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Im August 1924 wurde der Geheimrat Prof. Dr. Ernst Schultze beauftragt, den Serienmörder Fritz Haarmann zu untersuchen, um ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen, welches Auskunft über Haarmanns Zurechnungsfähigkeit geben soll. Der Kaufmann Haarmann wurde beschuldigt, in Hannover 24 junge Männer ermordet, zerstückelt und zum Teil auch gegessen zu haben. Basierend auf den Protokollen der Gespräche zwischen Schultze und Haarmann zeichnet der kammerspielartige, in nur einem einzigen Raum spielende Film den Verlauf der Untersuchung nach. Die Texte der Gesprächsprotokolle werden dabei originalgetreu wiedergegeben.
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Ein einziger Raum ist der Ort dieses nachhaltig beeindruckenden Kammerspiels, in dem sich die ganze Zeit über nur drei Personen befinden: Der Angeklagte, der Gutachter und ein Stenograf. Alle Dialoge sind authentisch, basiert der Film doch auf den 400 Seiten umfassenden Vernehmungsprotokollen des Psychiaters Prof. Ernst Schultze, der 1924 im Rahmen der Ermittlungen vor dem Landgericht Hannover den Angeklagten befragte, dem vorgeworfen wurde, mindestens 24 Jungen und Männer ermordet zu haben.
Ziel der Befragungen war es, Haarmanns Schuldfähigkeit beurteilen. Diese Protokolle hat der Philosoph, Psychologe und Kulturkritiker Theodor Lessing („Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs“) ausgewertet und zu einer tiefgründigen Analyse verdichtet. Die wiederum Alfred Döblin als eine der Grundlagen zu seinem wohl berühmtesten Roman, „Berlin Alexanderplatz“, diente: Milieustudien der Halbwelt Hannovers und der Not einer entwurzelten Jugend nach dem Ersten Weltkrieg.
Götz George, für seine Verkörperung des Fritz Haarmann bei der „Biennale“ in Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet, stehen weitere herausragende Schauspieler zur Seite: Jürgen Hentsch als verhörender Professor Ernst Schultze, Pierre Franckh als zunächst angewiderter, dann jedoch immer stärker von Haarmann faszinierter Protokollant, Hans-Michael Rehberg als Kommissar Rätz sowie Matthias Fuchs als Arzt Dr. Machnik.
Romuald Karmakers Verdienst ist es, das dokumentarische Material zu einem Psychothriller verdichtet zu haben, dessen Spannung analog zur Sympathiekurve für den Massenmörder an immerhin mehr als zwei Dutzend Opfern kontinuierlich ansteigt. Aus den Protokollen des Psychiaters Ernst Schultze Mitte der 1920er Jahre schält Karmakar eine Persönlichkeit heraus, die ihrer Wut nach innen nicht mehr Herr geworden ist. In den spröden Gesprächsverhören wird, und das ist für den damals erst 30-jährigen Filmemacher schon eine erstaunliche Leistung, im Psychogramm des Mörders, der die Phantasie seiner Zeit anregte wie zuvor nur Frankensteins Kreatur, die Pathologie der Weimarer Republik deutlich.
„Der Totmacher“ ist 114-minütiges seriöses Dokumentarkino, das nicht nur in einem einzigen Raum spielt, sondern das sich ganz auf Worte, Gesichter, minimalste Gesten – und auf Schweigen konzentriert. Und doch unter die Haut geht und stärker zu fesseln vermag, als die ganze Phalanx der amerikanischen Actionreißer mit ihren horrenden Ausstattungsbudgets und technischen Effekten.
Pitt Herrmann