Männerpension

Deutschland 1995/1996 Spielfilm

Inhalt

Mit einer innovativen Resozialisierungsmethode will Gefängnisdirektor Dr. Fazetti seinen Häftlingen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft erleichtern: Er sucht eine Reihe starker, engagierter Frauen, die die Knackis während eines einwöchigen Hafturlaubs bei sich zu Hause aufnehmen und ihnen die Grundregeln korrekten Sozialverhaltens und Verantwortungsbewusstseins nahe bringen.

Die beiden Kumpels Steinbock und Hammer Gerd gehören zu den Auserwählten des Programms. In der idealistischen, etwas spröden Altenpflegerin Emilia und der sensiblen Möchtegern-Sängerin Maren finden die zwei Hallodris attraktive Gastgeberinnen. Allerdings plant Steinbocks rüstiger Ganoven-Opa bereits einen großen Coup, bei dem er natürlich auf die Hilfe seines Enkel zählt. Aber so schwierig sich das Leben "draußen" auch gestaltet: Als Hammer Gerd und Steinbock nach einer überaus turbulenten Woche in ihre Zelle zurückgeschickt werden, wird ihnen klar, das sie ihre Herzen an ihre Gastgeberinnen verloren haben.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Meine Geschichten sind Märchen. Ich möchte letztendlich, dass man sie als eigene Welt sieht, in die man einsteigen kann“: Auch Detlev Bucks fünfter Film, „Männerpension“, ist eine solche eigene Welt mit einer Crossover-Geschichte quer durch die filmischen Genres: Beziehungskiste, Gefängnisstreifen, Mafia-Thriller, Casting-Tragödie mit tödlichem Ausgang. In welcher der 33-jährige Co-Autor, Regisseur und Co-Produzent erneut auch eine Hauptrolle übernommen hat: Für den „Hammer-Gerd“ war freilich zunächst Leander Haußmann vorgesehen, doch der kam mit dem Slang der Knacki-Sprache nicht zurecht. So hat der seinerzeit jüngste Bochumer Schauspielhaus-Intendant die Rolle des jüngsten Gefängnisdirektors, Dr. Fazetti, übernommen. Und der ist ein progressiver, aber auch aalglatter und eitler Resozialisierer („Gefangene sind unterhaltsam, liebesfähig und dankbar“), der auf die Idee kommt, seine „Schützlinge“ bei alleinstehenden Frauen auf Hafturlaub zu schicken.

Doch die Gefängnisinsassen sind Männer, die sich als nicht anpassungsfähig erweisen. Und wenn sie auch voller Sehnsucht brennen, finden sie oft die richtigen Worte nicht. Da hilft der politische Gefangene Raffuzzi (Christof Wackernagel erneut in einer kleinen, aber bemerkenswert feinen Rolle) beim Abfassen der Liebeslyrik aus. Steinbock (selbstgefälliger Macho: Til Schweiger) und Hammer-Gerd (minderbemitteltes Raubein: Detlev Buck) sind nicht nur Zellengenossen, sondern auch Freunde. Mit Hilfe von Steinbocks Opa (Grufti-Mafiosi: Gideon Singer), der im Altenheim Rentnerinnen für sich anschaffen lässt, darunter auch Henriette (die herrliche Tana Schanzara), und wenig später als Tresorknacker unfreiwillig aus dem Casanova-Leben scheidet, gelingt es den beiden, in Dr. Fazettis Vorzeige-Knacki-Gruppe zu kommen, für die sich nach einem Aufruf in der Presse eine respektable Garde alleinstehender Frauen gefunden hat.

Emilia Bauer (Marie Bäumer glänzt als resolut-kühle, aber auch sehnsuchtsvolle Altenpflegerin mit Öko-Touch und Schifferklavier-Romantik) ist für Steinbock offenbar ebenso eine Nummer zu groß wie Hammer-Gerds Hafturlaubs-Partnerin (Steffi Kühnert als „Die Ernste“). Doch Letzterer lernt an einer Bushaltestelle die junge Maren Krummsieg kennen (fulminantes Kinodebut für die TV-Moderatorin Heike Makatsch als so charmantes wie reichlich naives Schlagersternchen) und fungiert über Nacht als deren „Manager“. Was zu einer von zahlreichen szenischen Miniaturen führt, welche die hohe Qualität des Films begründen: Casting im „Berliner Ensemble“. Frank Castorf, im wahren Leben Intendant der konkurrierenden Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, spielt den Regisseur, der vom Parkett aus die junge Maren, kaum dass sie den Mund aufgemacht hat, schon wieder von der Bühne jagt. Was „Manager“ Hammer-Gerd nicht auf seiner Flamme sitzen lässt: Mit einem Kinnhaken wird der Theatermacher („Das ist hier sowieso viel zu theoretisch. Das is’n Theoretiker“) auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geschickt.

„Männerpension“ lebt von so herrlichen Szenen, zu denen auch ein Schubkarrenrennen im Innenhof des Knastes (gedreht wurde in einem aufgelassenen DDR-Zellenbau in Rummelsburg vor den Toren Berlins) gehört, und Dialogen von köstlichem Witz. So ziehen Steinbock und sein Kumpel Hammer-Gerd in glänzenden Pilotenuniformen und einem traumhaften Mercedes-Cabrio los, um „ihre“ Frauen zu becircen. Doch die zickige Emilia Bauer lässt sich so einfach nicht ’rumkriegen – bis es dann doch passiert in der Scheune ihres Anwesens weit draußen im idyllischen Brandenburg. Detlev Buck zeigt die heiße Liebesszene nur andeutungsweise, lässt dafür umso eindeutiger die Tiere des Hofes sprechen: Ein Ziegenbock kaut an Emilias BH, ein Hahn lässt am frühen Morgen seinen kräftigen Ruf ertönen...

„Männerpension“ ist freilich auch ein – augenzwinkernd – böser Film: Da explodieren Hühner auf Emilias Hof, da werden platteste Altherrenwitze kolportiert, da gibt Steffen Schult als „Stotter Harry“ den Typ des ewig Zukurzgekommenen, da lässt Opa Steinbock seine Altenheim-Mitbewohnerinnen für sich anschaffen. Und für realistische Knast-Szenen hat der Co-Drehbuchautor Eckhard Theophil gesorgt, der selbst über eine zusammengerechnet zehnjährige Erfahrung hinter Gittern verfügt. Nicht zu vergessen der Soundtrack des 97-minütigen Streifens, den Metronom bereits am 2. Februar 1996, einen Tag nach dem Kinostart, herausbrachte – mit allein zehn Titeln von Detlef Petersen und Heike Makatschs höchst erfolgreicher Coverversion von Tammy Wynettes Country-Hit „Stand by Your Man“, die später als Single-Auskopplung erschien.

Die parallel zum Kinostart von Joachim Król glänzend moderierte NRW-Premiere des Films fand übrigens als großartig arrangierte Gala im Schauspielhaus Bochum statt – als erstes Event des noch ganz jungen Bochumer Intendanten Leander Haußmann. Zumal mit Gennadi Vengerow, Steffi Kühnert, Steffen Schult, Tana Schanzara und dem Hausherrn selbst das Bochumer Ensemble vielköpfig auf der Leinwand vertreten war. Das „Wohnzimmer“ Bochums platzte jedenfalls aus allen Nähten – bis in die frühen Morgenstunden. Noch 1966 gabs den Bayerischen Filmpreis für Heike Makatsch als „beste Nachwuchsdarstellerin“, die „Goldene Leinwand“ des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater und den „Bambi“ der TV-Zeitschrift „Hör Zu“ (heute: Burda-Medien) für den besten nationalen Film, im Jahr darauf kam der Jupiter Award der Zeitschrift „Cinema“ in der Kategorie „Bester deutscher Film“ hinzu. Free-TV-Premiere war am 3. März 1999 in der ARD.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Schnitt

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie

Optische Spezialeffekte

Kamera-Bühne

Storyboard

Außenrequisite

Innenrequisite

Titel

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Ton-Assistenz

Geräusche

Mischung

Produzent

Redaktion

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Produktions-Assistenz

Produktions-Sekretariat

Dreharbeiten

    • 18.07.1995 - 13.09.1995: Berlin und Umgebung, Potsdam
Länge:
2719 m, 97 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby Stereo SRD
Aufführung:

Kinostart (DE): 01.02.1996;
TV-Erstsendung: 14.03.1998, Premiere

Titel

  • Arbeitstitel Fertig zum Einschluß - Gute Nacht
  • Originaltitel (DE) Männerpension

Fassungen

Original

Länge:
2719 m, 97 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby Stereo SRD
Aufführung:

Kinostart (DE): 01.02.1996;
TV-Erstsendung: 14.03.1998, Premiere

Prüffassung

Länge:
2569 m, 94 min
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 09.01.1996, 74497, ab 12 Jahre / feiertagsfrei