch die Schwäche des ganz privaten, elegischen Films „Abschied. Brechts letzter Sommer“, der besser mit „Buckower Elegien“ betitelt worden wäre. In dem Wissen um den nahen Tod Brechts lassen uns die beiden Filmemacher teilhaben am Privatmann B.B., eingebettet in die spätsommerliche Stimmung der Märkischen Schweiz. Der Vorzug des Films liegt bei seinen beiden herausragenden Protagonisten: Josef Bierbichler und Monica Bleibtreu.

Dabei ist der Bierbichler Sepp eher ein massiges bayerisches Urgestein als ein drahtiger fränkischer Intellektueller, als den wir Brecht aus zeitgenössischen Bildern wahrnehmen. Aber vielleicht wie kein zweiter ist Bierbichler in der Lage, die Widersprüchlichkeit der Persönlichkeit Brechts körperlichen Ausdruck zu verleihen. Etwa im Umgang mit der hysterischen Ruth Berlau („Jedes Tier kann es“), die aus frustrierter Liebe zum Theater-Olympier allen Beteiligten der Buckower Landpartie den Aufenthalt in der Idylle zur Hölle macht.

Letztlich ist „Abschied“ ein Fernsehformat, kein genuiner Kinostreifen. Und darüber hinaus ein „Bio-Pic“, das es mit der historischen Wahrheit nicht immer ganz genau nimmt. „Anständige Konfektionsware“ schreibt Detlev Friedrich in der „Berliner Zeitung“: Er kritisiert zu Recht – und auch wieder kleinlich – dramaturgische Fehler der Filmemacher, denen er allgemeines Desinteresse an der historischen Wahrheit und den politischen wie (literatur-) geschichtlichen Zusammenhängen vorwirft. Aber darf man das von einem Spielfilm überhaupt erwarten, der mehr sein will als ein dokumentarisches Zeitzeugnis?

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Musik

Darsteller

Alle Credits

Regie

Drehbuch

Steadicam

Ausstattung

Requisite

Schnitt

Ton-Design

Mischung

Casting

Musik

Musik-Ausführung

Darsteller

Co-Produzent

Produktionsleitung

Geschäftsführung

Späterer Verleih

Dreharbeiten

    • 01.08.1999: Szczecinek (Klein-Stettin. Polen)
Länge:
2544 m, 93 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby SR
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.08.2000, 85654, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (FR): 14.05.2000, Cannes, IFF - Un certain regard;
Kinostart (DE): 14.09.2000;
TV-Erstsendung: 12.10.2001, Arte

Titel

  • Originaltitel (DE) Abschied. Brechts letzter Sommer
  • Schreibvariante Abschied - Brechts letzter Sommer

Fassungen

Digitalisierte Fassung

Länge:
93 min
Format:
DCP, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby SR

Original

Länge:
2544 m, 93 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby SR
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.08.2000, 85654, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (FR): 14.05.2000, Cannes, IFF - Un certain regard;
Kinostart (DE): 14.09.2000;
TV-Erstsendung: 12.10.2001, Arte