Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!

Deutschland 2009 Spielfilm

Inhalt

In seiner Hommage an Bernhard Sinkels Filmklassiker "Lina Braake" erzählt Regisseur Leander Haussmann von dem Senior Johann Schneider, der sich in die gleichaltrige Lena Braake verliebt. Lena, eine ehrliche und brave Frau, wurde von dem jungen Banker Tobias Hartmann mit unsauberen Methoden um ihr Haus gebracht. Gemeinsam mit Johann, der schon immer als "schwer erziehbar" galt und über eine gewisse kriminelle Energie verfügt, und seiner Rentner-Gang schmiedet Lena nun einen waghalsigen Plan, um sich ihren Besitz zurückzuholen. Dabei müssen die älteren Herrschaften nicht zuletzt vor dem Seniorenheimleiter Piretti auf der Hut sein, der streng aber erfolglos auf die Einhaltung der Heimordnung pocht. Gegen jede Chance legen die "Alten" los – und zeigen den "Jungen", dass noch jede Menge Witz und Lebensmut in ihnen steckt.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Als Lena Braake (Eva-Maria Hagen, 75 Jahre jung) in ihrem idyllisch in einem Hinterhof-Gartenidyll im Schatten des Ost-Berliner Fernsehturms gelegenen Häuschen vom Radiowecker aus Morpheus’ Armen geholt wird, kündigt der Rundfunk-Moderator gerade die Eröffnung einer große Dino-Schau im Naturkundemuseum an. Das wäre auch etwas für die pensionierte Lehrerin. Doch zunächst soll es an die Ostsee gehen. In bester Ferienlaune verteilt Lena im Bus auf dem Weg zur Bank selbstgebackene Kekse an randalierende Schulkinder, die sogleich ganz sanft werden und „Ich wollt’, ich hätt’ ’ne Oma“ seufzen. Die friedliche Stimmung verfliegt schlagartig, als ihre Scheckkarte beim Versuch, etwas Urlaubsgeld abzuheben, von der jungen Bankangestellten zerschnitten wird.

Ein Gespräch beim „jungen Genie“ der Max-Privatbank, Tobias Hardmann (31-jähriges „Küken“ am Set: Daniel Brühl mit Föhnlocken über ungewohnt hoher Stirn), bringt Aufklärung: Die Interessen der Bank waren nicht die Interessen Lena Braakes. Weshalb die „A.D.-Kundin“, worunter im Bankerjargon „Alt und Doof“ gemeint ist, ihr „klein Häuschen“ verliert, auf dessen Grundstück längst der Bau eines großen Einkaufstempels geplant ist. Das „Haus Sonnenruh“ ist nicht wirklich ein Ersatz. Obwohl sich der schleimige Heimleiter Hans Peter Piretti alle Mühe gibt und von „menschlicher Nähe“ in den ziemlich heruntergekommenen Wänden einer einst sicherlich sehr ansehnlichen Villa spricht. Gemeint ist damit aber nur der Zwang für die Wilmersdorfer Witwen, im Schlafsaal nun noch enger zusammenzurücken.

In dieser „Hotel zur untergehenden Sonne“ genannten Endstation mit Haltestelle im Garten, an der noch nie ein Bus Fahrgäste aufgenommen hat, führt Schwester Erika das Kommando. Zumindest ist sie dieser Auffassung. Der eigentliche Strippenzieher aber ist ein alter Charmeur mit ganz jungem Herzen, der sich beim ersten Anblick Lenas plötzlich vorstellen kann, sich doch noch für Gleichaltrige zu interessieren: Johann Schneider (elegantes Schlitzohr: Ezard Haußmann, 74 Jahre jung). Zwar beweist er Lena noch in ihrer ersten Nacht, dass das Wort des zynischen Goldrolex-Trägers Piretti von der „menschlichen Nähe“ nicht nur so dahergesagt ist. Doch es bleibt für ihn noch ein hartes Stück Arbeit, bis die Widerspenstige gezähmt ist und die spröde Oberlehrerin zu ihrem Glück geradezu gezwungen werden kann. Dabei plagen Johann ganz andere Sorgen: Sein Sohn Alexander will ihn entmündigen lassen.

Was freilich auch damit zusammenhängt, dass der Hallodri von Johann immer wieder Demenz-, Alzheimer- oder Parkinsonanfälle simuliert, wenn es allzu brenzlig wird – beim nächtlichen Highlife mit jungen Dingern auf seiner Bude, beim Geldabheben mit Pirettis kopierter Kreditkarte, beim Upgrading der Pflegestufe für befreundete Mitbewohner, denen dann ein Einzelzimmer zusteht. Als Johann von Lenas Geschichte hört, heckt er sogleich einen Plan aus, den skrupellosen Banker mit den eigenen Mitteln zu schlagen. Die halbe Heimbelegschaft scheint aus Spezialisten zu bestehen, mit deren Hilfe das Vorhaben umgesetzt werden könnte. Ziel ist es, das letzte noch nicht im Besitz der Bank befindliche Gartengrundstück zu erwerben – für schlappe 250.000 Euro vom nur auf den ersten Blick altersverwirrten Taubenvatta Victor Semlitsch (Paraderolle für den begnadeten Wiener „Burg“-Star Ignaz Kirchner).

Mit „Dinosaurier“ ist Leander Haußmann ein erstaunliches, ich bekenne: nicht für möglich gehaltenes Remake des Bernhard Sinkel-Klassikers „Lina Braake“ aus dem Jahr 1975 gelungen. Dieser eher leise, gefühlvolle und eben überhaupt nicht hausbackene Film, als den ihn manche Kritiker mit schwachem Gedächtnis bezeichneten, hochkarätig besetzt u.a. mit den beiden Ufa-Stars Lina Carstens und Fritz Rasp, begeisterte dreißig Jahre zuvor gerade aufgrund der stilvollen, feinfühligen Eleganz seiner Protagonisten ein ganz junges Publikum. Und war seinerzeit so erfolgreich, dass Regisseur Sinkel dem Koproduzenten WDR 100.000 Mark anbieten musste zur Verlängerung des Kinovorspielrechts – ein einmaliger Vorgang.

„Subversiver Seniorenulk“? Leander Haußmanns flott inszenierte Geronto-Komödie kann man auch als Hommage und Liebeserklärung an seinen Vater Ezard Haußmann sehen, mit dem er Zeit seines beruflichen Lebens immer wieder zusammengearbeitet hat, auch als Intendant des Schauspielhauses Bochum. In „Dinosaurier“ setzt Leander Haußmann erwartungsgemäß ganz auf furiose Situationskomik und reichlich Slapstick. Er bezieht sich dabei zwar, was die Ausgangssituation der Handlung betrifft, auf Sinkels Kassenschlager. Aber zieht dann doch ganz heutig gegen sehr reale Banker und Immobilienhaie zu Felde mit notwendigerweise weitaus derberen Mitteln als seinerzeit Bernhard Sinkel.

Die exzellente Besetzung gleicht einem Who is who gestandener Komödianten-Dinos, darunter Walter Giller (82) und Nadja Tiller (80), Horst Pinnow (73), Ralf Wolter (83) und nicht zuletzt Ingrid van Bergen (78) als alte Stasi-Spitzel, die, obwohl an den Rollstuhl gefesselt, weiterhin ihrer Horch & Guck-Profession frönt. Wer den von seiner Krebskrankheit schwer gezeichneten Ezard Haußmann am 16. Dezember 2009 bei der Premierenfete auf dem roten Teppich im Kino der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg erlebt hat, kann seinem Sohn Leander Haußmann nur zustimmen: „Allüren kenne ich, allerdings nur von viel jüngeren Schauspielern.“ Die Free-TV-Premiere strahlte das ZDF am 14. Juli 2013 aus.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Schnitt

Musik

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Drehbuch

Steadicam

Optische Spezialeffekte

Standfotos

Licht

Kamera-Bühne

Außenrequisite

Kostüme

Garderobe

Schnitt

Ton-Design

Ton-Assistenz

Musik

Darsteller

Executive Producer

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Produktions-Koordination

Geschäftsführung

Dreharbeiten

    • 17.03.2009 - 07.05.2009: Berlin
Länge:
2837 m, 104 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 20.11.2009, 120638, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 16.12.2009, Berlin;
Kinostart (DE): 24.12.2009

Titel

  • Originaltitel (DE) Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!

Fassungen

Original

Länge:
2837 m, 104 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 20.11.2009, 120638, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 16.12.2009, Berlin;
Kinostart (DE): 24.12.2009

Auszeichnungen

FBW 2009
  • Prädikat: wertvoll