Die Bücherdiebin

Deutschland USA 2013/2014 Spielfilm

Inhalt

Während des Zweiten Weltkriegs wird die neunjährige Liesel von ihren Eltern getrennt und in München von den Pflegeeltern Hans und Rosa Hubermann aufgenommen. Die Hubermanns haben allerdings ein Geheimnis: Sie verstecken den jungen Juden Max vor den Nazis. Max freundet sich mit Liesel an und bringt ihr das Lesen bei. Das Mädchen begeistert sich immer stärker für die Magie der Literatur. Um an neuen Lesestoff zu kommen, stiehlt sie Bücher und zieht bei Bücherverbrennungen heimlich Bücher aus dem Feuer. So bewahrt sie einerseits Kulturgüter vor der Vernichtung und flüchtet sich zugleich vor der grausamen Kriegsrealität in die literarischen Geschichten.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Februar 1938. Ein Eisenbahnzug bahnt sich, von einer Dampflok gezogen, den Weg durch eine verschneite Landschaft. Doch die Postkarten-Idylle aus der Vogelperspektive täuscht: In den Waggons herrscht düstere Stimmung. Insbesondere bei einer jungen Mutter und ihren beiden kleinen Kindern: Noch während der Zugfahrt stirbt der Junge und wird quasi neben den Bahngleisen am nächsten Haltepunkt beerdigt. Seine Schwester Liesel Meminger wird von einer Rotkreuz-Schwester zu ihren neuen Eltern gebracht, da ihre Mutter als überzeugte Kommunistin fluchtartig Deutschland verlassen muss, das sich anschickt, als „Tausendjähriges Reich“ Weltgeschichte zu schreiben.

Hans Hubermann, die Güte und Gutmütigkeit in Person, und seine sich sogleich arg kratzbürstig gebende Gattin Rosa haben offenbar nicht aus reiner Barmherzigkeit ein Zweibettzimmer im Obergeschoss ihres bescheidenen Hauses in der Himmelstraße für die erwarteten Geschwister zurechtgemacht: Mit dem Zuschuss von der Fürsorge kommen sie besser über die Runden, seit der Anstreicher Hans nicht mehr so viele Aufträge im Ort erhält. Handwerk hat auch in der totalen Aufbruchstimmung des Dritten Reiches nur für den einen goldenen Boden, der das Hakenkreuz-Abzeichen am Revers trägt. Nun ist nur ein Mädchen gekommen – was für Rosas Stimmung nicht gerade zuträglich ist.

Liesel findet im eher schmächtigen, aber auch drahtig-mutigen Nachbarsjungen Rudi Steiner sogleich einen Freund, der sie vor der Schulklasse und dem forschen Jung-Nazi Franz Deutscher in Schutz nimmt, als sich herausstellt, dass es bei ihr mit dem Lesen und Schreiben nicht weit her ist. Liesel besitzt im Grunde genommen nichts außer einem Porträtfoto ihres verstorbenen kleinen Bruders und dem „Handbuch für Totengräber“, das sie bei seiner Beerdigung an sich genommen hat. Hans Hubermann kümmert sich rührend um seine neue Tochter, bringt ihr an Hand dieses Buches nachts heimlich das Lesen bei und schreibt auf großen Schiefertafeln im Keller alphabetisch geordnete Worte. Die Liesel nach und nach zu einem ganz persönlichen Wörterbuch ergänzt – und so quasi über Nacht auch Schreiben lernt.

November 1938, Reichsprogromnacht. Auch in Stuttgart werden Schaufensterscheiben eingeschlagen, die jüdischen Geschäftsinhaber verprügelt und Synagogen angezündet. Max Vandenburg wird von seiner Mutter zu den Hubermanns geschickt: Sein verstorbener Vater hat Hans im Ersten Weltkrieg das Leben gerettet und der ihm versprochen, sich nach Möglichkeit zu revanchieren. Nun ist die Zeit gekommen: Wer es bisher nicht ins rettende Ausland geschafft hat, muss untertauchen. So wird auch das zweite Bett in Liesels Stube belegt: Max erholt sich nur langsam von den Strapazen seiner Flucht.

April 1939, Parade zu Führers Geburtstag. Alex Steiner und Sohn Rudi nehmen wie das Ehepaar Hubermann und Tochter Liesel an den Feierlichkeiten teil, Höhepunkt ist das Entzünden eines großen Scheiterhaufens „zur geistigen und moralischen Reinigung“ Deutschlands von Schriften und Büchern „entarteter Autoren“. Darunter befindet sich auch ein Exemplar von „Der Unsichtbare“ von H.G. Wells, das Liesel heimlich den Flammen entreißen kann. Aber nicht unbemerkt: Ilsa Hermann hat die Szene beobachtet, ihrem Gatten, dem Bürgermeister und überzeugten Nazi aber nichts verraten. Später wird sie der Tochter ihrer Wäscherin und Näherin erlauben, in der umfangreichen Bibliothek ihres verschollenen Sohnes zu lesen.

Dezember 1941, die Wehrmacht steht vor Moskau und Adolf Hitler im Zenit seiner Macht. Max nimmt entsprechende Schlagzeilen der NS-Propagandablätter, die Liesel von Franz Deutscher mit nach Hause nimmt, mit Verwunderung zur Kenntnis, sicherlich auch mit Verzweiflung. Die er sich jedoch nicht anmerken lässt. Schneidermeister Alex Steiner wird einberufen, während zum Weihnachtsfest im unbeheizten Keller der Hubermanns ein Schneemann gebaut wird. Welcher Max beinahe zum Verhängnis wird: der Flüchtling zieht sich eine lebensbedrohende Erkältung zu, kann natürlich nicht medizinisch behandelt werden. Liesel liest ihm nächtelang vor, die Lektüre „borgt“ sie sich heimlich aus der Bürgermeister-Villa. Als Rudi hinter das Geheimnis kommt und auch Franz Deutscher Lunte riecht, scheint es um den noch sehr schwachen Max geschehen zu sein. Zumal Schwarzhemden die Keller durchforschen – freilich (noch) nicht nach untergetauchten Kommunisten und Juden, sondern auf der Suche nach stabilen Wänden zur Errichtung von Luftschutzräumen.

Das Kriegsglück wendet sich, nun wird auch die Heimat zur Front. Fast täglich Bombenalarm. Max hat sich wieder erholt und erkennt, dass er gehen muss: Bei der Verhaftung eines Nachbarn hat sich Hans lautstark für diesen eingesetzt und ist so selbst ins Visier der Nazis geraten. Die letzten Reserven werden mobilisiert, selbst Hans wird einberufen. Und Rudi, der übrigens Liesel den Spitznamen „Die Bücherdiebin“ verpasst hat, soll auf eine Napola-Eliteschule, was dem bekennenden Fan des vierfachen Olympiasiegers von Berlin 1936, des farbigen Amerikaners Jesse Owen, überhaupt nicht passt.

November 1942. Juden werden auf dem Todesmarsch von einem zum anderen KZ durch den Ort getrieben, Liesel und Rudi fragen jeden nach Max und geraten so selbst in Lebensgefahr. Als ein Bomben-Volltreffer die ganze Himmelstraße in Schutt und Asche legt, kann nur noch Liesel lebend aus den Trümmern gezogen werden – und Rudi stirbt in ihren Armen. 1945, US-Truppen patrouillieren durch die Stadt. Alex Steiner hat seine Schneiderei wieder geöffnet, wo auch Liesel Arbeit gefunden hat. Und dann steht plötzlich ein großgewachsener junger Mann in der Tür...

Der australische Schriftsteller Markus Zusak, der 1975 als Sohn einer deutschen Mutter und eines österreichischen Vaters geboren wurde, hat 2005 mit „The Book Thief“ einen acht Millionen Mal verkauften Weltbestseller geschrieben, der auf den Erzählungen seiner Eltern basiert. Aus den 580 Seiten des Romans hat Michael Petroni das Drehbuch destilliert, indem er die Chronologie der Vorlage neu ordnete und bestimmte Szenen modifizierte, um so größere emotionale Effekte auf der Leinwand zu erzielen. Zusammen mit dem britischen Regisseur Brian Percival ist ihm ein höchst emotionaler Film gelungen, der melodramatische Effekte keineswegs scheut, diese aber durch die sonore Stimme eines allwissenden, in der deutschen Synchronisation von Ben Becker gesprochenen Erzählers immer wieder bricht. Und dieser bissig-sarkastische, unverblümt-witzige und dabei durchaus auch selbstironische Erzähler ist der Tod – und der ist bekanntlich ein Meister aus Deutschland.

Beeindruckend die Riege hervorragender Schauspieler, allen voran die, man glaubt es einfach nicht, erst 13-jährige Sophie Nélisse als Liesel Meminger. Die erfolgreiche kanadische Turnerin wollte eigentlich an den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro teilnehmen, ließ sich aber dann doch noch vom Drehbuch umstimmen. Während der australische „Oscar“-Preisträger Geoffrey Rush nahtlos an seine brillante Darstellung in „The King's Speech“ anknüpft, lässt mir die Britin Emily Watson bisweilen zu sehr durchscheinen, dass sie den Hausdrachen Rosa Hubermann nur spielt. Uraufgeführt am 3. Oktober 2013 auf dem kalifornischen Mill Valley Filmfestival folgten die Deutsche Erstaufführung am 23. Januar 2014 im Berliner Zoo-Palast und die Free-TV-Premiere am 2. Dezember 2018 auf Sixx.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Drehbuch

Kamera-Assistenz

2. Kamera

Steadicam

Visuelle Effekte

Szenenbild

Ausstattung

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Ton-Assistenz

Synchron-Ton

Spezialeffekte

Stunt-Koordination

Darsteller

Sprecher

Ausführender Produzent

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 28.02.2013 - 15.04.2013: Studio Babelsberg, Berlin, Brandenburg , Görlitz
Länge:
132 min
Format:
HD, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 13.12.2013, 142502, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 13.03.2014

Titel

  • Originaltitel (DE) Die Bücherdiebin
  • Weiterer Titel (US) The Book Thief

Fassungen

Original

Länge:
132 min
Format:
HD, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 13.12.2013, 142502, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 13.03.2014

Auszeichnungen

FBW 2014
  • Prädikat: besonders wertvoll