Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Musik
Darsteller
- Kruso
- Ed
- Krombach
- Rimbaud
- Christina
- René Salzlach
- Mona
- Antilopé
- Reisender
- Spurtefix
Produktionsfirma
Produzent
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Vorlage
Kamera
Production Design
Kostüme
Schnitt
Ton
Musik
Darsteller
- Kruso
- Ed
- Krombach
- Rimbaud
- Christina
- René Salzlach
- Mona
- Antilopé
- Reisender
- Spurtefix
- Karola
Produktionsfirma
in Co-Produktion mit
Produzent
Filmförderung
Dreharbeiten
- 04.09.2017 - 11.10.2017: Litauen, Halle (Saale)
Länge:
99 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:
Uraufführung (DE): 30.06.2018, München, Filmfest
Titel
- Originaltitel (DE) Kruso
Fassungen
Original
Länge:
99 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:
Uraufführung (DE): 30.06.2018, München, Filmfest
Auszeichnungen
Deutscher Fernsehpreis 2019
- Deutscher Fernsehpreis (ex aequo >Der Polizist und das Mädchen< und >Gladbeck<), Bester Schauspieler
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Lutz Seilers 480-seitiger, 2014 bei Suhrkamp edierter und mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneter Debütroman „Kruso“ bezieht sich bewusst auf Daniel Defoes Abenteuerroman „Robinson Crusoe“ aus dem Jahr 1719. Seiler, der als ursprünglicher Lyriker eine enorme Detailfreudigkeit offenbart, greift die Parabel für die Autonomie des Individuums außerhalb sozialer Zwänge in seiner Geschichte auf, die im letzten Sommer vor dem Mauerfall auf der kleinen Ostseeinsel Hiddensee spielt. Wo Lutz Seiler selbst im Sommer 1989 als Spülkraft in der Gaststätte im Dornbusch, dem hügeligen Hochland im Norden der Insel, tätig war.
Jenseits des staatlich organisierten Tourismus wurde die abgeschiedene Insel vor Rügen alljährlich zu einer Art Künstlerkolonie und zum Sehnsuchtsort für Aussteiger und Alternative. Durch die Nähe zu Dänemark war Hiddensee zugleich Treff- und Ausgangspunkt für die gefährliche Flucht über die Ostsee. Nach dem offiziell als Unfalltod beurkundeten Selbstmord seiner Freundin Gesine (Hannah Erlichmann) flüchtet der 24-jährige Germanistikstudent Edgar „Ed“ Bendler zur Wendezeit vor dem akademischen Leben in Halle nach Hiddensee. Er heuert als Saisonkraft in der Ausflugsgaststätte „Zum Klausner“ an, wird von Smutje („Ihr schafft mich nicht“: Daniel Fripan) angeleitet und lernt bald Kruso kennen, der seit seiner Kindheit auf der Insel lebt und ihn sofort in seinen Bann zieht.
„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will“: Kruso, der eigentlich Alexander Krusowitsch heißt, ist der Sohn eines sowjetischen Generals und einer früh verstorbenen Wolgadeutschen. Als Tellerwäscher ist er der heimliche Steuermann der eingeschworenen Mannschaft im „Klausner“ – und ihr Guru. Seine Mission ist es, den Systemüberdrüssigen und potenziell Republikflüchtlingen seine bei Rousseau entlehnte Idee einer inneren Freiheit nahezubringen und sie vor dem Tod in der Ostsee zu bewahren. Den Krusos Schwester Sonja bei einem Fluchtversuch ereilte.
Intellektuelle, Aussteiger und Sonderlinge stellen die Belegschaft im „Klausner“. Höhepunkt und tägliches Ritual der eingeschworenen Gemeinschaft ist die Tafelrunde pünktlich um acht Uhr am Morgen. Mit Witz und Improvisation hält die bunte Truppe das Ausflugslokal auf Kurs und lebt den freien Geist der Insel. Der nur „Kapitän“ genannte Direktor Krombach versucht den Mangel zu verwalten und amüsiert die Gäste mit Taschenspielertricks. Die Kellner, der schnauzbärtige, Rimbaud genannte promovierte Philosoph, der mit der „Kollegin“ Antilopé liiert ist, die ihn regelmäßig zur Hauptsaison auf die Insel holt, und der promovierte Soziologe Mirko Cavallo (Johann Jürgens), versüßen sich die Arbeit mit Schachpartien und subversiven Zitaten aus der Weltliteratur. Kruso weiht Ed in die Rituale zur Rettung der sogenannten „Schiffbrüchigen“ ein. In drei Nächten will er sie zu den „Wurzeln der Freiheit“ führen.
Doch aus dem Küchenradio dringen überraschende, ja schier unglaubliche Nachrichten des Westsenders Deutschlandfunk. Immer mehr DDR-Bürger gelingt die Flucht über Ungarn in den Westen. So wird auch der „Klausner“ leerer, aus der schützenden Arche wird ein sinkendes Schiff. Und Direktor Krombach wird als „Saboteur des Sozialismus“ entlassen, obwohl er am Wenigsten für den Aderlass an Gästen und Personal kann, darunter Karola, der Koch Mike (Thomas Lawinky), der zu Frau und beiden Kindern nach Bergen zurückkehrt, und René Salzlach, der mit Krombachs Tochter Monika, genannt Mona, die sich um die Feriengäste kümmert, zusammen ist. Nur die Freundschaft von Ed und Kruso scheint alle Zeitläufte zu überstehen. Beide haben jeweils ihren liebsten Menschen verloren, sprechen aber so gut wie nie darüber. Vielmehr verständigen sie sich über Gedichte, die wie Kassiber hin und her gehen...
Natürlich hat Thomas Kirchner die Romanhandlung eingedampft, etwa um die Vorgeschichte der Titelfigur und den dokumentarischen Epilog der Recherche in dänischen Archiven. Natürlich ist Thomas Stubers Film nicht so komplex wie die Vorlage, aber „Kruso“ gehört zu den unterhaltsamsten und – mit der DDR-Musik der populären Gruppe „Silly“ wie der Punker von „Feeling B“ – zugleich atmosphärisch authentischsten Filmen zum Untergang des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden. Wozu nicht zuletzt die stimmige Besetzung bis in Nebenrollen beigetragen hat. So ist Elmar Krekeler voll zuzustimmen, der in der „Welt“ (vom 26. September 2018) schrieb: „Dass so etwas Leises möglich ist im deutschen Fernsehen, wundert man sich. Ein Film von so einer seltenen, seltsamen Menschlichkeit.“ Die auf der Kurischen Nehrung gedrehte TV-Produktion ist am 26. September 2018 in der ARD erstausgestrahlt worden.
Pitt Herrmann