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Abenteuerfilm, dessen Geschichte vom Fund des "Ötzi" in den Südtiroler Alpen inspiriert wurde, der 5.300 Jahre alten, mumifizierten Leiche eines Steinzeitmenschen. Im Film trägt er den Namen Kelab. Er ist der Anführer eines Stammes, der friedlich in jenem Gebiet lebt, das man heute die Ötztaler Alpen in Österreich nennt. Eines Tages kehrt Kelab von der Jagd zurück und wird mit einem Schreckensszenario konfrontiert: Sein Stamm wurde überfallen und alle Mitglieder getötet, darunter auch seine Frau und sein Sohn. Außerdem haben die Angreifer das Heiligtum des Stammes geraubt. Kelab nimmt die Verfolgung der Täter auf, fest entschlossen, sich an ihnen zu rächen. Ganz auf sich alleine gestellt, muss er sich vor Kälte, Stürmen, Eis und Schnee schützen. Doch als er die Mörder endlich ausfindig macht, ist er plötzlich nicht mehr sicher, ob er seinen Racheplan wirklich bis zur letzten Konsequenz umsetzen soll.
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Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung! Zusammen mit dem Baby und einer Ziege, welche die Milch für das Neugeborene liefert, folgt Kelab den Spuren der Täter bis hinauf in die Schneeregionen der Alpen. Doch zunächst erwischt er die Falschen – und tötet einen der Händler. Als er auf seiner entbehrungsreichen Odyssee durch das Gebirge, in welcher er ständig den Gefahren der Natur ausgesetzt ist, auf den alten Jäger Ditob (die italienische Filmlegende Franco Nero) und seine Tochter Kulan trifft, überlässt er Letzteren den Säugling und die Ziege. In einer Schlucht kommt es zum Showdown mit den wirklichen Tätern, die ein Fell mitführen, das Kelabs Sohn gehört hat...
Ein Mann überquert das Tisenjoch im Südtiroler Schnalstal, wird dort ermordet und auf natürliche Weise im Eis konserviert. 1991 finden zwei Wanderer den „Mann aus dem Eis“, weltbekannt unter dem Namen Ötzi. Sein Körper liefert immer wieder neue Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren. Doch was zu seinem gewaltsamen Tod führte, bleibt bis heute ein Geheimnis. Warum dieser Mann unterwegs war, was ihn antrieb und warum er dort sterben musste, zeigt Felix Randaus dokumentarisch grundierter Spielfilm „Der Mann aus dem Eis“ mit emotionaler Wucht. Der mit Jürgen Vogel grandios besetzte Cinemascope-Streifen, zu dem der in Polen geborene, aber in Deutschland ausgebildete Kameramann Jakub Bejnaworicz berückende Bilder liefert, ist am 21. Januar 2019 beim koproduzierenden Streamer Sky Cinema erstausgestrahlt worden, Free-TV-Premiere war am 16. Dezember 2019 auf Arte.
Die hochspannende und naturgemäß fiktive Geschichte kommt fast ohne Worte aus, denn es sind zumindest für unsere Ohren nur Laute, mit denen sich die Menschen damals verständigten: der Schweizer Sprachforscher Chasper Pult hat für den international produzierten Film eine „Sprache“ entwickelt, die an eine Urform der rätischen Sprache angelehnt ist. Sie wird konsequenterweise nicht übersetzt und ist dennoch für die Zuschauer weltweit verständlich.
Ganze Arbeit leistete die Szenenbildnerin Juliane Friedrich, die nach historischem Vorbild aus der Bodensee-Region Kelabs Dorf in einem Naturschutzgebiet der Südtiroler Alpen nachbaute – mit fellgeschützten Iglus aus Reisig und Baumstämmen, mit einer primitiven Vorform des Webstuhls, mit Stallungen für Ziegen und kleinwüchsige schwarze Schweine. Die Bozener Archäologen, die „Ötzi“ in einem neugebauten Museum konservieren, haben bei der detailreichen Ausstattung des Spielfilms, der freilich eine rein erfundene Geschichte erzählt, geholfen.
„Der Mann aus dem Eis“ verbindet Anthropologie, Archäologie und Geschichte mit einer spannenden Story, die dazu noch in archaischer Zeit spielt, wo noch Mann gegen Mann kämpft mit primitiven Waffen aus eigener Handarbeit. Dass am Ende dieses prähistorischen Westerns der rachedurstige Kelab empathische Züge offenbart, ist natürlich reine Fiktion – und, soviel darf verraten werden, noch nicht das Ende.
Felix Randau im Port au Prince-Presseheft: „Ich habe eine Menge Bücher über den Stand der Ötziforschung gelesen. Und diese wissenschaftlich verbürgten Erkenntnisse, die wir über diesen ersten ungeklärten Mordfall der Geschichte haben, die waren für mich Leuchttürme, die mir den Weg für meine Geschichte über Ötzis letzten Tage gewiesen haben. Gleichzeitig ließen sie mir genügend Freiheit für das Fiktionale, das sich organisch und logisch in die historischen Ötzi-Fakten einfügen sollte. Mein Ansatz war, Ötzis Geschichte so zu erzählen, wie es hätte gewesen sein können. Und es ist schön zu wissen, dass wir darin durch die Forschung sogar gestützt werden. Erst während der Dreharbeiten hat ein Profiler den Mordfall rekonstruiert und ist zu einer ähnlichen Version der Geschehnisse gekommen, wie wir sie im Film erzählen.“
Pitt Herrmann