Fenster zum Sommer

Deutschland Finnland 2010/2011 Spielfilm

Inhalt

Viele Jahre war Juliane mit Philipp zusammen. Vor kurzem aber hat sie ihn verlassen, weil sie in August ihre große Liebe gefunden zu haben meint. Nun verbringen die beiden in Finnland ihren ersten gemeinsamen Sommerurlaub. Eines Tages geschieht etwas Eigentümliches: Juliane durchlebt eine Art Zeitsprung zurück in die Vergangenheit und wacht unvermittelt im winterlichen Berlin auf. Sie ist auch wieder mit Philipp zusammen. Nun stellt sich die Frage, ob August und der Urlaub nur ein Traum waren? Gespannt und zugleich verunsichert lässt Juliane die Zukunft erneut auf sich zukommen.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Kann man den Weg der Liebe beeinflussen, wenn man zu wissen glaubt, wo und wann sie einem widerfährt? Können zwei Menschen ein zweites Mal ein Paar werden, auch wenn einer vom ersten Mal gar nichts weiß? Mit „Fenster zum Sommer“ erzählt Hendrik Handloegten eine geheimnisvolle Liebesgeschichte, die als Road Movie ihren Anfang nimmt, in einer so abgelegenen wie wunderschönen Landschaft um Oulu an der Grenze zu Lappland, wo an schnurgeraden Straßen vor Elch-Querungen gewarnt wird.

Sommer in Finnland. Romantische Sonnenauf- und -untergänge, Ansichtskarten-Natur unter traumhaftem skandinavischem Mittsommernachtshimmel, keine Mücke weit und breit. Juliane Kreisler und August Schelling genießen ihren ersten gemeinsamen Urlaub. Sie sind auf dem Weg zu ihrem Vater, mit dem Juliane auf Finnisch spricht, wenn sie mit ihm telefoniert. Bei einer Rast an einem See wagt August einen Kopfsprung – und scheint gar nicht wieder aufzutauchen.

Juliane taucht derweil in der eigenen Vergangenheit unter. Die spielt in Berlin, wo sie im Kaffeehaus mit ihrer Freundin Emily Blatt (frisch und geradeheraus, nervös und chaotisch, herrlich berlinerisch: die erneut schier unglaubliche Fritzi Haberlandt) verabredet ist. Dann taucht auch noch ihr „Ex“ Philipp Hobrecht auf, der sie an einen gemeinsamen Geschäftstermin erinnert. Traum, Alptraum, Flashback, Realität? Es ist jedenfalls Winter und der Ort ist Berlin. Und Emily ist vor dem Café Central noch nicht vom Auto erfasst worden – mit tödlichen Folgen.

Juliane fühlt sich im falschen Film, als August wieder auftaucht. Aus dem See im sommerlichen Finnland. Als beide wieder im Auto sitzen, erinnert sie sich an ihr erstes Zusammentreffen daheim in Berlin: Es war Liebe auf den ersten Blick. Schon schläft Juliane in Augusts Armen ein – und hat erneut Bilder vor Augen, die sich Wochen zuvor ereignet haben. Auf dem Weg ins Büro trifft Juliane ihre Freundin Emily, die ihren Sohn Otto zur Schule bringt. Später fährt Juliane mit Philipp, dessen Sekretärin (Steffi Kühnert) plötzlich ihren Namen nicht mehr kennt und sich weigert, ihr weiterzuhelfen, zu einem Makler Kupferschmidt, um gemeinsam eine Eigentumswohnung zu kaufen: Letzter Versuch, der Routine einer längst erschlafften Beziehung zu entfliehen. Seltsamerweise weiß Juliane jedes Wort des Gesprächs im voraus. Wird sich ihr bisheriges Leben noch einmal wiederholen?

Juliane wartet, um Klarheit zu gewinnen, vor Augusts Wohnung. Als der Architekt, mit dem sie jetzt durch Finnland fährt, mit Rebecca das Haus verlässt, verfolgt sie die beiden und spricht August unter einem Vorwand an: Er erkennt sie nicht. Verzweifelt erzählt Juliane in der Kantine Emily von ihrem Dilemma, einen Mann zu lieben, der sie noch gar nicht kennt. Die ist aber abgelenkt, weil erstmals mit ihrem Schwarm Matthias verabredet, weshalb Juliane am Abend auf den siebenjährigen Otto aufpassen soll. Dort schreibt sie August einen Brief mit zahlreichen Details ihres gemeinsamen Erlebens, den dessen eifersüchtige Freundin Rebecca freilich abfängt. Die Verabredung mit August in einem Restaurant endet im Eklat: Rebecca schmeißt die Brocken hin, August geht zu einem Empfang, wohin ihm Juliane folgt. Beim finnischen Tango kommen sich beide näher – und landen im Hotelbett.

Juliane beschließt, dem Schicksal seinen Lauf zu lassen. Mit einer Ausnahme: Sie will alles richtig machen um damit ihrer Freundin sozusagen posthum das Leben zu retten. Eine Überforderung: Juliane bricht in der Kantine zusammen und findet sich in der Klinik wieder. Emily nimmt sie erst einmal zu sich nach Hause mit. Wo Juliane folgenden Plan entwickelt: Wenn Emily mit Sohn und neuem Freund den bewussten Tag draußen, außerhalb der Stadt, zubringt, kann es auch nicht zum Unfall an der Kudamm-Kreuzung vor dem Kaffeehaus kommen. Doch Matthias, das Arschloch, hat die Freundin versetzt. So beschließt Juliane, etwas mit Otto zu unternehmen, dass es gar nicht erst zum verhängnisvollen Treffen kommen kann. Wenn es knallt, soll es der Sektkorken sein...

„Fenster zum Sommer“ basiert auf dem emanzipatorischen Roman „Zuflucht hinter der Zeit“ von Hannelore Valencak aus dem Jahr 1967, der zehn Jahre später unter dem heutigen Titel „Das Fenster zum Sommer“ neu ediert worden ist. Dem Ensemblefilm kommt zunutze, dass mit Nina Hoss, Mark Waschke, Fritzi Haberlandt und Lars Eidinger alle vier Hauptdarsteller dem gleichen Jahrgang der renommierten Berliner Ernst-Busch-Schauspielschule entstammen. Aber er ist auch bis in kleinste Nebenrollen großartig besetzt: Barbara Philipp als Kollegin Sabine, Barbara Schnitzler als Klinikärztin und Mike Adler als Taxifahrer.

Hendrik Handloegten erzählt die Geschichte introspektiv, aus der Figur der 35-jährigen Übersetzerin und Dolmetscherin Juliane Kreisler heraus, ohne dabei auf klassische Hilfsmittel wie ein Voice-Over zurückzugreifen. Für die Leinwand-Adaption blieb freilich nur die Grundkonstellation der österreichischen Autorin übrig, nach der eine Frau einen Abschnitt ihres Lebens, den sie schon hinter sich gelassen hat, noch einmal und mit einem anderen Bewusstsein erlebt. Der Regisseur im Prokino-Presseheft: „Eine Lösung wird es nicht geben, es bleibt die Frage. Und die nimmt der Zuschauer mit nach Hause. Natürlich gibt es verschiedene Lesarten für das, was Juliane passiert, aber keine Erklärung. Das finde ich einfach stärker. Es bleibt. Oder wie Juliane es im Film ausdrückt: Eine Sache des Herzens kann vom Verstand nicht erklärt werden.“

So ganz vermag ich dem Regisseur, der die ersten fünf Jahre seines Lebens in Finnland verbracht hat und sich nun mit einer einzigartigen Hommage revanchiert, die von melancholischer, bisweilen gar schwermütiger finnischer Musik unterlegt ist, nicht zu folgen. Ohne zu viel vorwegzunehmen, wird die Reise am Ende in Julianes altertümlichem Saab mit Potsdamer Kennzeichen zu dritt fortgesetzt: Sie hat sich der Verantwortung für den Sohn ihrer verstorbenen, alleinerziehenden Freundin gestellt. Ganz selbstverständlich. Im September 2011 auf dem Filmfestival Zürich uraufgeführt und am 2. Oktober 2011 auf dem Filmfest Hamburg als Deutsche Erstaufführung gezeigt, sorgte Arte am 6. Februar 2013 für die Erstausstrahlung.

Pitt Herrmann

Credits

Schnitt

Musik

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie-Assistenz

Script

Kamera-Assistenz

Steadicam

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Ton-Design

Mischung

Casting

Musik

Darsteller

Produzent

Co-Produzent

Associate Producer

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 03.07.2010 - 06.12.2010: Finnland, Berlin, Hamburg, Leipzig
Länge:
2628 m, 96 min
Format:
35mm, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 29.08.2011, 129016, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 03.11.2011

Titel

  • Originaltitel (DE) Fenster zum Sommer
  • Weiterer Titel Summer Window

Fassungen

Original

Länge:
2628 m, 96 min
Format:
35mm, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 29.08.2011, 129016, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 03.11.2011